Sonntag, 3. Mai 2020

Wie schräg ist das denn?

Schon seit einiger Zeit ärgere ich mich über mein Mauspad. Abgeranzt am vorderen Ende. Hinten stand mehrfach eine Tasse Kaffee drauf, die wohl zu heiß für Öko war. Aus diesem Grund habe ich mir vor einer Weile aus Filzwolle und auf einem Rahmen, den man mit Stiften bestücken kann ein Quadrat gewebt, in die Waschmaschine gesteckt und verfilzt. Das sehr lockere Gewebe schrumpft auf fast die Hälfte zusammen! 😮 Beim Strickfilzen sind es grade  mal 30%. Dafür wird es aber auch richtig dick. So dick, dass die Hitze der Kaffetasse nicht mehr durchschlägt.

Ok, es kommen nun keine weiteren Tassenschäden dazu, aber schöner wird das Mauspad dadurch auch nicht😒 Immer, wenn ich mir eines kaufen will, heißt es: kauft doch heute keiner mehr. Nimm eines von den 100 anderen, die hier noch rumkullern.
Nun ich finde immer noch welche in diversen Elektronikläden, scheinbar kauft doch immer noch jemand sowas. Und die 100 anderen? Ich weiß nicht, irgendwie funktionieren bei mir nicht alle Mauspads. Manchmal bewegt sich der Zeiger nicht auf dem Bildschirm, manchmal ruckelt er, oder die Dinger sind so hässlich, dass man sie im Keller verstecken muss, damit das ja keiner sieht! Das olle Ding funktioniert halt. Das ist seine einzige Daseinsberechtigung!
Heute ist mir nun aufgefallen, dass mein Kaffeetassenuntersetzer in der Größe halb so breit ist, wie das Mauspad darunter. Blitzartig fährt mir ein Gedanke durch den Kopf: läuft die Maus darauf? Läuft 😎 Oh, da sollte ich doch was anstellen können! Einzelne Quadrate zu weben und sie zusammenzunähen war jetzt nicht grade mein Grundgedanke. Wie immer habe ich für jede Gelegenheit, das passende Spielzeug und diesmal war es ein zusammensteckbarer Rahmen, in den man Stifte stecken kann, die alle im gleichen Abstand sind. Was mir an diesem Teil so gut gefallen hat, war eben das Zusammenstecken, so kann man verschiedene Formen und Größen stecken, mit Rundung, oder Ecke.
Schnell mal alle Einzelleisten zusammengesucht und gemessen. Beim Untersetzer hatte der Rahmen so ca. 18cm Seitenlänge. Also brauche ich für die Mauspadbreite 2x so lang. Die Länge ist 2,5x so viel. Mit allen geraden Stücken und Ecken bekomme ich den Rahmen auf 46x35cm. Das sollte ausreichen.
Neulich hatte ich noch 3 Resteknäule Filzwolle rumliegen. Verflixt, die haben sich wohl selbstständig gemacht. Nunja, dann muss ich halt doch das 4er Päckchen aufreißen.
Den Untersetzer habe ich schon zweimal gemacht. Einmal schön grade die Strippen gezogen, immer parallel zum Rahmen. Und einmal, aus Jux, diagonal. Ich war voll von den Socken, als ich das gefilzte Ergebnis gesehen habe. Der gerade gewebte hatte einen krummen, wie ausgefransten Rand 😮, während der diagonal gewebte ohne dran rumzuzuppeln kerzengerade mit einer glatten schönen Kante schien.
Also diagonal für das Mauspad. Das Prinzip ist eigentlich sehr einfach. Man webt komplett aus dem Knäuel, wie beim Triloom. Der Triloom ist ein dreieckiger Rahmen, auch mit Pins drin. Dort fängt man an der längsten Seite und über die Ecken an, den Rahmen zu bespannen. So richtig weben ist das eigentlich nicht. Die Fäden verkreuzen sich zwar in genau dieser Art. Aber der Faden wird nicht in Kette und Schuss geteilt. Ich muss den Rahmen nicht erst in einer Richtung bespannen, damit ich ihn in der anderen verweben kann. Nein, man arbeitet nur mit dem Faden, das vom Knäuel kommt.
Ich mache dafür am Fadenende eine Schlaufe, die ich hinterher einfach wieder aufziehen kann, hänge sie über Eck-Pin und dann geht es auch schon los. Den Rahmen drehe ich so, dass der Anschlagpin von mir weg liegt, also oben ist.


Wenn der Faden von dem oberen Mittelpin nach unten kommt, lege ich ihn von rechts nach links um den unteren Mittelpin, gehe wieder nach oben und führe ihn um den Pin links vom Mittelpin von unten nach außen und nach rechts wieder nach innen. Hier hebe ich nun den senkrechten Faden hoch, und ziehe die sich bildende Schlaufe (da hängt noch das Knäuel am anderen Ende!) unter dem Faden durch. Lege ihn nach rechts raus aus dem Rahmen und nach unten, wieder rein in den Rahmen um den Pin rechts von der Mitte.
Diese Schlaufe führe ich jetzt wieder nach unten und lege sie um den rechten Pin wie oben. Also nach unten raus aus dem Rahmen, nach links wieder hinein. Und wie von Zauberhand ist der untere Querfaden auch gewebt. Muss ich also nicht extra noch machen. Das hat die Schlaufe erledigt. Dort brauche ich den Faden nur um den nächsten freien Pin zu legen und damit ist die Schlaufe keine Schlaufe mehr, sondern mein Knäuel hängt jetzt wieder nur am anderen Ende. Den Faden führe ich nun wieder nach oben und wiederhole das Spiel. Beim Quadrat mache ich das, bis ich an der linken Ecke bin, wenn das Quadrat auf der Spitze steht.
 Schon ab der zweiten Runde kann man das "Gewebe" sehr gut erkennen.
Sind es dann ein  paar mehr Fäden, kann man auch den Querfaden nicht mehr so einfach gradeziehen. Sollte man auch nicht, weil das Gewebe sonst eine ungleiche Spannung bekommt. Also immer schön locker lassen und den Faden mit einem Stab oder dem anderen Ende der Häkelnadel ein bisschen ranklopfen.
So komme ich nun bei meiner Ecke an und stelle fest, dass ich es in dieser Art nicht fertig weben kann. Die Längsfäden würden eine Wulst bilden, wenn ich bei jedem Durchgang noch einen hinzufügen würde. Mein Knäuel neigt sich dem Ende zu, also nehme ich kurzerhand eine Teppichwebnadel, fädele mein Knäuelfaden hindurch und webe nun ganz normal einfädig durch die Längsfäden, um den Pin und wieder zurück. Ich muss jeden zweiten Pin auslassen, sonst wird es wieder nix.

Geschafft und genau ein 50g Knäuel Filzwolle gebraucht. Schaut ein bissel schräg aus, was mir aber ganz gut gefällt 😍 Es liegt einfach daran, dass sich der Winkel der gezogenen Strippen immer wieder ändert. Es ist zumindest symmetrisch (also umgekehrt symmetrisch - gibt es sowas 🤔)!

Also kann es ja runter vom Rahmen. Dafür drehe ich in einfach um und drücke das Gewebe von den Pins runter. Es ist jetzt schon ein bisschen kleiner, weil am Ende doch einiges an Zug auf dem garn war. Ist ja auch logisch, wenn dauernd ein Faden quer drüber und drunter durch macht, drückt den Längsfaden nach oben oder unten. 
Das Ergebnis gefällt mir! Um die großen Schlaufen am Rand und der Ecke mache ich mir keine großen Sorgen,  das verschwindet beim Filzen.

Beim Rahmenteile zusammensuchen sind mir auch die runden Stücke in die Hände gefallen. Eine Tasse ist ja rund, warum nicht auch einen runden Untersetzer in dieser Art versuchen?
Beim ersten merke ich, ist auch lustig, aber dadurch, dass es rund ist, habe ich nicht das Eckenproblem. Allerdings ist der Farbverlauf so lang, dass grade mal 2 Farben zu sehen sind. Also habe ich noch zwei weitere gemacht 😁

Warum da ein Hammer liegt? Weil bei der einen Hälfte ums verrecken die Pins nicht gehalten haben, nicht mal, als ich mit dem Hammer draufgeklopft habe! Also habe ich meinen kleinen Schleifer geholt und die ganzen Löcher etwas tiefer gesetzt. Dann ging es... auch ohne Hammer 🤣

So, alles gewebt, nun wird es spannend!
Das ist ganz schön geschrumpft. War ja auch so vorgesehen. Am Mauspad muss ich ein bissel am Randrumzupplen, mit dem Bügeleisen drüber. so passt es. Die runden Untersetzer sind nicht mehr rund und der erste ist ganz schön verkrumpelt. Auch das Bügeleisen macht ihn nicht schöner. Ok, die anderen beiden sind zumindest flach. Nicht schön, aber sollten ihren Zweck erfüllen. Die nächsten werden wieder auf dem Quadrat gemacht!

Es gibt noch eine Methode diagonal zu weben mit über Eck. Das muss ich noch einmal nachschlagen und dann auf jeden Fall auch ausprobieren. Schließlich will das homeoffice auch ordentlich bestückt werden 😉 Und von dieser Filzwolle habe ich nun noch 2 Knäule rumliegen, die für nix halbes und für nix Ganzes reichen...

Das Mauspad ist zwar noch nicht ganz trocken, aber es liegt schon da und funktioniert. Alles richtig gemacht 🥰



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