Sonntag, 12. Juni 2022

Geht looohos! - Startschuss für den Weberknecht

 Es kann losgehen, wir haben den Grundstein für den Bau des Weberknechts gelegt.

Um es vorweg zu sagen: Wir wollen das Teil nicht 100fach verkaufen und Geld damit scheffeln. Das Projekt Weberknecht ist ein Open Source Hardware Projekt. Was heißt das? Das heißt, wir verlangen kein Geld für die in das Projekt gesteckte Arbeit. Alle Daten, um ihn nachzubauen sind frei zugänglich. Es gibt Zeichnungen für die Holzteile, Bohrschablonen, um dort einige der Bohrungen anzuzeichnen, 3D-Druckdaten für alles, was auf dem 3D Drucker gemacht werden muss liegen als *.stl vor. Es ist eine Kombination aus Holzbearbeitung und 3D Druck, die man auf jeden Fall parallel laufen lassen kann. 

Die Daten können auch gerne von jedem angepasst werden. Einzige Bedingung ist die Namensnennung des Urhebers, eine nicht kommerzielle Nutzung und Weitergabe unter den gleichen Bedingungen (nachzulesen auf dem link)

Wir wissen, dass nicht jeder einen 3D Drucker zu Hause stehen hat, oder die Möglichkeit oder das Geschick, Holzbearbeitung durchzuführen. Für dieses "Problem" haben wir schon einen guten Gedanken, aber der muss noch zu Ende gedacht und vor allem zu Ende gerechnet werden, denn hier geht es nicht mehr kostenlos.

Der Grundstein beinhaltet den Bau des Rahmens in 4 Breiten: 10cm (auch wenn  man denkt, des braucht doch keiner, ist es nicht ganz unnütz!), 25cm (eine sehr schöne Schalbreite und halbwegs schnell genug beim Drucken der Musterplatten), 40cm (wenns mal etwas mehr sein darf, auch Schals in der Breite sind noch gut tragbar) und 60cm (für Enthusiasten, die angefixt sind), sowie Musterplatten für die Webbreiten 40/10, 50/10 und 60/10. 

Geplant sind noch Platten für gröberes Garn, angefangen mit 10/10, 20/10 und 30/10, aber auch für feineres Garn wie 70/10 und 80/10. Es wird auf jeden Fall weiter getüftelt und es wird immer wieder ein paar Neuerungen geben, komplette Projekte werden vorgestellt, damit man sehen kann, was alles so möglich ist.

Was ist eigentlich alles möglich? Nun, leider nicht JEDES 4schäftige Muster, wie ich inzwischen feststellen musste. Zumindest nicht so ohne weiteres. Die Standard Musterplatten haben hintereinander liegend 2 Kettheber und zwei Leerstellen. Viele Muster kann man so nicht 1:1 übertragen, aber ziemlich viele so transformieren, dass es trotzdem klappt. Aber bei manchen Mustern bräuchte es halt 3 Kettheber, oder zwei, die sich diagonal gegenüber liegen. Das gehört dann zu den updates, es soll ja nicht langweilig werden 😉

Im letzten Post hatte ich geschrieben, der Rahmen soll noch kürzer werden. Wenn das Holz für die Seitenteile nur 1m lang ist, die Teile aber 60cm Länge haben, bräuchte man 2 davon. Diesen Kostenfaktor wollten wir halbieren und Gerd hat einen Rahmen gebaut, der nur 50cm lang ist. Bespannt mit Cottolin ist er beim Weben nicht gut zurecht gekommen. Nun ist Cottolin eine Mischung aus 2 ziemlich unelastischen Fasen, Baumwolle und Leinen. Spannt man 2 Fäden zusammen und hebt einen davon, hängt der andere etwas durch, weil er sich nicht zusammenzieht. Und hier hing die Krux. Gerd hat mir den Rahmen geschickt und nun bin ich am probieren, ob es an den fehlenden 10cm Länge, oder am Garn oder nur an der Aufwicklung hängt?

Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass nach dem Schuss und vor dem anschlagen die unteren Kettfäden leicht verschoben sind. Beim Anschlagen begradigt sich das wieder, aber ein durchhängender Faden ist eine potenzielle Hängenbleib-Stelle

Cottolin Garn habe ich genug da, auch andere Farben, als die aufgezogene, nur habe ich inzwischen das Gefühl, es gibt hier Unterschiede nicht nur in der Qualität, sondern auch in der prozentualen Zusammensetzung. Ich kann mich mal wieder täuschen, aber unterschiedlich schauen meine beiden Garne schon aus. Zumindest hat jeder Hersteller seine eigene Qualität, das kenne ich schon von Klöppelgarn. 

Um den "Shorty" nun zu testen, habe ich also hellgrünes Venne Cottolin auf eine meiner Ashford Spulen gewickelt, fest in dem Glauben, die passt in jedes Schiffchen, das eine Öffnung hat, die groß genug dafür ist. Ähm, ja. Das ist soweit nicht falsch, habe ich ja auch schon beim Gatterkammwebrahmen gemacht. Allerdings habe ich nicht bedacht, dass das Fach zwar groß genug ist, um ganz gut ein Schiffchen oder Schützen zu verwenden, aber Platz für Extrawürste ist nur bedingt.  

Diese Schütze hatte ich gestern schnell bei der Hand, bei den beiden kleineren sieht man schon, dass die Spule selbst anstößt. Bei dem großen dachte ich: jo, geht.

allerdings schaut bei allen die Spule oben raus und stößt damit an den oberen Kettfäden an. 😕

das Ashford Schiffchen wäre perfekt, nur leider ist es im anderen Weberknecht gefangen

komplett im Bett versunken, würde es perfekt funktionieren. nun ja, beim nächsten Mal 😉

Ich habe also ein bisschen getrickst. Ich hatte noch ein 4. Schiffchen, dass ich aber ausgeschlossen hatte, weil es Rollen unten hat. Das Fach für die Spule ist groß genug, dass diese nicht anstößt und wenn ich es nur flach halte, wenn ich meinen Randfaden fange und es dann hochkant stelle, habe ich für diese Kette einen Zusatzeffekt: dadurch dass beim Hochstellen unten ein schöner großer Bogen ist, werden die unteren Kettfäden nach unten gedrückt und bekommen dabei gleich wieder ein bisschen Spannung. Die Spitze zeigt leicht nach oben und ich schiebe das Schiffchen eh immer so durch, dass ich mit der Spitze eher oben, als unten langfahre. Alles schick, genug Platz, um ohne Probleme zu weben. Und es springen auch keine Fäden aus den Schlitzen. 
Randfaden fangen. Es spielt keine Rolle, ob ich am Anfang oder am Ende darunter schieße, nur denke ich speziell in diesem Fall, ist es so einfacher.
und gleich nach dem Fangen das Schiffchen hochkant drehen. Läuft. 👍💪


Dann kann ich ja loslegen. Ich habe ein Stück mit dem eingestellten Muster gewebt, ist ein schöner Köper, aber um mit anderen Drehfolgen andere Muster zu erreichen, war ich dann doch zu faul. 😂
Ich habe stattdessen später die Walze herausgehoben und die Platten mit einem anderen Muster aufgesteckt. Dafür habe ich die Platten von der Walze genommen und so, wie sie waren in mehreren Stapeln aufgestellt. Gerd hatte einen Farbmix aufgezogen und ich hatte die Stapel farblich getrennt. So π x Daumen war das Verhältnis 1/3 zu 2/3, also 4 Scheiben eine Richtung, 8 Scheiben in die andere. Es ist auch ziemlich gut aufgegangen und ich hatte am Ende nur 8 Scheiben übrig, diese habe ich mit je 4 Scheiben auf die Ränder verteilt und damit diesen Musterstreifen um einen Mustersatz verbreitert.

Das Wiedereinsetzen der Walze geht ziemlich problemlos. Zum Entfernen muss man die Kette soweit lösen, das man die Walze herausheben kann. Die Kette kann dann so liegen bleiben, bis man die Walze wieder auf den Rahmen legt.
Die Kettfäden wieder in die Schlitze zu legen geht für mich am schnellsten mit einer Häkelnadel. 

zum Raus- und wieder Reinheben muss man die Kettfäden mit der Hand anheben, damit sie sich nicht in der Walze verhakeln

nach dem Wiedereinsetzen der Walze, die Kette leicht spannen

mit zwei Händen geht das noch schneller, als mit nur einer, wenn man mit der anderen die Kamera halten muss  😁

Und dann kanns schon weitergehen.

Ich muss die Kette recht fest spannen, sonst hängen mir auch die gehobenen Fäden leicht durch und verschieben sich beim Schießen, das verursacht leichte Kettverschiebungen am Streichbaum. Ich könnte sie wieder grade schieben, wenn ich weiter gedreht habe, aber ich lass sie mal so. Mal schauen, wie und ob sich das beim Waschen wieder ausgleicht. Es bleibt spannend.

4 Kommentare:

  1. Sehr informativer Beitrag und für das Schützen Dilemma findet sich auch bald eine Lösung. 😉

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Als ich das Bild heute von dem Ashford angeschaut habe, ist mir tatsächlich eine Idee gekommen, allerdings wird das nicht so schick und modular, wie Deine Version, eher ein bisschen old fashioned 😊

      Löschen
  2. Ich komme mit den schwedischen Schützen, die du abgebildest hast bei meinem Weberknecht sehr gut zurecht, allerdings benutze ich bei meinen Schiffchen grundsätzlich zurechtgeschnittene Trinkhalme. Mir gefällt dabei, dass man die Länge der Halme so gut an jede Schützengröße anpassen kann und dass es eine so preiswerte Lösung ist, dass man nie mehr Restgan von Spulen abwickeln muss, weil man keine leeren Spulen mehr hat für das nächste Projekt hat :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ich normalerweise auch, nur hier war es dann doch ein bisschen eng.
      Für mich sind die Plastikspulen leichter zu handhaben, weil sie eine Begrenzung haben und weil ich immer weiß, wann sie voll sind. Das geht mir bei den Pappröllchen (egal welche) schonmal durch die Lappen. 😊 Es gibt so Sachen, da mag ich nicht über eine für mich knifflige Lösung nachdenken, wenn ich eine habe, die gut funktioniert. Und hier hat es ja den Vorteil gebracht, dass die losen Unterfäden noch ein bisschen nach unten gedrückt wurden.
      Die Trinkröhrchen, die Gerd mir eingepackt hat, halte ich mal als eiserne Reserve fest, wenn ich mal so überhaupt gar keine leere Spule mehr finde 😁

      Löschen