Donnerstag, 13. Mai 2021

Bänder - oder: "geht nich so gut"

Bänder weben war für mich bisher: "geht nich so gut". Verschiedentlich probiert, so recht hat mir das Ergebnis nie gefallen.

Nu hab ich mir doch einen Bandwebrahmen gekauft. Auf dem Marktplatz und in den Kleinanzeigen habe ich nichts gefunden, zum selber bauen hatte ich mal keine Lust, also ist ein Neuer eingezogen. Ich bin mal wieder beim Neuseeländer hängen geblieben... Am Ende ist der Kostenfaktor immer noch das Zünglein an der Waage.

Bevor ich mich nun doch durchgerungen habe, noch ein Teil ins Haus zu holen, habe ich (natürlich) einiges vorher ausprobiert, das allerdings meinen Grundgedanken "geht nich so gut" eher verstärkt, als abgebaut hat. 

Als erstes sollte ein Band für die Pommerntasche her. Auf dem kleinen Kinderwebstuhl, den ich dafür etwas geliftet habe. Also die beiden Webkämme raus, das Anschlagblatt weg. Nur der nackiche Rahmen. vorne ein Warenbaum, hinten ein Kettbaum. Das muss doch gehen! 

Ja, so "irgendwie" geht das schon. Und eigentlich hätte es so funktionieren müssen. Aber es war einfach nur Gefrickel! 

Vielleicht, weil das Halten des Webkamms in der Position, damit ich mit dem Schiffchen durch komme, so anstrengend war? Am meisten hat mich geärgert, dass ich es nicht gleichmäßig in der Breite hinbekommen habe. Wie fest zieht man den Faden an? Ja, bis der Querfaden nicht mehr zu sehen ist, das ist klar. Aber nur bis dahin, oder doch fester? Die Breitenschwankung in diesem Fall hat mich das Teil in die Ecke stellen lassen. Damit wurde aber auch die Tasche in die Ecke geschoben, obwohl dafür so ziemlich alles fertig war. Bis eben auf das Band.

Unbelehrbar, wie ich nun mal bin, habe ich einen kleinen Miniwebrahmen entdeckt. Nicht so flach, wie sie heutzutage sind, sondern schon mit einem kleinen Untergestell und einem Webblatt, statt diesem Dreh-wipp-dingens, bei dem man nie ein gescheites Fach hinbekommt. Putzig, schmal... und viel zu leicht! Und vor allem so klein, dass ich es nicht mal irgendwo festklemmen kann, damit es wenigstens ein bisschen Halt bekommt. Dieser Rahmen war vorgesehen zum Brettchenweben. 

Brettchenweben ist auch Bändchenweben, aber nicht mit einem Webblatt, wie am Rahmen, sondern mit doppelt so vielen Fäden auf die gleiche Breite. Und ich kann (wenn ich das irgendwann mal durchschaue) jedes einzelne so verdrehen, dass es coole Muster bildet. Beim Weben mit dem Webblatt habe ich nur eins hoch, ein runter. Will ich extra Muster, muss ich diese Fäden mit der Hand zusätzlich heben. 

Ich habe mal, als ich an meinem großen Webstuhl die erste Kette abgewebt hatte, die Reste aufgehoben, grün und weiß. Damit und mit aus Pappe geschnittenen kleinen Kärtchen habe ich einen Erstversuch im Brettchenweben gestartet. Der Erfolg war mäßig. Ich habe mich dauernd beim vor- und zurückdrehen verzählt und irgendwann, kurz vor meinem Geduldsfaden, sind einige der Kettfäden gerissen. Die Baumwolle war wohl doch etwas zu dünn und weich. 

Was mich am meisten mit gestört hat, war, das ich nie wusste, welche Seite ist nun oben? Muss ich vor, oder zurück drehen? Es gibt Webbrettchen zu kaufen, da steht an jeder ecke eine Zahl. Super, damit müsste es doch gehen!? Nur leider stehen die Zahlen auf der Seite und die Brettchen sind so eng zusammen, dass man die Zahlen gar nicht lesen kann! 

Einmal mehr Kettreste. Diesmal Cottolin 22/2 aus dem ich Küchenhandtücher gewebt habe

Eines der ersten Dinge, die ich für den 3D Drucker gezeichnet habe, waren also Webbrettchen. Die ersten noch, weil sie halt so aussehen. Und dann ist mir die Sinnlosigkeit der seitlichen Zahlen wieder eingefallen. Und ich habe mir anderweitig beholfen.


Ich habe einfach Zacken in die Seiten gemalt! Oben sieht man noch die rechten von den orangenen haben das noch nicht, die sind, wie die Originalen. Und nun hat jede Seite 1 bis 4 Rillen

Damit habe ich dann mal einen Versuch gemacht.

Als Muster habe ich auf eine Seite zurück gegriffen, auf der ich es für Deppen wie mich ganz gut erklärt fand:
Die Ränder, die komplett einfarbig sind, habe ich mit roten Brettchen gemacht, die Mitte aufgeteilt in links und rechts mit blau und orange.
Zum Aufwickeln auf den "Kettbaum" Holzlatten dazwischen gelegt, damit die Kette auch eine gute Spannung hat. 

Auch hier ging das Weben nicht so, wie ich mir das gedacht habe. Die Brettchen haben sich beim drehen verhakt. Zerfix, aber auch hier: "geht nich so gut". Das der Rahmen sehr leicht ist, stört gar nicht mal soo sehr. Man muss ja nichts heben, oder senken und halten. Also noch was für die Ecke.

Und jetzt hab ich mich endlich doch nochmal mit einem Bandwebrahmen beschäftigt. Ach, was solls, ein Teil mehr oder weniger... Wichtigste Frage, weil ich immer wieder Suchanzeigen gesehen habe, wo nach 5 und mehr Metern gefragt wurde. Wofür brauch ich das. Muss ich auch dringend 5m weben können? Bisher bin ich tatsächlich ohne Bänderweben nicht unglücklich gewesen und habe es auch nicht vermisst. Aber trotzdem habe ich nicht den kleinen genommen, sondern schon den mit möglichen 2,80m Bandlänge. 2,80m, das ist nicht ganz 2x ich. Doch, ich denke, damit kann man schon einiges abdecken. Und vielleicht, wenn es ums verrecken doch nicht reicht, kann man ein paar Stäbe dazwischen packen? 

Als erstes habe ich aber keine neue Kette aufgezogen, sondern meine angewebten Bänder auf den Rahmen gebracht. Erst die Pommern.

was mich erstaunt hat, war, dass ich offensichtlich doch schon ganz schön viel gewebt habe. Auf jeden Fall über die Hälfte. Das Webblatt habe ich auf die schnelle nicht rausbekommen, weil hinten ein Knoten  und Schlaufen in der Kette waren. Also habe ich ihn dringelassen und damit auch weiter gewebt. Das Heben und Senken, war durch den schwereren Rahmen gar nicht mehr so schlimm.

Aufwändiger war es, das Fach gut zu öffnen, weil die Pommernwolle ganz schön gehakt hat. Aber mit der Hand ging das ganz gut zu trennen.
Der Grund, warum ich auf dem ersten Gestell aufgehört habe: eine gleichmäßige Breite habe ich nicht hinbekommen. Und auf einmal hat es doch ganz gut funktioniert. Der Rest vom Band ist fast überall gleich breit und das so ziemlich ab dem Punkt, an dem ich auf den Bandwebrahmen gearbeitet habe.
Ich könnte immer noch mal fester oder weniger fest anziehen, aber alles in allem hält sich das doch recht ausgeglichen.

Nun war ich neugierig, ob das mit dem Brettchenband auch funktioniert.
Die Krux ein fertig geschärtes Webstück von einem auf ein anderes Gerät zu bringen ist, nix zu verdrehen. Die Brettchenkette war glücklicherweise nur grade mal einen halben Meter lang. Und auch die habe ich irgendwie mit tricksen aufgezogen bekommen. Gefrierbeutelclips sind einfach universell einsetzbar! 
 
vom alten auf den neuen Rahmen. Das Gewebe links schaut schon etwas ranzig aus. Ich sag ja immer wieder: "geht nich so gut" Vielleicht sollte ich das doch einfach mal akzeptieren!? Ein paar Mustersätze auf dem Bandwebrahmen zeigen allerdings doch ein recht regelmäßiges Muster. 
 
Nach dem Einzug  habe ich das schon wieder voll aus meinem Gehirn gestrichen, wie das aussah, aber irgendwie nicht so, wie links. Beim drunter gucken entdecke ich endlich, was ich suche. Yay, ein Muster! Ja, ich denke, so hat das ausgesehen. Geht ja doch! Noch nicht gut, aber auf jeden Fall besser, als vorher.

Merkzettel für mich:

Bandmuster erstellen für Kammweben:
https://webekamm.de/mustermachen.php

Bandmuster erstellen für Brettchenweben:
http://www.guntram.co.za/tabletweaving/gtt.htm

Bandwebstuhl bauen:
https://strick17.blogspot.com/2012/12/bandweben-mit-dem-inkle-loom.html
https://www.holzundleim.de/2020/11/ein-inkle-loom-fuers-bandweben-selbstgebaut/



Samstag, 1. Mai 2021

eine etwas schwere Geburt

Mal ein gutes Beispiel, dass nicht immer alles so glatt geht, wie man möchte 😉

Mein Wollwickler nervt mich mit seinem Rundriemen, weil ich immer das Gefühl habe, der rutscht mehr, als das er wickelt. Ersatzriemen gibt es zwar und habe ich auch, aber schon der zweite hat inzwischen wieder dieses Durchrutschgefühl.

Also habe ich  mal wieder die kleinen grauen Zellen aktiviert und bin auf die Suche gegangen.

1. Idee: Keilriemen

hab ich auf die Schnelle nicht in doch eher kleiner Form und außerdem geschlossen gefunden. Außerdem, ist es auch "nur" Fläche auf Fläche. Je nachdem, wie die Umwelteinflüsse sind, könnte der auch irgendwann anfangen zu rutschen. Also erstmal verdrängen.

2. Idee: Zahnriemen

das ist doch genau richtig, bevor die Zähne vom Riemen so abgerubbelt sind, dass die nicht mehr in die Zahnräder greifen, dauert es! Also Zahnriemen. 

2.1. Gibt es als Meterware oder geschlossen. 

Bei Meterware habe ich wieder das Problem, dass der Riemen irgendwie geschlossen werden muss, ohne dass sich die Verbindung löst, oder die Verbindungsstelle über das Zahnrad rutscht, weil es an der Stelle nicht gezahnt ist. Also geschlossener Riemen

2.1. 1. welche Größe? Wie messe ich das?

Hm, der Rundriemen der drauf ist, wäre ein guter Anhaltspunkt. Also bestellt, mal besser etwas kürzer, er soll ja nicht zu lang sein. Sind gleich 2 in der Packung. Gut, habe ich tatsächlich mal was auf Reserve.

2.1.2. beim Stöbern zu den Zahnriemen fallen mir die passenden Zahnräder mit in den Einkaufskorb. Aus Alu. Super, die sind unkaputtbar. Eines mit 60 Zähnen und eins mit 20 Zähnen, ab ins Körbchen.

...

in der Zwischenzeit überlege ich, wie das gehen könnte. Beide Zahnräder müssen mit den auf den Achsen sitzenden Teilen verbunden werden. Bei dem kleinen überlege ich, einen Adapter zu machen, den ich nach unten mit dem Zahnrad und nach oben mit Spindelteller zu verbinden. Nur ist das Zahnrad so klein, dass man da keine Löcher reinbohren kann. ABER, es hat einen Bund. da muss doch was gehen. Aber bevor ich weiter machen kann, müssen erstmal alle Tele da sein.

...

Es kommt natürlich NICHT alles zusammen, sondern kleckerweise. Das kleine Zahnrad mit dem Riemen. Das große... sieht irgendwie nicht aus, wie ein Zahnrad 😮 Also retour schicken und neu bestellen.

Aber ich kann mit dem kleinen schonmal anfangen.


Das Zahnrad mit dem Bund nach unten wollte mir einfach keine Lösung bringen, aber in dem Bund sind 2 kleine Madenschrauben drin und s habe ich das Ganze einfach umgedreht und den Bund in den Adapter gesteckt. Mit 2 Schrauben gegen verdrehen gesichert. 
Inzwischen kam endlich auch das größere Zahnrad. Beide auf die jeweiligen Achsen gesteckt und festgestellt, dass der Riemen so zu lang ist! Logisch, die Durchmesser sind ja viel kleiner, als die Laufflächen für den vorherigen Rundriemen! 
Das Verhältnis von großem zu kleinem Zahnrad schien mir nun aber auch sehr klein. Aber ich konnte mit Hilfe der Zahnräder gut die Maße der Zähne abnehmen und hab mir eben eins selber gemacht! In der Hoffnung, doch den bestellten Riemen nehmen zu können. 
Also habe ich mir eben ein richtig großes Zahnrad gebaut und gedruckt. Weil ich bei der gr0ßen Scheibe genug Platz habe, habe ich gleich mal vorgesehen, das Zahnrad von unten anzuschrauben. Ich musste nur schauen, wo die Scheibe dick genug ist, dass die Löcher nicht oben raus schauen.
 
obwohl ich mir m Bohrer einen bunten Streifen angeklebt habe damit ich nicht zu tief bohre, habe ich es bei einem Loch nicht geschafft. Aber es ist nur ein ganz kleines Loch!
Ich hab von unten mit Unterlegscheiben gearbeitet, damit die Schrauben nicht zu tief reingehen und oben wieder rausschauen
Das schaut doch gar nicht schlecht aus!

Damit müsste ja die andere Seite ein Klacks sein. Aber es hat mich einiges an Verbesserungen gekostet, bis es endlich gepasst hat.
Als erstes habe ich mal einen kürzeren Riemen bestellt. Gemessen nun mit dem großen, schon montierten Zahnrad und dem original Plastikteil, über den ich den Riemen an die Stelle gelegt habe, wo die Rille für den Rundriemen ist. Dann stramm gezogen und das gemessen, was ich nun in der Hand gehalten habe. Und jetzt den neuen Riemen bestellt.
Bis der kam, habe ich mich an einer Mischung aus dem alten Teil mit einer Verzahnung ausgetobt. 
Und ich wollte den Laufkegel neu haben, weil mir beim alten aufgefallen ist, dass das Gewinde unten ganz schön ausgenuddelt ist. Das ewige Leben hat der nicht mehr. Besser gleich für eine Alternative sorgen, die man ggf. fix nachbauen kann. 
links das Original für den Rundriemen, in der Mitte habe ich mich irgendwie mit der einen Seite vertan, war aber auch sehr beschäftigt mit den Zähnen. beim rechten dann habe ich den Durchmesser für die Verzahnung kleiner gemacht, weil beim mittleren der Riemen zu stramm war und außerdem immer nach oben gerutscht ist, also habe ich die Verzahnung nach oben geschoben. Das war allerdings zu hoch, weil nun die Schrauben vom Teller dauernd an den Riemen geklopft haben. Außerdem saß er immer noch recht stramm. Also nochmal ändern und nun hat er endlich gepasst!
warum hab ich das nicht gleich so gemacht? Ist doch offensichtlich!

Fast das gleiche Spiel gab es mit dem Kegel, auf dem die Spindel läuft. An manchen Sachen sollte man nicht zu viel rumdenken!
Das Spindelrad ist immer so grade auf der untersten Kante gelaufen, also dachte ich, ich mach den Durchmesser ein bissel größer. Damit das neue Gewinde nicht auch gleich wieder ausleiert, sollte ein Gewindeeinsatz rein. Das ist an sich eine feine Sache, aber bei denen, die ich habe, ist kein geregeltes Außengewinde dran. Man muss das Teil mit viel Kraft in ein vorgefertigtes Loch drehen. Am wichtigsten ist, es dabei gerade zu halten, sonst bricht alles kaputt.
Version 1: keine Chance, das Teil da reinzuschrauben!
Version 2: ein schlauer Gedanke, statt einem Gewindestück geht auch eine normale Mutter 😉
Links das Original mit einem Gewinde, das kaum noch zu sehen ist.
Die Krux an dieser Version war, dass sie einfach zu hoch gewesen ist. ich konnte sie gar nicht erst auf die Achse schrauben. Erster Gedanke: abschleifen. Habe ich gleich wieder sein gelassen. Besser nochmal ändern und neu drucken. Ich hab den Außendurchmesser auch gleich wieder auf das Original gesetzt. Sie werden sich schon was dabei gedacht haben...
und da ist es nun, perfekt!
oben in dem Kegel ist auch ein Gewinde drin, denn da steckt eine kurze Madenschraube, um den Kegel am Verdrehen und lockern zu hindern. Damit dieses Gewinde nicht mit dem von der Mutter kollidiert, habe ich die Mutter soweit reingedrückt, wie es ging und dann von der Spitze aus eine Schraube reingedreht. Die hat die Mutter dann soweit nach außen geschoben, bis die den richtigen Gewindegang erwischt hat. und nun passt es. 
nach dem gefühlt 10ten Mal auseinander und wieder zusammen schrauben läuft er endlich wieder. Insgesamt war ich nun 3 Wochen ohne einen ordentlichen Wollwickler! 😮 Gut, dass ich meine ganzen ausgedienten Gurken noch nicht entsorgt habe! 😎 Ist aber mal ein Gedanke, die wieder instand zu setzen 😉
ganz wichtig: nachdem ich ja schonmal ein Ei gewickelt habe, weil sie irgendwas an dem Wollwickler verstellt hatte ⇛ er wickelt gerade Knäule! 

Noch ein paar Bilder von zwischendurch:
einfach die beiden Schrauben lösen und dann hat man das Plastikteil ausgetauscht, is nich! Die linke sitzt so verzwickt, dass man schon eine Miniratsche bräuchte. Also zuerst:

...nicht die Mutter in der Mitte lösen, weil der Bolzen, der dahinter sitzt, sich sehr schnell mitdreht. Also erst die beiden Schrauben im Holz lösen.
dann kann man den Holzkegel abnehmen und darunter sitzt der Bolzen, den man nun mit einem Maulschlüssel auf der Gegenseite, mit dem Schraubenzieher aufdrehen kann.
erst jetzt kommt man an die linke Schraube... und das jedes Mal... 
Wenn man die Schraube vom Handrad zu gut gesichert hat, dass man immer leicht kurbeln kann. hat man fix auch mal den Gewindeeinsatz dort mit rausgedreht...
endlich passt es. Der Riemen wandert nicht mehr nach oben, weil er nun auch tief genug sitzt (ich habe die Außendurchmesser so groß gelassen, wie ich sie am Anfang hatte) Und ich kann doch mit relativ wenig Anstrengung Kurbel, ohne am nächsten Tag einen Muskelkater zu bekommen.

Ich glaube fast, ein kompletter Neubau wäre weniger aufwändig gewesen. Aber der Wollwickler hat nun seinen alten Platz, an dem ich, zusammen mit meiner Haspel, sehr gut zurecht komme.














Donnerstag, 7. Januar 2021

ein neues Jahr...

 ...eine neue Herausforderung!

Die Strickmaschine mal wieder. Karin hat mir ihren 4fachfarbwechsler geliehen, weil ich beim Stöbern mal wieder auf ein altes Teil gestoßen bin.

Die Mama hat mal vor gefühlt 1000 Jahren eine Weste für den Papa gestrickt. In grau mit Zick-zack und Rauten. Die Weste ist verschwunden, keiner weiß, wohin. Ich habe noch einen Kommentar im Hinterkopf um die schöne Weste und man fragt ja auch nicht, wenn man sie nicht sucht. 

Also eigentlich habe ich das Buch ja durchgeblättert, weil ich wissen wollte, wie man das, was man heute so pauschal als "Fair Isle" bezeichnet, früher genannt hat. Das neue Mützenprojekt ist in der Endphase und immer wieder "Fair Isle trifft deutsches Design" wird beim dritten Mal ein bisschen fad. Also einmal stöbern, was haben die früher dazu gesagt? Einstrickmuster! Klingt komisch und ich habe noch keine Idee, wie ich das einbringe, aber irgendwas wird mir schon einfallen 😉
Tja und da ist diese Weste wieder...
Mit meinem heutigen Wissen und Können schaue ich mir die Strickschrift nach dem Maschenrapport an: geht das auf der Strickmaschine? Hat es 24M? Oder auch 12? hat es nicht, es sind nur 10 😮 Mist!

oder auch nicht 🙄
Der erste Gedanke ist ja immer der Beste: Pommernwolle und Höllenwolle kombinieren, hellgrau, dunkelgrau und weiß. Das die dunklen Streifen blau sind, kann man auch mal ignorieren. Das bissel rot kann man einfärben. Die Farben stehen. Die Wolle wurde in derselben Spinnerei gesponnen, passt also perfekt zusammen.

Aber der 10-Maschenrapport muss noch ausgebügelt werden. Also erstmal aufmalen. Und dabei fällt mir auf... ähm, da sind ja 3 Farben in einer Reihe 😨 
nach dem Aufmalen gleich mal ein bisschen in die Breite gezogen, fällt kaum auf.

Das stricke ich mit der Hand sehr ungern, wird immer ein Gewurschtel, weil die Spannfäden IMMER zu fest angezoegn werden. An der Maschine kann ich im Normalfall mit 2 Farben stricken.

Messenger Konferenz mit Karin, wie geht das, geht das überhaupt und was mach ich nun? Jo, nicht einfach, aber irgendwie muss es gehen. Aha. Nun bin ich genauso schlau, wie vorher. Vielleicht doch mit der Hand? Aber 3 Farben!! Ich ziehe erstmal meinen Hut vor der Mutter. Eine Handarbeiterin ist sie nicht, und dann sowas. Ich kann nur den Kopf schütteln. Vor allem, weil ich weiß, dass das Teil nicht rund gestrickt wurde, wo man nur rechts stricken muss und hinterher aufschneidet und säumt. Macht man heute so. Kommt auch aus Shetland. 

Karin dann: mit dem 4fach Farbwechsler könnt es gehen. 
ich: Was ist das?
Karin: liegt bei mir rum, benutze ich nicht, kannst Du mal ausprobieren.
Ja, und das tue ich nun. Ausprobieren.
 
Diese Woche habe ich es dann endlich mal angesteckt das Teil. 
Ein Haufen Drähte und Führungen und 4 Wollkonen. Ich habe zum rumprobieren Reste von gestrickten Socken genommen. Die Wolle ist ordentlich strapazierbar, kann man getrost wieder aufribbeln und wieder verstricken.
Alles eingerichtet, los gehts.
Als erstes mal Streifen, wie im Anleitungsbuch angegeben.
ja, 4 Streifen sauber gestrickt, vorne und hinten gleich.

Als nächstes wollte ich also das mit dem mustern probieren und habe mir dafür dieses ausgesucht. Erinnert entfernt an ein Schaf mit Riesenhörnern, wenn man das auf dem Kopf stehende ignoriert 😏
Also Farben wieder einfädeln und los.

ähm, ja. Die Farben hat es gewechselt, aber wo ist mein Muster?? Auch wenn ich es mit Augen zukneifen versuche, Mein Muster ist nicht zu erkennen. Hm, aber die Maschine hat doch die Nadeln ausgewählt. 🤔 Für diesen Tag ist es zu spät, zum Denken. Feierabend und alles nochmal durch den Kopf gehen lassen.

Ein neuer Tag, ein neuer Versuch. Nochmal alles lesen und Schritt für Schritt durchgehen.
Also die Lochkarte einschalten UND die Mustertasten drücken. Mustertasten? Hab ich gestern gar nicht gemacht 😮 Das stand da auch gestern nicht, sonst hätte ich es ja gemacht! 😝 Da hat doch einer über Nacht in der Anleitung rumgeschrieben! 
Wie auch immer, heute steht es da und also mache ich das auch. Und kaum macht mans richtig, schon funktionierts! Vorsichtshalber erstmal nur mit 2 Farben.
die Rückseite, die auf der Maschine vorn ist, schaut schonmal gut aus

und endlich ein Muster, yippieh ♥

saubere Seitenränder auf der Farbwechselseite...

... und auch auf der andren Seite

Jetzt muss das nur noch in bunt funktionieren! 
Das Gestrick fasst sich recht dick an, finde ich. Und dann sehe ich auch im Anleitungsbuch, das ist gedacht für Wolle, oder Garne mit einer Lauflänge von 600m (+)/100g. Mal zum Vergleich: Sockenwolle hat ca. 420m/100g, also schon um einiges dicker.

Der Versuch mit den entsprechenden Farben an den richtigen Stellen ist dann mal prompt nicht geglückt. Das Garn bei der 3. Farbe kam nicht so, wie es sollte, die Maschen wurden nicht gestrickt und alles ist mir runtergefallen. Den Fehler habe ich schnell gefunden: der Anfang war noch in der Schiene eingeklemmt. Auch für gestern war mir das zu spät, um noch einen Versuch zu wagen. Das habe ich dann heute früh gemacht.

Und da ist es!
Alles da, wo es sein soll. Im Nachhinein war es mal wieder "nur" das Einhalten der logischen Schritte und Abkürzungen bringen nunmal nix.

Bei dieser Art Stricken ist die Vorderseite und die Rückseite glatt rechts. Also im Prinzip ein ganz feines re/li Bündchenmuster. Es ist, wie schon festgestellt, recht dick, rollt aber die Ränder nicht ein. Also schön für einen Schal, oder auch eine Jacke. Für einen Pullover nur mit sehr viel dünnerem Garn.

Tja, dann bleibt immer noch zu überlegen, wie man die Weste stricken könnte. Karin hatte mal wieder im Hinterkopf, das es irgendwo für die elektronische Maschine ein Muster gab, das mit 3 Farben pro Reihe gestrickt wurde. Also habe ich gestern abend noch die Musterbücher für die elektronische Strickmaschine durchblättert und bin fündig geworden.

Aber anders als bei meinem vorne und hinten glatt Gestrickten, ist das hier ein anderes Prinzip 
Bei meinem Muster wurde immer nur mit den Nadeln am Hauptbett gemustert, die Nadeln auf dem vorderen Bett haben immer alle Maschen gestrickt. Die nicht gestrickten Maschen auf der Musterseite werden stillgelegt und erst nach dem Farbwechsel gestrickt. Deshalb hat man auf der Rückseite pro gestrickter Reihe auf der Musterseite, 2 gestrickte Reihen auf der Rückseite.
 
Die Maschen auf der Vorderseite wirken lang gezogen gegenüber denen auf der Rückseite. Aber in sich ist das Gestrick ausgeglichen.
Die Musterkarte dazu schaut nicht so leicht durchschaubar aus und ich bin immer noch am auseinanderzählen, WAS die Maschine mit jedem Schlittenzug macht, oder lässt.
Fakt ist, sie wählt für die nächste Reihe, die Maschen vor, die gestrickt und stillgelegt werden. Für die Hinreihe. Zurück muss sie in derselben Farbe, also wählt sie die Maschen vor, die in der gleichen Farbe in der Reihe danach gestrickt werden. Sind diese Maschen gestrickt, wählt sie die Maschen aus, um die Lücken der ersten Reihe mit der zweiten Farbe zu füllen, und für die Rückreihe werden die Lücken der zweiten Reihe gefüllt. Dann geht es von vorne los. Es wird also mit 4 Reihen 2 Reihen gemustert. Normalerweise kann ich in einer Strickschrift, oder einer Lochkarte schon das fertige Muster erkennen. Hier fehlt mir noch das richtige Augenmaß.
Leichter ist es dann doch, den 3 Farben zu folgen. Hier gibt es keine Rückseite und ich kann an der Lochkarte das Strickprinzip erkennen:
 
 
Das Muster rechts ist von dem Muster oben. Schon links am Rand sieht man, dass sich die 3 Farben abwechseln. Es wird immer nur eine Farbe über 2 Reihen gestrickt, die anderen warten, dann die nächste, dann die dritte. Am Ende rutscht alles an die richtge Stelle. Yay, ich spreche strickmaschinisch 😂

Ich habe das auch schonmal beim Handstricken gemacht. Statt mit 2 Farben zugleich erst eine Farbe, dann die andere und die nicht gestrickten Maschen einfach rüberheben. Der Faden läuft dann hinten lose mit. Zweifarbig stricken ist ja im Prinzip nichts anderes, als immer nur eine Farbe stricken und den Faden hinter den Maschen weiterlaufen lassen, bis er wieder gebraucht wird. Beim zweifarbigen strickt man halt alle Maschen und muss sich dafür auch mit 2 Farbfäden abmühen, um immer den richtigen zu erwischen. Der Vorteil ist, wenn die Fäden zu lang werden, weil die einzelnen Farben zu weit auseinander liegen, kann man sie auf der Rückseite mit dem anderen Faden verkreuzen, damit ist die Gefahr gebannt, später beim anziehen daran hängen zu bleiben. 
Beim Maschinenstricken funktionert das nicht, es gibt keinen zweiten Faden. Und wenn, dann verkreuzt die Maschine den nicht mit dem Strickfaden. Aber hier gibt es einen anderen Trick. Ist der der Faden zu lang, kann man ihn ganz leicht mit einer Häkelnadel greifen und über eine Masche hängen, dann wird er in der nächsten Reihe einfach mit abgestrickt und liegt blind hinter der Masche, die eigentlich gestrickt wurde. das geht sehr leicht, weil an der Strickmaschine ist ja sie Rückseite vorne. Noch eine Möglichkeit ist, am Ende auf der Rückseite diese langen Spannfäden einfach wie gefallene Maschen zu schnappen und eine lange Maschenkette nach oben zu stricken, oder zu häkeln. Aber dazu müssen die Spannfäden auch locker genug sein. Ist wohl auch ein bisschen tricky...

Ich werde mich wohl mal näher mit der Geschichte mit den 3 Farben, jede einzeln über 2 Reihen gestrickt, beschäftigen.














Mittwoch, 30. Dezember 2020

schön geworden!

...sind meine Handtücher... 

Es hat ein Stück gedauert, aber gestern habe ich die Kette endlich fertig abgewebt. Der Warenbaum war gut gefüllt und trotzdem denke ich, ein bissel was wäre noch gegangen. 

das rote Garn hat ganz schön geflust und wie ich beim Waschen dann gemerkt habe, auch gefärbt!😮
Für Handtücher, die zum Hände abtrocknen sind, ist mir das im Prinzip egal. Nur die T-Shirts, die mit in der Maschine waren, sind nun am umfärben in blau 😂 Der Schatz macht schon einiges mit, aber ich denke, rosa T-Shirts muss ich ihm nicht zumuten 😆

Eigentlich wollte ich so lang, wie die Kette war in dem Muster weben, wie ich es gefunden habe, aber noch bevor ich angefangen habe, sind mir schon wieder unheimlich viele Ideen gekommen und so habe ich erstmal Muster gemalt!

das habe ich 2x gewebt...

dieses auch, dann habe ich gedacht: warum? Besser öfter wechseln, wird auch nicht so schnell langweilig 😉

spätestens hier habe ich gemerkt, dass es kaum eine Rolle spielt, ob ich braun, oder rot nehme

das habe ich noch probiert...

das habe ich schon weggelassen...

ab hier habe ich mal einen Sprung gemacht, weil braun und rot so dicht beieinander liegen, dass Unterschiede kaum sichtbar sind. In richtigen Kontrastfarben könnte es Sinn ergeben.


hier habe ich weitergemacht

diesen habe ich wieder übersprungen


den habe ich mir auch geschenkt

bevor dieser dran gewesen wäre, hatte ich schon wieder neue Ideen, und noch einiges an Garn auf den Schiffchen, das ich erst alle machen wollte, bevor ich mit einer komplett anderen Farbe rumprobiere.  

den habe ich zwar noch ausgedacht, als ich abwechselnd mit jeder Farbe ein Schuss gewebt habe, habe ihn aber uach nicht gewebt. Das Ende der Kette war in Sicht 😎

das war das letzte Muster, das Tuch ist schmaler (oder kürzer), als die anderen, aber auch dieses Muster gefällt mir 


Dass man mit einer Kette unterschiedliche Muster weben kann, habe ich schon so oft bei anderen gesehen. Findet man auch immer wieder, aber es ist so erstaunlich, was einem mitten im "Erfinden" so einfällt!

Abgenommen vom Rahmen, musste ich es mal in voller Länge sehen:

Viel erkennt man so nicht, macht nichts 😉 Ich sollte die einzelnen Muster vielleicht auch noch fertig fotografieren 😂

Am selben Abend habe ich sie noch auf der Overlock Maschine getrennt und gekettelt, dann in die Waschmaschine im Kochprogramm. Das müssen sie aushalten!
Heute gesäumt und vorher mein neues Spielzeug rund  laufen lassen...
Ich habe mir zu Weihnachten einen Kumicreator geschenkt. Also ein Spilezeug, das Bänder flechtet und nicht nur Kordeln dreht.
Die Kettreste habe ich damit sehr gut aufgearbeitet und gleich Aufhänger für die Handtücher gekurbelt.


die Kettreste waren so um die 50cm. Perfekt, um ein paar Muster auszuprobieren. 

Erst heute habe ich eine Seite gefunden, wo man das virtuell durchspielen kann. Hab ich mir schonmal gespeichert für das nächste Mal. Dieses Mal ging das noch aus dem Bauch heraus...



Was ich nicht so recht verstehe: auch wenn ich alle Fäden auf den Spulen gleich lang messe und aufwickele, sind am Ende unterschiedliche Längen übrig 🤨 
Einmal mehr habe ich heute festgestellt: Abgeschnitten wird erst zum Schluss!
Hier ist es von Vorteil, dass die Enden langsam auslaufen. So gibt es keine dicke Stelle im Saum, das auf  einmal dünner ist, sondern eine, die allmählich dünner wird. Mag ich. Auch, das der Aufhänger so ziemlich weit nach innen verankert/vernäht ist. Der reißt so schnell nicht aus! Und die Aufhänger sind schöne große Schlaufen.
Das Webbild ist hier sehr schön zu erkennen, dass es so dicht ist, wie ich das gerne haben wollte. Auf dem Rahmen sah das nicht so aus und ich wollte schon zweifeln.
Eigentlich 10 Stück sind es geworden, eines lag noch im Wäschetrockner. Ich bin sehr zufrieden!


sehr lustig, meine Spielerei mit der Kordelmaschine hat mir auch für jedes Handtuch einen anderen Aufhänger beschert. 😍
 
Noch einmal alle Muster nach dem Waschen: Das Ursprüngliche gefällt mir immer noch am Besten, aber die anderen gefallen mir auch ganz gut. 





ist vorne und hinten seitenverkehrt