Samstag, 30. April 2022

Weberknecht

 Nein, ich mag immer noch keine Spinnentiere und vieles, was mehr als 4 Beine hat.

Der Weberknecht ist eine Idee, die es schon in verschiedenen Versionen und Varianten gab. Man findet heute noch vereinzelt und mit einigem Suchen solche Geräte zum Verkauf, denn scheinbar will jeder seines behalten. Umso verwunderlicher, dass die "Produktion" immer wieder eingeschlafen ist.

Und was ist das nun?

Wie der Name schon andeutet, geht es ums Weben 😉 War ja mal wieder klar! Tja, und was ein Knecht ist, weiß so ziemlich jeder, auch wenn dieser Beruf wohl auch ausgestorben ist... Es ist also ein Teil mit dem man weben kann.

Zuerst entdeckt habe ich es mal wieder bei Maliz. Ich frage mich ja immer wieder, wie sie an solche Sachen kommt. 😎 Wenn ich bei ebay, oder den Kleinanzeigen oder auf dem Marktplatz auf die Suche gehe, finde ich nur Schulwebrahmen, die jeder wieder loshaben will. Aber diesmal war es was ganz anderes. Hatte ich so noch nie gesehen, aber es schien irgendwie simpel, wenn man das so klein verpacken kann. Bei Marlies fand sich reichlich Hintergrundinformation und es entspann sich über die Kommentare eine wahre Quelle an Informationen. Neues Futter, um auf die Suche zu gehen.

Wer jetzt nicht erst 20 andere Beiträge lesen will (auch wenn diese sehr interessant sind und eigentlich alles erklären), beim heutigen Weberknecht handelt es sich um eine Kombination aus einem Masterweaver Loom, dem japanischen Spielzeugnachfolger Tomy und der Version, die Quelle mal verkauft hat, ohne einen Hersteller anzugeben.

Das Coole an der Geschichte ist, dass man ohne x Schäfte, die man an einem großen Webstuhl zum Muster weben braucht, an einem Webrahmen mustern kann, wie mit einem Webstuhl! 😮 Was mich an diesem und allen anderen Bildern irgendwie gestört hat, war die scheinbare Begrenzung der Kettlänge. 🙄 Die Kette wird beim Maseterweaver und auch bei dem Quelle Rahmen endlos um zwei Holme geschlungen und wie beim Bandweben immer weiter geschoben und irgendwann kommt man dann wieder am Angang an. 

Der Tomy ist schon cleverer, er hat einen Kett- und Warenbaum, wie ein Webrahmen, auf dem man selber bestimmen kann, wie lang die Kette sein soll. 
Ja, ich habe einen in Japan gefunden, der als "schlechter Zustand" beschrieben war. 😎 Weil ich ihn eigentlich nur zum Untersuchen haben wollte, war mir der Zustand eigentlich egal. Erfreut habe ich aber festgestellt, dass er einfach nur schmutzig und ausgebleicht war 🤩

Masterweaver und Tomy können Muster für 8 Schäfte, der Quelle Rahmen "nur" für 4 Schäfte.

Marlies hat dann (nicht nur für mich) ihre Walze auseinander genommen, vermessen und mir die Maße geschickt und mit meinen nicht  kommerziellen Möglichkeiten habe ich mich ans Nachbauen gemacht. Also angefangen nur vom Bild, die Maße grob geschätzt anhand der Angaben, die ich auf dem Blog rausgelesen habe.  

Herausgekommen ist eine ziemlich gute Kopie, die ich als Basis hergenommen habe. Einziger Unterschied: Die Aufnahme in der Mitte sah etwas kompliziert aus, also habe ich es für einen einfachen 4kant Holzstab geplant.


Die Beschriftung habe ich erst viel später hinzugefügt. Erstmal ging es darum, ob das wirklich so einfach zum Nachmachen ist!?

 
Also drucken auf dem 3D Drucker und auf einer Achse zusammenstecken schien ganz einfach. 😮
Ein ganz schönes Provisorium hatte ich da zusammengebastelt. Ein kleiner Erla-Webrahmen, so grade mal 15cm breit. Viel zu leicht und alles viel zu wackelich. Aber es hat funktioniert! 

Also funktionieren tut es schonmal, aber da gibt es noch einiges zum Verbessern! Marlies hat mich an diese eine spezielle Gruppe auf facebook erinnert, die sich nur mit dem Masterweaver beschäftigt und flugs bin ich dort beigetreten. Ein Muster hatte ich ja schonmal zum Zeigen 😊

Und dort habe ich Gerd getroffen. 
Er schien genauso verrückt nach Details zu sein, wie ich. 😎 Ziemlich schnell haben wir einen Draht zueinander gefunden und uns außerhalb von facebook verabredet... also virtuell! 

Marlies hat sich intensiv mit den Möglichkeiten beim Weben mit dieser Art von Werkzeug beschäftigt. Welche Muster sind möglich, kann man das Muster zwischendrin ändern, wie kann man das Gerät am effektivsten benutzen, ohne x verschiedene zusätzliche Schritte und Werkzeuge. Gerd und ich sind die Tüftler, die versuchen, alles so einfach wie möglich zu halten, damit man es ohne großen Aufwand nachbauen kann. Und doch soll es so viel wie möglich abdecken. So ein bisschen nach dem Prinzip eierlegende Wollmilchsau. Wobei ich mich so ein bisschen um die Variante Nutzung auf einem bestehenden Webrahmen konzentriere und Gerd an einem kompletten Rahmen "bastelt". Er betreut junge Menschen in einem Verein, wo sie in einer Werkstatt verschiedene Prozesse kennenlernen und auch viel selber machen und dabei lernen können. Darum gibt es dafür ein Projekt, bei dem nicht nur mit einem 3D Drucker rumgespielt wird, sondern auch die Holzarbeiten komplett mit selber gemacht werden sollen. Das finde ich super! Da bin ich gerne dabei und freue mich, das Marlies uns hier mit ihrem Fachwissen unterstützt. 

Ab jetzt ging es los mit Änderungen, Verbesserungen, Optimierungen. Gerd ist, unter anderem, ein 3D-Druck-Fuchs. Ein kleines bisschen zu passgenau, aber das kriegen wir schon noch hin 😉

Meine runden Scheiben waren zu dick, zu groß und haben zu lange beim Drucken gebraucht. Außerdem ist 30/10 eine Webdichte, die man fast nur mit relativ dickem Garn beweben kann. Es musste also was kleineres, aber genauso effektives, für eine höhere Webdichte und schneller zu drucken her. Und dann ging es bei mir Schlag auf Schlag 


Zuerst einmal weg von rund zu viereckig

beim ersten Aufstecken habe ich schon gemerkt, man muss jede Scheibe genau anschauen, um zu sehen, welche Position man einstellen will. Gerd hat dann ziemlich schnell an den Seiten Markierungen angebracht, das habe ich so übernommen, weil es einfach praktisch ist. Ist ja auch beim Masterweaver und Tomy so.

ich hatte dann immer irgendwie das Problem, dass die freigehaltenen Stellen beim Überdrucken durchhängen und überlegt, nur einen schmalen Ring zu nutzen, anstatt die volle Fläche. Gerd hatte für den Mitteldurchmesser schon eine Stütze eingeplant, die die große Fläche verkleinert hat. Am Ende haben wir an beiden Stellen den schmalen Ring eingearbeitet und haben nun keine großen Flächen mehr zu überbrücken

meine Scheiben waren 1,5mm dick, damit genug Platz ist, um die Aussparung tief genug zu halten, so dass die Gegenseite komplett eintauchen kann. Nachdem ich eine Walze für 40cm voll hatte, bin ich nochmal mal ans Zeichenbrett und habe ein bisschen geschoben: Die Platte ist nun noch etwas dünner, dafür sind die Freiräume zwischen den Platten etwas größer. Besser für das Garn. Und weil sich bei manchen Drucken eine Ecke etwas angehoben hat und dort der Kettfaden versucht herauszuspringen, ist der breitere Schlitz nochmal ein positiver Effekt. 

Um einen guten Vergleich zu bekommen, damit wir alle die gleichen Voraussetzungen haben, hat sich Gerd and werkeln gemacht und einen ersten Prototyp-Rahmen gebaut. Weil Marlies ja schon einen Rahmen hat, den wir als Ursprung hergenommen haben, bekam sie das erste Modell, um vergleichen zu können, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Sie hat auch fleißig getestet und beschrieben. So hat jeder von uns seine eigene Sichtweise auf das Projekt und das Zusammenspiel von uns dreien wird, denke ich, ein ordentliches Ergebnis bringen.

Meine ursprüngliche Idee ist ja immer noch, diese Webwalze auf meinen Ashford Rahmen zu verwenden. Dafür muss ich ein bisschen was anpassen, damit die Walze oberhalb von Kett- & Warenbaum sitzt, weil sonst die Fäden nicht dort sitzen, wo sie sollen, oder gar nicht erst in der Walze landen.
Meine bautechnischen Energien gingen also in diese Richtung. Auch hier wieder ein bisschen improvisiert, um das Rahmenkonstrukt zu testen und vielleicht ein paar Ideen zu sammeln, wie man es auf anderen Rahmen anpassen könnte. Natürlich mal wieder mit wenig Aufwand und der Möglichkeit, jederzeit wieder auf  Weben mit dem Webblatt umzurüsten. 

ein Halter für meine Walze. Zum Bäumen mit einem Silkonband am Drehen gehindert. Beim Weben kommt das natürlich wieder runter. Noch nicht genug Platten, um eine 40cm breite Walze komplett zu bestücken, aber irgendwann war meine Geduld zu Ende und ich musste einfach mal anfangen. Durch den Halter kann ich natürlich nicht mit der Walze anschlagen. Das war zu diesem Zeitpunkt aber auch nicht wichtig. Angeschlagen habe ich mit der Webnadel, die ich extra so bewickelt habe, dass eine Seite frei geblieben ist. Walze in die nächste Stellung drehen, Webnadel einlegen, anschlagen, durch schießen, weiterdrehen...
Das Pinwheel-Muster wollte ich schon soo lange mal weben.
weil ich von Hause aus ja doch eher ungeduldig bin, aber mit so kleinen Schnipselmustern auch nicht so recht was anfangen kann, sind für mich solche Loops das perfekte Testobjekt. Ein Muster, bei dem man genug Zeit hat, um sich eine Routine anzugewöhnen und das groß genug ist, "um was nützliches zu werden", aber schnell genug fertig, dass mir nicht die Puste daran ausgeht. Nach dem ersten Waschen war ich noch der Meinung, etwas dichter hätte es schon sein können. Aber inzwischen ist er ein zweites Mal gewaschen und hat seine volle Schönheit entfaltet.  

Bis dieser Loop fertig gewebt war, ist der Drucker Runden gelaufen und hat mir mit jeder Charge einen Zentimeter mehr für meine 40cm Walze gebracht. Immer noch nicht komplett, aber schon ein bisschen breiter, musste nun ein Köper her und zwar ein Fischgratköper. Beim ersten Mal mit einem neuen Werkzeug stelle ich mich immer sehr umständlich an. Sachen, die ich normalerweise ohne nachzudenken handhabe, sind auf einmal ganz anders. Da bindest man auch schonmal die Kette am Warenbaum an, weil der Rahmen falschrum steht. 😂 Ich habe es noch rechtzeitig gemerkt und habe alles noch einmal abgewickelt.
schon etwas breiter und als Loop, der eh doppelt geschlungen wird, durchaus auch tragbar 

 
das mit den Fransen vorne gefällt mir einerseits, weil ich damit keine Naht verstecken muss, andererseits ist es meiner "Faulheit" geschuldet, die Enden überhaupt zusammenzunähen. Es werden nämlich einfach die Fäden von beiden Enden zusammengedreht. Keine Naht und Fransen will ich am Schal ja sowieso 😉

Der zweite Proberahmen, den Gerd gebaut hat ging dann an mich mit einer Walze für Webdichte von 60/10 und ich habe gleich losgelegt. Ein Garn, das eigentlich die perfekte Stärke gehabt hätte, aber ich bin nicht die einzige Ungeduldige und so hatte sich eine defekte Platte auf die Walze gemogelt, die mir dauernd den Faden zerrissen hat. Nach dem 3. Mal reparieren hatte ich darauf keine Lust mehr und habe die Walze auseinander genommen, die defekte Platte durch eine neue ersetzt und weiter gewebt 😋 Zwischendrin habe ich immer wieder mal entdeckt, dass sich auch Schussfehler eingeschlichen haben, weil die Kette nur so larifari geschärt wurde und dadurch nicht alle Fäden die gleiche Spannung hatten, oder ich nicht fest genug, oder zu fest gespannt hatte. Passend zu all dem, war 10cm vor Schluss das Knäuel mit der Schussfarbe alle und ich wollte extra dafür kein neues aufmachen. Vom Kettfaden war noch was über, also habe ich kurzerhand damit weiter gewebt. Die Fransen habe ich noch geknüpft, aber dann ist er doch etwas lieblos in einer Schachtel verschwunden. Fehler zeigt man halt nicht gerne her. 🙄 Aber wenn man daraus lernt, ist es wenigstens doch noch für etwas gut. Eigentlich ein Diamantköper, aber der Diamant lässt sich so recht nicht blicken.


Mit 60/10 und dem richtigen Weberknecht habe ich dann auch gleich die nächste Kette aufgelegt. Diesmal ein bisschen länger und mit einem Muster, das auch auch sehr mag. Huck Lace mit Leinwandbindung. Einmal mehr habe ich in eine Tüte mit Garn gegriffen, das ich geschenkt bekommen habe und wohl doch nie verarbeiten würde. Ein rostbraunes Dralon-Garn in der Kette und als Schuss ein Baumwollhäkelgarn in beige. Beide passen sowohl in der Farbe, als auch in der Stärke gut zusammen und nach einigen Mustersätzen sieht es auch auf dem Rahmen sehr hübsch aus. Ich bin sehr zufrieden! Das Weben geht inzwischen ganz gut von der Hand, es ist ein schöner Bewegungsrhythmus zwischen drehen, schieben zum Anschlagen, weiterdrehen und schießen. 

Im Moment ist der Weberknecht nach hinten raus recht lang und er ist noch nicht an dem Punkt, wo wir sagen, jetzt isser zum Nachbauen freigegeben, aber wir sind in doch recht kurzer Zeit zu einem nutzbaren Ergebnis gekommen, so dass ich sicher bin, das wird nicht mehr lange dauern. 

Weberknecht (hinten) vs Tomy Rahmen, das Spielzeug aus Japan. Ganze 10cm kürzer, die wir auch noch umsetzen

Bei meinem aktuellen Muster habe ich mal versucht, das Muster so auf die Walze zu bringen, wie die Webpatrone für einen Webstuhl dafür aussieht. 
 
Leider kommt dann bei der Umsetzung in der Webfolge ein anderes Muster heraus. Mehr noch gibt es in dieser Einstellung keine 2 Stellungen der Webwalze für eine Leinwandbindung, sondern nur eine.
Darum sieht meine Patrone für die Walze auch so aus:

auf der Walze schaut das Ganze dann so aus. Die Nummern unterhalb des Musters sind für die Reihenfolge, wie die Platten zu stecken sind, die Zahlen links geben die Walzenstellung an. Für mein Muster habe ich die Huck-Muster in 5er Gruppen angeordnet mit 8 Fäden in Leinwand dazwischen. Dafür muss man beim Aufstecken und Walzendrehen einfach die entsprechende Folge wiederholen. 


Inzwischen gibt es schon jemand mit einem Ashford Webrahmen, der das Walzenweben gerne ausprobieren möchte. Sozusagen ein externer Tester. Allerdings ist der Rahmen 80cm breit und damit würde die Walze recht schwer. Ich habe also nochmal ein bisschen geschoben und die Platten für einen kleineren Vierkant geändert, so dass noch ein bisschen Gewicht gespart wird. Nun drucke ich fleißig, denn es müssen 320 Scheiben in 40/10 her 😎

Mit dieser Webwalze, ob nun mit dem Weberknecht oder auf einem Rahmen, den man schon hat, sind allein so viele Möglichkeiten vorhanden. Alles, was mit 4 Schäften und 4 Tritten gewebt werden kann, kann hier umgesetzt werden. Und mein Gehirn springt von einer Idee zur nächsten. Trotzdem werde ich einmal meine Ungeduld zum Abschweifen zügeln, bis wir and dem Punkt für den Startschuss sind. Ich muss auch noch meine Idee für die Rahmenanpassung an bestehende Rahmen testen. Bin also gut beschäftigt. 😁 






 

Montag, 30. August 2021

Schals auf dem Webrahmen

Um einen Schal zu weben greife ich inzwischen fast ausschließlich zum Webrahmen. Er ist einfach schneller bespannt und auch wenn man einen Schal nicht um den Hals wurschtelt (so wie ich), weil er wärmen soll, sondern ihn als dekoratives Element verwendet, gibt es immer noch viele Möglichkeiten, die mit dem Webrahmen möglich sind. 

Ich habe mehrere Webrahmen, 2 Ashford Rigid Heddle mit 40cm und 60cm Webbreite und diverse (ungezählt, weil ich sonst Ärger bekomme) Schulwebrahmen mit Kamm. Als letztes ist mir ein weiterer Ashford 40cm gebraucht zugelaufen mit relativ viel Zubehör. Meiner war gerade verliehen und hat irgendwie den Weg nicht nach Hause gefunden. Also habe ich mir diesen "zum verleihen" geholt.

Es ist mir aufgefallen, dass er gar nicht so ein Spannsystem hat, wie die aktuellen, sondern nur ein Haken in das Zahnrad greift. Ich habe mir für die anderen Rahmen schon so ein Set mit Sperrzähnen gekauft, die einrasten, habe aber beim Probeweben mit diesem Rahmen gemerkt, dass sich die alte Version viel besser webt! Um die Sperre am Warenbaum zu lösen, muss man einfach nur ein bisschen den Kettbaum leicht nachziehen, dann geht der Zahn auf und die Bremse ist gelöst. Ich kann vorne aufwickeln. Wenn es genug ist, drücke ich einfach den Warenbaumzahn wieder nach unten und sobald wieder Zug auf der Kette ist, zieht der sich von alleine wieder in das Zahnrad. Der arretierte neue Haken war manchmal etwas schwer zu lösen. Zumal bei 60cm Webbreite ist das Ganze noch mal ein Stück weiter weg. Nicht ideal für kurze Arme.

Also habe ich mir die Maße von dem Zahn abgemessen und zwei neue gedruckt. Mein Rahmen hat seinen Urlaub beendet und auch die liebe Dame, die ihn hatte, hat "beklagt", dass das weiterdrehen der Kette so schwer ist und immer eine helfende Hand benötigt. Da ich die alte Version inzwischen ausprobiert hatte, konnte ich ihr mit gutem Gewissen den neuen, älteren Rahmen überlassen und habe meinen Rumtreiber auch mit solchen Haken ausgestattet 😉 

Die Position für den neuen Haken habe ich nicht irgendwie ausgemessen, sondern einfach geschaut, an welcher Stelle der Zahn am besten in das Zahnrad greift. Markiert, ein Loch gebohrt und den Haken angeschraubt. Das Wichtigste ist, denke ich, ihn nicht zu locker zu lassen, damit er nicht immer wieder in das Zahnrad fällt, wenn man beim Bremse lösen nicht will, dass er dauernd arretiert. Beim Bespannen könnte das zwar hilfreich sein, aber da stehe ich sowieso hinter dem Rahmen und kann ihn bei Bedarf mit der Hand einrasten lassen.

der neue alte, aufgepeppt für ein zweites Webblatt (das es allerdings nicht gebraucht hätte, weil ich nur ein Webblatt mitgegeben habe)

Ashford Original und Umrüstung auf die alte Version. Funktioniert auch!
 

Es stand nun das Heide-Wolle Fest im Raum, das letztes Jahr ausgefallen ist. Und mein zweiter Gedanke war: Brauchst noch ein bissel was zum verkaufen. Vor 4 Wochen habe ich in unserem Sonderpostenmarkt Mohairwolle gefunden. Die letzte hatte ich auf dem Loppis in Schweden entdeckt und den kompletten Posten mitgenommen. Dieses Mal auch wieder, nachdem ich in der Krabbelbox ein Knäuel entdeckt hatte, das kein Polyacryl enthält. Nur Kid Mohair und Seide (88/12%) 😮 Auch hier habe ich wieder alles aus der Box gekramt, das ich finden konnte und hatte am Ende 3 Farben, die gut zusammen passen. Dunkelgrün, hellgrün und cremeweiß. Seitdem haben die Knäule geduldig gewartet, bis mir was passendes eingefallen ist und der Gedanke kam mit der Frage, was ich "schnell" noch machen kann, um das Lager ein bisschen aufzustocken.

Mohair in Kette und Schuss ist eine haarige Angelegenheit im wahrsten Sinne des Wortes. Das Garn ist so fusselig, dass es sich schon beim Angucken verhakt! 

Ich habe also erstmal überlegt, wie ich die Farben verteilen kann und irgendwann kam mir der Gedanke, sie ineinander laufen zu lassen. Das ging mir so lange im Kopf rum, bis ich nachts aufgewacht bin und Fibonacci im Gehirn sitzen hatte. Ich war eh wach, dann war es besser, das gleich aufzuschreiben, besser aufzumalen. Fix nachschlagen, wie die Folge losgeht. die zweite 1 habe ich weggelassen und weiter gezählt: 1,2,3,5,8 Also immer die aktuelle Zahl mit der vorherigen zusammen addiert. Mehr als 8 wird nichts bringen, wenn ich nicht mit Einzelfäden rumhantieren will, also immer paarweise.

Herausgekommen ist am Ende diese Verteilung. Anfangs bin ich noch von einem 30/10er Blatt ausgegangen. Ich hatte ja mit dem Schwedengarn schon eine Stola gewebt, konnte allerdings nirgendwo eine Aufzeichnung finden, wie ich das gemacht hatte. 😣 Ich wusste nur noch, die Kette war 2,40m lang. Aber ich habe ja noch einen gewebten Schal da, und habe nachgezählt. Ich habe es tatsächlich mit einem 20/10er Blatt gewebt. Macht Sinn! Bei der Luftigkeit ist ein Schal mit 40cm Breite nicht sinnvoll, also 60cm zum um die Schultern legen.
Ich habe noch kurz mit dem Gedanken gespielt, die Fibonacci Folge auch im Schuss zu verwenden, dann gäbe es einen schönen Karoeffekt. Aber ich habe vom weiß und hellgrün nicht soo sehr viel. Der Großteil ist dunkelgrün. Also mache ich diesen Schal mir einer Schussfarbe. Damit sehe ich, wie viel ich verbrauche und kann eventuell danach rauskriegen, ob das restliche Garn für Fibonacci im Schuss noch reichen würde. 
die einfarbigen Streifen halt in der entsprechenden Höhe... ich muss es mal auszählen 😊

Der Plan steht, also Kette aufziehen und los.


die Farbverteilung gefällt mir schonmal. der Flausch des Mohair leistet seinen Beitrag


aber der Schuss ändert ja nochmal einiges.

trotzdem sehr zufrieden. Gefällt mir ganz gut.

Für den zweiten Schal war ich bei Maliz stöbern, um ein bisschen Inspiration zu bekommen. Diesen Blog habe ich inzwischen wohl 3x von Anfang bis Ende durchgelesen und finde immer wieder etwas, das mir unbekannt erscheint! Er steckt so voll von Informationen auf einer sehr breit gefächerten Handarbeitsebene, das ich wohl einige Sachen zwar gelesen, aber als im Moment nicht machbar nicht im Hinterstübchen gespeichert habe. Irgendwann, beim nächsten und übernächsten Lesen desselben Beitrags dämmert mir... ach ja, da war doch was... das ist Dir damals dabei durch den Kopf gegangen...
Einmal mehr ist mir etwas ins Auge gefallen, das ich vorher zwar gesehen, aber nicht weiter beachtet habe: Smålandsdräll. Ein Buch in dem es um das Weben mit nur 3 Schäften geht. Mit 2 Webblättern kann man auf dem Webrahmen auch 3schäftige Webmuster weben. Also habe ich mir das Buch bestellt. 😁 Falls ich es auf dem Webrahmen doch nicht umsetzen kann, habe ich ja noch so ein, oder zwei Tischwebstühle. 😅

Diesmal habe ich gezielt nach Schals gesucht und habe grob durchgeblättert. Am Ende ist mir einer besonders aufgefallen. Transparens. Durchsichtige Streifen zwischen blickdichten. Das Material dazu taucht mehrfach auf und ich dachte, in meinem Päckchen, von Bart & Francis war doch Schappe Seide dabei? 🤔 Leider nicht, sondern nur Leinengarn in Schappe Optik. Aber 2 Tage vorher hatte ich einen Karton im Auge, in dem hauchdünnes Wollgarn in 3 Rottönen lag. Meine Schals sind normalerweise luftig und locker und werden einmal nach dem Fertigstellen durch die Waschmaschine gejagt, um leicht anzufilzen. Seide filzt nicht, Leinen auch nicht, das dünne Gewebe würde also immer verschiebbar bleiben. Aber Wolle filzt! Also warum nicht die hauchdünne Wolle mit dickerer kombinieren?

Ein passendes Knäuel hat sich schnell gefunden, ein angefangenes Knäuel Sockenwolle in Pinktönen und von dem 3erlei rot, das rosa. Die Aufteilung war wieder schnell gemacht, ein  40/10er Blatt, mit dem ich Sockenwolle normalerweise verwebe und das ich auch für meine superleichten Schals verwende. Die dünnen Stellen sind dann entsprechend lockerer. Weil ich den dichten Rand außen haben wollte, konnte ich nicht einfach 10,10,10...nehmen. Also habe ich ein bisschen  gespielt. die dichten Streifen mit je 10 Kettfäden, die dünnen mit je 8 und die Außenstreifen mit je 12 Fäden. Falls das nicht funktioniert, sind die durchsichtigen Streifen nicht gar so breit 😂
eine halbe Kette


Ich bin, gelinde gesagt, etwas begeistert. Es scheint zu funktionieren! Ich habe dieses Mal auch auf dem Warenbaum ein Trennblatt mit eingewickelt, damit sich die Spannung der Kette und des fertig gewebten nicht in eine Berg-und-Talbahn verwandelt. Beide Wollfäden sind aber relativ elastisch, so dass das Weben recht flott von der Hand ging. Als Schuss habe ich auch wieder das dünne Garn genommen, damit die Streifen auch wirklich durchsichtig bleiben.

Weil das Weben so problemlos ging, spiele ich schon wieder mit dem nächsten Gedanken, der auch im Schuss dichte Streifen hat. Das gibt ganz sicher ein interessantes Karomuster. Bei dem Pink hätte das nicht funktioniert, das Knäuel war schon angebrochen und nach dem Aufziehen der Kette war noch weniger als 50g übrig. HÄTTE reichen können, aber sicher war ich nicht. Also besser nicht zu viele Experimente auf einmal 😉 

Im Urlaub geht einiges schneller und so sind beide Schals schon fertig. Verfranst, gewaschen (und damit angefilzt) Nur nochmal kurz mit dem Bügeleisen drüber und ab in den Shop. Das Heidewolle Fest haben wir nun von uns aus abgesagt. Zu unsicher ist, ob es nicht sowieso vom Veranstalter wieder kurz vor Stattfinden abgesagt worden wäre. 

 
Je nachdem, welche Farbe man "oben" trägt, ist die Wirkung eine andere

 

immer noch durchsichtig. Cool! ♥





Samstag, 21. August 2021

Tirval - oder: alles, was schief gehen kann

Im April hat mich Bärbel angesprochen, ob ich Lust habe für Saskia eine Mütze namens Tirval zu stricken, sie hat ein Schaf, das so heißt und fand es nett, eine Mütze zu haben, die heißt, wie das Schaf... Saskia kenne ich nicht persönlich, aber sie hat mit Irina das Buch über die bunten Schafe geschrieben. Ich weiß also von ihr, was auf dem Buchrücken steht. Was mir gestern aufgefallen ist: nirgendwo ein Bild von ihr 😮 Aber irgendwie auch interessant, man hat so gar keine Vorstellung und keine Be- oder Verurteilung. Komplett neutral. So sollte man eigentlich jedem Menschen gegenüberstehen, ohne sich durch Äußeres beeinflussen zu lassen.

Was ich ja so gar nicht kann: mich verkaufen, also meine Ware, meine Fertigkeiten. Jemanden anzusprechen, damit er etwas von mir möchte, ist für mich der blanke Horror! Wenn ich etwas habe, das da liegt und jemand es sich anschaut und nachfragt, ist das eine ganz andere Sache. Derjenige entscheidet, ob es ihn interessiert. Aber manchmal muss man auch über seinen Schatten springen. Was ist schon dabei? Schlimmer als, "Nö, will ich von Bärbel gestrickt haben", kann es nicht werden. 

Tja, und manchmal wird man eben auch positiv überrascht 😉

Bevor ich an Saskia geschrieben habe, habe ich mir die Mütze erstmal angeschaut. Bärbel hatte mir den Link von Jamiesons and Smith mit reinkopiert, aber ich habe sie auch auf Ravelry gefunden, denn Wolle hab ich genug. Und wie kompliziert oder teuer das nun mit Brexit ist, Wolle aus England zu bekommen, wollte ich in dem Moment nicht wirklich wissen.

Bild von Ravelry!

Die Mütze wurde von mir also für machbar befunden, also Saskia anschreiben und anfragen. Es kam ziemlich schnell und unkompliziert ein OK. Pff, alles andere ist wieder easy, Details absprechen. Soll ich eigene Wolle nehmen, oder passende besorgen? Färben? Und dann kommt von Saskia die Idee, doch auch die Wolle von Tirval zu verwenden. DAS ist natürlich das I-Tüpfelchen auf dem Projekt. Damit kommt (für mich) schonmal nur Färben mit Naturfarben infrage! Es ist immer noch April und die Schafschur dauert noch. Wir sind uns einig und ich kann mich schonmal etwas näher damit beschäftigen, wie ich diese 3 Farben färben will. Ich brauche goldgelb, rot und weinrot.

Das gold würde mir in Richtung mehr gelb besser gefallen, also ein bisschen mehr Sonne, weiß kann so bleiben. Für das knallrot wollte ich mich ein weiteres mal an eine Krappfärbung in Bramscher rot wagen. Für den Fall, dass das wieder nix wird und orange-rostrot wird, nehme ich das als Grundfarbe für das weinrot und überfärbe es mit Cochenille. Ich habe ja noch Lac Dye liegen, das ich schon immer mal ausprobieren wollte. Das soll ja knallrot werden.

Ein bisschen Zeit für mich zum Stöbern, nach Saskia, nach den Schafen, nach ein paar mehr Informationen so rundum. Ich stalke nicht wirklich Leute, aber manchmal bringen mir ein paar Zusatzinformationen Ideen. Persönliches kann mit einfließen, ohne dass es vordergründig sichtbar ist. Wie eine gute Schminke, die unterstreichen, aber nicht vorstechen soll.

Auf der homepage von Saskia finde ich reichlich Schafbilder, auch ein paar Lammbilder von Tirval und sie hat mir auch noch ein aktuelles geschickt. Aktuell, heißt als erwachsener Bock

er guckt so lustig in die Kamera! Ein hübsches Kerlchen ♥

auf dem Bild schaut er Caramel vom Hof Ebeling sehr ähnlich. Und ich denke, die beiden sind auch irgendwie miteinander verwandt? Müsste ich eben nochmal nachlesen... ja, es ist der Vater von Caramel. Die Familienähnlichkeit ist unverkennbar! 

Knapp einen Monat später kommt von Saskia dann die Meldung: die Wolle ist geschoren, wo soll ich sie hinschicken? Ja, am besten zu mir 😂

Waschen in zwei Schüben

Erste Fuhre

und zusammen mit der zweiten Fuhre

hier ist mir dann aufgefallen, dass gar nicht alles so weiß ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Und, wenn ich mir das Gesamtbild so anschaue, wirkt es optisch anders, als ein geschorenes Vlies. Ich wusste bis dahin nicht, dass es gerauft war und hätte dem auch kaum eine Bedeutung beigemessen. Ich fange ja beim Spinnen immer mit dem einfachsten Schritt an, direkt aus der Flocke. Falls das nicht so gut geht, schaue ich, warum. Hier hatte ich nach dem Waschen an der Raufseite einen leichten geschlossenen Ballen und oben geschlossene Spitzen, die in Locken ausgelaufen sind. Ich habe diese Wolle automatisch auf die Kämme gesteckt, weil ich die Spitzen eh hätte öffnen müssen, dann kann ich sie auch direkt gleich durchkämmen.
beim Bilderstöbern nun sehe ich, es war auch vor dem Waschen schon so. Was bin ich mal wieder froh, dass ich immer so viele Bilder mache 😁

Weil die Vorbereitungen für das Bramscher rot so ziemlich eine Woche benötigen, fange ich damit an. Neue Beize ansetzen, Wolle abwiegen, beizen und ruhen lassen... 

Währenddessen haben die Birken auch endlich genug Blätter an den Bäumen, so dass ich mich ungeniert daran bedienen kann. Meine allererste Birkenblätterfärbung war knallgelb. Ich wollte es ja etwas heller. Birkensuppe anrühren und abwarten. 

Immer wieder zu warten war hier überhaupt so das, was am längsten gedauert hat. Nach 5 Tagen feucht ruhen für das Bramscher rot, kann ich den Krapp einweichen. Der muss auch wieder 2 Tage weichen. 

In der Zwischenzeit habe ich schonmal die weiße Farbe gesponnen, da muss ich ja auf nichts warten. Ich wasche immer mit einem Waschbad und einem Spülbad alles in altem Wasser. Damit bleibt immer noch ein Rest Wollfett in der Fasern, was beim Spinnen schön geschmeidig ist. Aber diesmal war es fast schon ein Flutschen! 😮 Hm, ob da die Beize richtig greift? Und die Farbe hält? Sehr unsicher über das Ergebnis, habe ich kurz entschlossen den kompletten Rest der gewaschenen Wolle in einen großen Topf mit Spüliwasser gesteckt und ordentlich eingeheizt. Heiß aus dem Pott, heiß durchgespült und geschleudert und wieder zum Trocknen hingelegt.

Zack, wieder ein Tag Verzögerung, zumindest zum Färben. 

Nach dem Trocknen bin ich nun zufrieden. SO kann ich weiter arbeiten. Helle Farben abwiegen und die Portionen für die beiden anderen Farben auch, jedes in getrennte Wäschenetze. Beschriften was wofür gedacht ist und zusammen in die Beize legen. 

Die Wolle für das gelb und das weinrot wird geschleudert, die für das Rot nur ausgedrückt. Sie muss ja eine Woche lang feucht gehalten werden. Ich hab sie dafür einfach in einen verschließbaren Zipperbeutel gesteckt, den kann ich immer wieder drehen, damit auch ja nix antrocknet. Geht super!

Das weiß ist also fertig und das gelb sollte doch nun auch soweit sein.

das war eigentlich nicht das, was ich erwartet hatte 😪 das sollte viiiel gelber sein!

also habe ich meine Tagetes im Garten geplündert. Viel war es nicht. Dieses Jahr will irgendwie alles nichts werden.

Links die Tagetesfärbung, rechts habe ich meine erste Portion nochmal in den Topf geworfen und meine Vorräte geplündert mit allem, was gelb färbt. Ich habe noch eine Tüte Ringelblumenblüten gefunden und ein bisschen Färberkamille und zur Sicherheit noch 3 Zwiebelschalen mit in den Topf gesteckt.

das wurde wieder nicht gelb, aber zumindest sieht es fast genauso aus, wie das Auld gold, dass ursprünglich laut Farbkarte vorgesehen war. Ich könnte fast wetten, wenn ich versucht hätte das gezielt so zu färben, wäre irgendwas anderes dabei rausgekommen, aber nicht DAS 🤣

Also bleibt es so, ich habe ja noch 2 andere Farben zu färben!

Anfang Juli (inzwischen) ist es dann soweit. Ich habe den Bramscher Färbetag so angelegt, dass er auf das Wochenende fällt. Da brauche ich Ruhe dafür, das geht nicht zwischen Tür und Angel. Es ist Sonntag und ich bin seit 5 Uhr auf und total nervös. Ich möchte eigentlich schon, dass das diesmal klappt. Das das Gelb mit so viel Nacharbeit dann doch nicht meine Wunschfarbe geworden ist, hat mir schon gereicht. 

Um 7 nach dem zweiten Kaffee bin ich dann in den Keller getigert. Augen zu und durch! Topf mit dem eingeweichten Krapp einheizen, Pottasche dazugeben und erfreut feststellen, dass es von orange zu rot mutiert. 

beim Vorbereiten hab ich gleich mal die Pottasche rausgeholt und mit daneben gelegt. Das hatte ich auch schonmal vergessen. Nachträglich dazugefügt, würde die Wolle zweifarbig, dunkler und heller


aufmerksam die Temperatur im Auge behalten. Nicht heißer, als 70°C, sonst wird es braun

Test mit Küchenkrepp: schaut ganz gut aus. Also Wolle dazu.
äähm... nein, das ist KEIN rot!  Nochmal ein bisschen Pottasche in den Pott und die Wolle wieder rein. 
DAS kommt schon eher hin! 
so wirds gesponnen.

Im Entspannungsbad habe ich ein bisschen Weinsteinrahm in das Wasser getan, weil im Rezept für das Bramscher rot was davon drinstand. Meine Beize ist aber mit Weinsteinsäure angesetzt. Der Rahm hat mir nun gewaltig eins ausgewischt und mein fast rot wieder leuchtendes Orange verwandelt! 
Also habe ich ein paar Läse gemahlen und vorsichtig mit Cochenille überfärbt *seufz
Cochenille wird auch eingeweicht, aufgekocht und über Nacht abgekühlt, es wird dann leicht gelig (gallertartig), wenn man das mit nur wenig Wasser macht. Wird zum Färben dann aber mit ausreichend Flüssigkeit aufgefüllt und färbt eigentlich schon recht intensiv.

In der Zwischenzeit habe ich dann auch das Lac Dye hervorgeholt und nachgelesen, wie es angewendet wird. Ich hatte irgendwie im Hinterkopf, dass es nicht so ergiebig ist, wie Cochenille. Ich habe eine relativ große Büchse, brauche aber für meine 50g Fasern nur ein paar Gramm. 
Es ist die erste Färbung bei diesem Projekt, die auf Anhieb funktioniert! 
mit der Cochenille war ich wohl etwas übervorsichtig, es ist etwas weniger leuchtend orange und ich fürchte fast, es hat zu wenig Kontrast zu dem weinrot. Aber so bleibt es nun!

alle 3 Farben zusammen gefallen mir sehr doch sehr gut
Das gold ist immer noch nicht gezwirnt, weil ich es gegebenenfalls mit der helleren Variante zusammen zwirnen will. Dafür muss nun aber erst das weinrot gesponnen werden

langsam fügt sich alles harmonisch zusammen

Aber ich habe wohl nicht sehr gut gespült, ich habe knallrote Hände beim Spinnen und zwirnen.

Nun muss ich entscheiden, ob ich das gold in dunkel nehme oder die hellere Färbung dazu packe. Ich entscheide mich kurzerhand für nur dunkel, weil es dem urspünglichen auld gold doch sehr nahe kommt. Jetzt bloß keine Experimente mehr! 


Und da habe ich endlich meine 4 Farben und denke: boah wat´n Gezicke beim Färben. Da liegen sie nun, als ob ich nicht zwischendurch fast verzweifelt wäre. 
Das Garn fasst sich weich an, ich bin zufrieden. 

Los, anstricken! Die Angaben in der Anleitung schien mir recht reichlich, also habe ich ein bisschen rumgerechnet und mit den Maschenmengen und Nadelstärken angestrickt, bei denen MIR die Mützen passen. Dafür musste ich im Muster ein bisschen rumstreichen, sonst würde die Mütze zu lang. 
Gemacht und am selben Abend gleich wieder aufgeribbelt  😮 😣 Ich konnte aber vorher noch feststellen, dass der Mützenumfang so passt. Was hat die Tante immer gesagt: nichts ist so schlimm, dass es nicht für was gut ist. 

Das Gestrick fasst sich irgendwie komisch an, irgendwie zu glatt. Shetlandwolle hat eigentlich einen eher samtigen Griff. Fair Isle Muster sind "normalerweise" mit Farbwechseln mit nicht mehr als 5 Maschen am Stück. Die Shetlander stricken das in der Länge ohne die Fäden hinten zu verkreuzen, weil sich das beim ersten Waschen leicht anfilzt und die Spannfäden damit auf der Rückseite fixiert werden.

Gezwirnt hatte ich das erste Garn auf meinem kleinen Mini-Elektro-Spinnrad. Ich habe eigentlich schon gleich gemerkt, dass es reichlich Drall hat. Habe aber alle anderen Farben dann genauso gezwirnt, damit die Garne nicht unterschiedlich werden. 
Aber SO wollte ich das nicht lassen. Also alles wieder aufribbeln, wieder mit dem Elektrospinner verkehrtrum zwirnen, damit der Drall etwas weniger wird. In Stränge wickeln, wieder ins Entspannungsbad, trocknen lassen neu wickeln und wieder anstricken...
Das weinrot  habe ich bei der Gelegenheit gleich noch einmal mit Schampoo gründlich ausgewaschen und es kam immer noch reichlich rote Farbe raus. Beim Stricken hatte ich einen schönen roten Strich auf dem Finger... drum. 
frisch entzwirnt 😏

Und wieder von vorn. Bilder gibt es dann ja bei mir keine mehr, bevor das Objekt nicht beim Empfänger angekommen ist, aber so kann man es ja mal zeigen.
Ich bin schon fast fertig, die Abnahmen für den Deckel kommen noch, dann ist gut. 

An dieser Stelle merke ich, dass ich noch reichlich Garn übrig habe. Zwischendurch habe ich immer mal wieder an Handstulpen in den verschiedenen Varianten gewerkelt und dann fallen mir meine Handstulpen ein, de ich von Bärbel bekommen habe, mit Schafen drauf (logisch). Mit einer Anleitung und Zählmuster dabei (cool). Aber nachgestrickt hat das bei mir damals ausgesehen, wie Kraut und Rüben. Liegt in irgendeiner Ecke!
Aber ich habe Fee und Vilma versponnen hier liegen, noch was dunkles dazu, da könnte man das Tirval Muster doch auch dreifarbig...?
An die Malmaschine und ausprobiert, Nadeln geschnappt und losgestrickt.
als dunkle Farbe habe ich Skudde english blue genommen, weil Vilma und Fee so recht keinen Kontrast zueinander haben. Im Bündchen schaut das hübsch aus, wie ein Schatten, aber oben im Muster fällt es kaum auf.

Dafür, dass sie diesmal nicht aussehen, wie Kraut und Rüben, sind sie sogar recht gut geworden. Leider nicht gleich groß. Gut, dass ich das vorher mit grau getestet habe! In der Zwischenzeit und noch einem anderen Paar Handstulpen hatte ich die Idee, den Rundenanfang nicht mitten im Muster anzufangen, sondern ihn auf hinter das angefangene Muster zu schieben. 
Für die Mütze ist das zu spät gewesen, aber die Handstulpen habe ich so gestrickt und das gefällt mir ganz gut. Werde ich im Hinterkopf behalten.

Und immer noch ist Garn übrig, vor allem vom weiß. Und ich habe ja noch ungesponnenes liegen.
Ab hier beginnt nun die "Trödelei" Zeitschinderei, denn die Mütze ist eigentlich fertig. 🤗 Was jetzt noch kommt, ist eigentlich eine Überraschung.
Was wäre eine Mütze mit Handstulpen ohne einen Schal? 

An drei Abenden habe ich die restliche Wolle gesponnen, als Single mit ein bisschen gutem Drall. Es sind noch ungefähr 100g Wolle übrig. Meine leichten Schals wiegen weniger! Das sollte reichen.

so ziemlich genau 100g, am Ende mit einem anderen Garn verlängert, damit der Drall nicht aus dem Ende verschwindet.  
 
entspannt ist jetzt noch mehr Krissel drin, als vorher 😮 
schonmal ne Gewebeplanung gemacht. Ich muss mich entscheiden, zwischen einem "normalen" Schal, komplette Länge, aber schmaler, weil ich noch was für den Schuss brauche, oder später dran gedacht, an einen Loop, in der vollen Breite. Ich habe mich für den Loop entschieden. Ich selber mag meine sehr gern. Und ich denke, wenn man draußen ist bei den Schafen (also im Winter), sollte man gut eingepackt sein, ohne drüber nachzudenken, ab man den Schal verlieren könnte, weil er irgendwo rumwurschtelt. Außerdem erinnert mich diese Art Schal an die Schäferplaids von früher, wo der Schäfer auch schonmal ein Lämmchen drin transportiert hat. Die waren natürlich viel größer und breiter, aber der Gedanke dahinter gefällt mir einfach so gut. Das ist es, was ich oben zu Hintergrund gemeint habe.
Beim Kette schären gleich nochmal geändert und die Randfäden in bunt eingezogen. Da die gezwirnt sind, sollte das gleich ein bisschen stabiler sein.

und wieder einmal ziehe ich längs und quer kurze Fadenstücken ein. Diesmal, logisch, aus der Tirval Wolle. Für einen gestrickten Schal hätte es nicht gereicht, aber so sind auf jeden fall die Farben passend.

Am Anfang und Ende noch einmal die bunten Garne...

... so dass der Schal einen Rundumrand hat. Es sind übrigens auch weiße Fäden mit eingewebt, nur am Rand habe ich sie weg gelassen. Die Fäden kreuzen sich willkürlich ohne Plan, aber immer wieder gefällt mir das dadurch scheinbare karierte Muster.

das letzte offizielle Bild: alle Fäden verstochen... eben wirklich alle 😄


Und da ist es nun, das komplette Set

mit Mütze
  
Schal

und Handstulpen



Ich war mir von Anfang an sicher, dass mir die Arbeit daran sehr viel Spaß machen wird und ich habe Recht behalten. Es hat viel Spaß gemacht. Immer, wenn ich etwas mache, bei dem schon von vornherein feststeht, für wen es ist, ist das immer etwas persönliches. Genauso, wie ich im persönlichen Gespräch mit einem Menschen, wo ich mich mit diesem unterhalte und nicht einfach ein paar Worte in den Wind rede.

Danke Saskia für diesen Auftrag. Es ist nie nur eine Mütze... 😎


Nachtrag 05.10.2021
Leider habe ich heute erfahren, das Tirval so krank war, dass er nicht mehr geheilt werden konnte und eingeschläfert werden musste. Es macht mich traurig um das schöne Tier 😥 Aber nun bin ich ein bisschen froh, dass ich mich so lange und intensiv mit ihm beschäftigt habe. ♥ 
Ruhe in Frieden kleines Böckchen! 🐏