Samstag, 14. März 2026

Dobby - die Entdeckung

Was ist Dobby? Nicht zwingend ein Hauself! Obwohl der mir wahrscheinlich ein bisschen hätte helfen können 😉

Ein Dobby-Webstuhl funktioniert wie eine Lochkarte. Man stanzt Löcher in eine Platte, führt diese durch ein Lesegerät und das gelochte Muster wählt aus, welche Schäfte gehoben werden. Bei Damastwebstühlen wird das auch so gemacht. Das Prinzip ist beim Dobby nur ein bisschen anders. Es gibt keine Lochkarte, dafür werden Stecker in eine Leiste gesteckt, die in der richtigen Position den Hebel nach vorn schieben, so dass der Balken, der davor unter den Nasen sitzt,  diese greifen kann, wenn er nach oben gezogen wird.

Marlies und ich sind durch das Weberknecht Projekt noch enger in Kontakt, als es das vorher schon war. Schon vorher war sie meine "heilige Kuh", mein Wikipedia oder Brockhaus des Webens. Wenn ich etwas spezielles gesucht habe, habe ich es auf  ihrem Blog gefunden. Wenn einer was entdeckt hat, hat er es den anderen gezeigt. Sofort wurde überlegt, ist das sinnvoll, oder nicht. Wenn ja, kann man das nachmachen? 
Jeder von uns hat ein Gehirnlabor, wo Sachen gespeichert werden, die man bei Bedarf dort herholen kann. Bedingt durch unsere unterschiedlichen Leben, Arbeits- & Wirkungskreise, sieht das bei jedem anders aus, was die Bibliothek des Wissens für alle um einiges erweitert.

Durch eine einfache Frage kam der Fächerkamm ins Leben. Ein erster Entwurf von mir, eine Verbesserung durch einen Bekannten (?) von Marlies in Schweden, von mir noch einmal in die Hand genommen und durch einen weiteren lieben Bekannten in Neuseeland so in ein Modell verwandelt, dass ich es nun problemlos in jeder gewünschten Form (also für jeden Webrahmen oder Webstuhl) drucken kann. Dazwischen kamen die geraden Segmente in verschiedenen Breiten hinzu. Dieses ständige Überarbeiten und verfeinern ist es, was mir dabei so gut gefällt. Es gibt nicht immer nur eine Lösung und manchmal braucht es ein paar Denkanstöße von außen, weil wieder jemand einen anderen Erfahrungskreis hat. Sieht man das fertige Teil, denkt man vielleicht: pha, ist doch easy, hätte ich auch gekonnt. Hättest Du? Mit nur einem Bild und einer Frage? Ich selber denke dann: warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen, es ist doch logisch.

Durch diesen laufenden Gedanken- und Informationsaustausch kamen wir auch auf einen komplett 3D gedruckten mehrschäftigen Webstuhl. Der "Erfinder" ist Fraens. Den Erfinder habe ich absichtlich in Gänsefüßchen gesetzt, denn sowohl der Webstuhl, als auch das nachfolgende Update, diesen zu einem Dobby umzubauen, erinnern schwer an Ashford und Louet. Nichtsdestotrotz ist die Umsetzung in lauter kleineTeile, und diese zu einem funktionierenden Ganzen zusammen zu fügen, schon eine Meisterleistung. Das Elemente aussehen, wie von anderen Herstellern ist da wohl dem Vorbild geschuldet. Man muss das Rad ja nicht neu erfinden, wenn es das schon mehrfach gibt. Und wenn es rollt, warum daran verbessern?

Ok, beim Verbessern bin ich ja wohl Meister Matz. Es gibt nicht wirklich viel, bei dem ich komplett nix zu meckern habe. Selbst bei meinen eigenen Sachen, finde ich oft noch was, wo ich denke: hättste auch so machen können, oder das gleich noch mit dazu. Aber das ist eben auch das Problem, wenn man allein arbeitet. Einen Fehler zu entdecken, wenn man was fertig sieht, ist einfach. Ihn zu vermeiden, weil man gedanklich ganz andere Wege geht, ist schon schwieriger. Bis zum Ende gibt es immer wieder was anzupassen, zu ändern, oder sogar komplett zu verwerfen und von vorn anzufangen. Hinzu kommt, das man aus seinem eigenen Erfahrungsschatz weiß, wie man etwas benutzen will. Andere machen das anders und kommen dann nicht mit dem zurecht, wie es gedacht war. Für mich lass ich es meist so, wie ich es dachte, weil was mache ich mit dem Material, dass ich dann wieder abbaue? 

Nun dann zum Dobby. Zuerst haben wir den 8schäftigen Webstuhl entdeckt. Großes Staunen und überlegt, geht das? 

Bilder von Fraens und Ashford

Auf den zweiten Blick dachte ich, hm, kommt mir bekannt vor 🤔 Einmal kurz im Katalog geschaut, ja, hier hat der Katie Loom von Ashford Pate gestanden. Hätte ich auch so gemacht. Für viele Webgeräte gibt es detaillierte Anleitungen, wie sie zusammengebaut werden. Da findet man schon einiges über die Form der Teile und die Funktionsweise heraus, denn es wird ja auch erklärt, wie man es verwendet. Für den Fraens gibt ein sehr gutes und hilfreiches Video, wie man alles zusammenbaut, es gibt eine Zusammenbauzeichnung (in verschiedenen Dateiformaten) und auch eine Aufstellung für die Teile, die nicht gedruckt werden, also Schrauben, Muttern, Aluprofile oder Gewindestangen. Ein Ordner, in dem alle Teile mit Namen aufgeführt sind. Nur leider fehlt irgendwie die Verknüpfung der Nummern auf der Zeichnung mit den Bezeichnungen im Ordner. Da alles in Englisch gehalten ist, habe ich ziemlich schnell den Überblick verloren, was was ist und wie oft es ggf. gedruckt werden muss. Also habe ich mir mit Farben beholfen. Ich hatte eh jedes Teil in einer anderen Farbe gedruckt, diese habe ich dann auf der Zeichnung entsprechend eingefärbt und gleichzeitig den Dateinamen die entsprechende Nummer gegeben.

Die gedruckten Teile passen perfekt ineinander, nicht zu eng, nicht zu locker. Zusammensetzen und passt. Probleme gab es bei mir dann mit den gekauften Teilen. Schrauben und Muttern sind genormt. Aber Alustäbe und generell Metallprofile haben in sich und untereinander teilweise so eine große Toleranz, dass hier manchmal was geklemmt hat, an einer anderen Stelle war es zu locker. Das ist mir beim Weberknecht auch schon passiert, dass das Innenloch der Musterscheiben so knapp war, dass es auf herkömmliche Vierkantprofile aus dem Baumarkt zu knapp war und sich die Scheiben oft nur mit Mühe schieben ließen. Eine Bestellung von höherwertigen (teureren) Profilen hat keinen Unterschied gemacht. Die Toleranz innerhalb einer einzigen Stange war teilweise bis zu 0,1mm, von Stange zu Stange fast 0,2mm. 😮Das ist viel, wenn man da was drüber schieben muss.
Bei meinen Schäften hat das dann auch schonmal so ausgesehen:

Dadurch, dass die Stäbe nicht gleich leicht in die Seitenteile gingen, haben sie sich wohl beim Zusammensetzen etwas verbogen, damit war dann das Schieben beim Litzenstechen eher ein Kraftakt. Darum war meine erste Änderung auch, dass die Litzen mehr Spiel bekommen.
Die Löcher an sich sind nun um 0,5mm größer als die Alustange und haben unten ein Langloch. Falls doch mal ein Stab nicht ganz grade ist, gleicht sich das dort prima aus. Ich habe kein Spezialgeschäft, bei dem ich industriell toleranzgebundene Teile kaufen kann. Ich habe zwei Baumärkte und das, was es dort für wenig Geld gibt. 

Aber eigentlich habe ich hier ja schon einen großen Teil übersprungen. Zurück zum 8-Schaft Webstuhl.
Ich hatte schon richtig viele Teile gedruckt, alle erstmal so, wie sie hinterlegt waren und habe angefangen, alles zusammen zu bauen.
 
auf meinem Tisch sah es ziemlich schnell aus, wie Kraut und Rüben 😂Aber Ordnung ist was für Laschies. Das Genie beherrscht das Chaos.
 
Und dann kamen Stück für Stück Fragen auf: warum ist das jetzt so gemacht? Das hält doch nicht! Nunja, ich komme aus dem Maschinenbau, da muss alles fest sitzen und man muss es ordentlich anziehen können. Bei dem Oberteil des 8-Schäfters kommen die Schnüre von der Platte, die die Hebel hält, von den Schäften durch die Löcher ganz außen und gehen dann zu dem jeweiligen Hebel. Dabei überkreuzten sie sich zwangsläufig, so das Reibung innerhalb der Schnüre vorprogrammiert ist. Das gefällt mir auch bei anderen Webstühlen überhaupt nicht! Es erschwert das Verständnis, was wie funktioniert. Ich habe die Fäden mal per Hand eingezeichnet, um das zu zeigen. Die nächste Frage, die sich mir dann prompt gestellt hat: Die Schäfte haben unten einen Gummi, der sie wieder nach unten ziehen soll, weil sie so leicht sind, dass sie nicht von alleine wieder in ihre Ausgangsposition fallen. Es braucht also schon ein bissel Kraft, um die Schäfte nach oben zu bewegen. Damit sind die Löcher, durch die die Fäden kommen auch einer Reibung ausgesetzt, die entweder die Löcher kaputt macht, oder den Faden aufribbelt. Meine erste Aktion war hier darum: Ich habe Metallnieten von oben und unten in die Löcher geklebt. Damit habe ich schonmal eine mögliche Reparaturstelle ausgeschaltet.

 
Beim Dobby ist das eleganter gelöst, dort sitzt direkt an den Löchern eine Stange mit Röllchen. Sehr gute Lösung.

Aber kaum war diese Klippe umschifft, kam die nächste: Die lila Platte, an der schon die Hebel montiert waren, soll mit 4 Schrauben an dem silbernen Teil angeschraubt werden. 
Der ganze Webstuhl ist so konzipiert, dass man ihn auf einem kleinen 3D Drucker mit 18x18cm Druckfläche drucken kann! Um das hinzukriegen, muss man die Teile so auslegen, dass man größere Strecken zusammensetzt. Das ist gart nicht so einfach und ich war sehr überrascht, dass trotzdem vieles einfach funktioniert hat. 
Aber die Muttern! Sie haben mich etwas zum Verzweifeln gebracht. Ne M4er Schraube mit ner einfachen Mutter angezogen an einem Gerät, bei dem sich bei jedem Handgriff irgendwas bewegt... Ich habe ganz schnell zu selbstsichernden Muttern gegriffen, damit ich sicher sein konnte, dass alles, was ich angezogen habe, auch angezogen bleibt 😉 Aber selbstsichernde Muttern sind halt etwas höher, als normale und damit braucht man längere Schrauben und sie schauen in den Muttersenkungen halt etwas heraus. Und wenn man sie so anzieht, dass sie festsitzen, gibt halt auch mal der Kunststoff nach und bricht. Ich muss aber gestehen, dass ich nicht erst gelesen oder nachgeschaut habe, ob es empfohlene Druckeinstellungen, oder spezielles Material zu beachten gibt! Ich hab halt drauflos gewurschtelt.

Und mitten im Bauen war mir das alles zu klein und zu eng. Das Maß der maximalen Webbreite krumm: 28cm. Hätten es nicht 25 oder 30 sein können? Nein, denn 28 ist 3cm mehr Webbreite, als 25  und bei 30 hätte die Druckfläche des Minis wieder nicht ausgereicht. Zumindest nicht, ohne alles nochmal neu zu machen, oder eine Lösung zu finden, wie es breiter geht. 
Aber ich habe ja einen Drucker mit einer größeren Druckfläche, also habe ich bei allen Teilen, die die Breite bestimmen, entweder diese Teile verlängert, oder das Zwischenstück angepasst. Ich wollte 40cm Webbreite!
Und dann kam das Upgrade auf den Dobby. Also man kann das ganze Untergestell so behalten und braucht nur die Platte und alles was daran befestigt ist abzubauen und durch das Upgrade ersetzen.

Also habe ich angefangen doppelt umzudenken. Die Webbreite anpassen und den Dobby-Aufbau. Angefangen habe ich mit dem einfachsten Teil: der Brustbaum wurde um die Differenz zwischen 40 und 28 geteilt durch 2 (weil es ja 2 Teile sind) verlängert. Gibt eine Verlängerung um 6cm bei jedem Teil oder pro Seite. Denn keines hat ja die volle Länge und ist immer aus 2 Teilen zusammengesetzt. Ich habe nicht alles neu gezeichnet, sondern die Dateien vom Fraens angepasst. 

als nächsten habe ich mir den Kett- & Warenbaum vorgenommen. Anstatt diese zu verlängern, habe ich einfach das Zwischenstück in beide Richtungen länger gemacht. Auch hier wieder mit der Differenz gerechnet. Damit konnte ich einige Teile trotzdem noch verwenden.

Das letzte Teil, das die Webbreite bestimmt, ist der Aufsatz. Die Teile mit den Nieten brauchte ich nicht mehr, es gab ja die neue Lösung mit den Röllchen. Ich habe kurz überlegt, auch hier ein Zwischenstück einzusetzen, habe mich dann aber dafür entschieden, die beiden Teile um ein Segment zu verlängern, damit es so wenig wie möglich Unterbrechungen in der Konstruktion gibt. Also habe ich die beiden Teile um 6cm verlängert und die Befestigungen für den Dobby Aufbau versetzt
Was bei mir überhaupt nicht funktioniert hat, sind diese Gewindeeinsätze, die man einschmelzen muss. Sobald ich dort eine Schraube angezogen habe, kam mir das Teil prompt wieder entgegen! Viel später habe ich gesehen, dass man den Kunststoff darüber nochmal ein bissen anschmelzen muss. Aber ich mag die Dinger trotzdem nicht. Stattdessen habe ich mir was stabileres einfallen lassen.
 
überall, wo ich was festziehen muss, habe ich einen Schlitz eingearbeitet, so dass ich dort eine normale Mutter reinschieben kann, die ich nicht schon beim Drucken einlegen muss. An der entsprechenden Position kommt ein Loch rein und schon habe ich ein richtiges Metallgewinde, bei dem ich die Schraube auch mal etwas fester anziehen kann
Die Mutter sitzt so in dem Schlitz, dass sie sich nicht verdrehen kann, ich brauche also auch keinen Schlüssel zum gegenhalten.


Es gab noch andere Kleinigkeiten, die mich schon von vornherein stutzig gemacht haben
- die Verzahnung an Kett- & Warenbaum ist viel zu klein, um auf Dauer die Spannung zu halten. Ich habe hier ein neues Handrad gezeichnet mit größeren Zähnen und einen entsprechenden Rastzahn dazu
- die Fixierung der Handgriffe auf einem Rundstab ist schon gut, weil eine Schrauben-Mutter Verbindung, allerdings ist der Schlitz dafür zu schmal, um es so fest anziehen zu können, dass es auf Dauer hält. Hier habe ich den Schlitz so vergrößert, dass er nicht mehr nur ein Schlitz ist, sondern eher ein Keil, weil es an der Außenseite nicht genug Platz gab.
Der Unterschied ist, dass ich gar keinen Schlitz mehr brauche, weil ich beim Drucken eine selbstsichernde Mutter einlege. Damit wird der Griff einmalig fest auf die Gewindestange geschraubt und sitzt dort.

Am Ende hat es für den Kett- & Warenbaum allerdings auch nicht funktioniert, weil die Spannung einfach zu groß war. Die Kette hat sich gelockert. Für die ganzen anderen Rädchen, die nicht dauernd auf- und zu gemacht werden müssen ist es perfekt.
Alles, was uns so aufgefallen ist, muss nicht zwingen falsch sein! Es ist ausgelegt für einen kleinen Webstuhl mit 28cm Webbreite für eine relativ lose Webdichte (also dickes Garn). Sobald man hier eine Komponente ändert, ist der Rest des Komplettpaketes auch davon betroffen.

Bei mir kam dann eine kreative Schaffenspause, weil so recht nix voran ging. Marlies war in dieser Zeit fleißig und hat mich prompt beim Bauen überholt








Donnerstag, 12. Februar 2026

80/10

Christine Ostendorf hat mich nach einem Webblatt in 80/10 für den Webrahmen gefragt. 

Alles, was man kaufen kann ist mit 60/10 das Feinste für den Webrahmen. 

Für die Nicht-Weber: 80/10 oder 60/10 sagt, wie viele Fäden auf 10cm nebeneinander liegen. Bei 80/10 also 80 Fäden auf 10cm. Sockenwolle webe ich gerne mit 40/10 auf dem Webrahmen, also der Hälfte und es wird dann schön locker. 

Beim Weberknecht gab es Versuche mit 80/10, aber das war mir zum Drucken irgendwie nix. Da braucht man ja für 10cm Webbreite auch gleich mal 80 Platten! Und alles ist so hauchdünn, dass es eigentlich gar nicht stabil sein kann. Ich habe es nie ausprobiert.

Aber Christine hat natürlich recht, mein Gehirn hat mal wieder im Gedächtnisarchiv gegraben und eine Erinnerung hoch geholt, die so aussieht, dass die Augen etwas über den Steg in der Breite überstehen. Die Krux ist, dass zwischen den Augen genug Platz sein muss, damit der Faden, der im Schlitz liegt, nicht am Auge hängen bleibt, wenn man das Blatt nach oben, oder unten bewegt. 

Die Idee ist, ähnlich wie beim Fächerkamm mit Modulen zu arbeiten, die durch Verbinder zusammengehalten werden, so dass man keinen Holzrahmen braucht. Mit dem Fächerkamm habe ich das auch schon gewebt. Das hat wunderbar funktioniert. Die Module sind allerdings jetzt 10cm breit, die meisten Webrahmen haben Webbreiten in 10cm Abständen. So kann man sich ein Webblatt zusammenschrauben, wie man es braucht und muss nur die entsprechenden unteren Endstücke passend zum Webrahmen anschrauben. RHL und Knitters Loom von Ashford haben da schonmal unterschiedliche Aufnahmen. 

Ein erster Test mit 1cm Breite, also 8 Fäden +1, um zu testen, wie das gedruckt aussieht. Ein Fädchen unbekannter Stärke bleibt prompt zwischen den Augen hängen, ist aber eigentlich schon recht dünn. 

das ist 1cm breit! nicht ganz 3cm hoch

Das nächste Problem ist, dass die Düse am Drucker 0,4mm dick ist, also so dick müssen meine Stege mindestens sein, am besten doppelt so breit, damit der Drucker 2 Linien druckt. Aber dann ist mir noch eingefallen, dass es auch dünnere Düsen gibt. Fix beim Hersteller geschaut. Ja, es gibt Düsen mit 0,2mm. Und oh Wunder, ich habe 2 in meiner Drucker-Ersatzeilbox! 

Also Zeichnung überarbeiten und zum Drucker schicken. Der meckert, weil die gewünschte Düse nicht mit der im Drucker übereinstimmt. Ähm, hab ich doch gewechselt! Nun, man muss dem Drucker auch sagen, dass sie gewechselt wurde. Die Düsen haben nämlich keine automatische Erkennung 😉 

Erledigt, gedruckt, wieder ein Mini-Muster. Das sieht schon besser aus, sauberer, feiner. Der Litzenstecher von Ashford passt zwar sauber sowohl durch den Schlitz, als auch durch das Auge, aber wenn ich den Faden durchziehen will, ist es ein bissel zu dick.

bevor der Druck für ein volles Modul gedruckt wird, gibt es nochmal Tests in Mini. Der Unterschied zwischen dem linken mit 0,4 Düse und den beiden rechten mit der feineren Düse ist gut zu erkennen. Ich habe das Ganze noch einmal so überarbeitet, dass die Schlitze zwischen den Stegen und in den Augen gleich sind und die Stege noch einmal schmaler gemacht

Neue Idee: einen Litzenstecher, der dünner ist. Ich dachte, ich hätte mal einen gezeichnet, aber ich kann die Datei nicht finden. Also suche ich auf den üblichen 3D-Druckplattformen und werde bei Thingiverse fündig. Sogar schon in der Stärke, die ich wollte.

Während mein erstes nun fertig gezeichnetes Webblatt immer noch druckt, geht der Litzenstecher auf den anderen Drucker. Am Besten gleich in einer Warnfarbe, damit man weiß, welcher der richtige ist 😉 

Ein Modul in voller Größe braucht über 4 Stunden. Die Düse habe ich am kleinen Drucker installiert. Mehr als ein Modul geht da nicht auf einmal auf das Druckbett, denn das hat dort nur 18x18cm  Aber in der Zwischenzeit kann ich ja die Verbinder auf dem anderen Drucker drucken. Auch erst wieder ein Test, dann die, die noch fehlen.

Die Schlitze haben nach dem letzten Testdruck nochmal ein upgrade bekommen. Die Abstände zwischen den Stegen und im Auge sind nun gleich.

Das erste Webblatt ist für Christine zum Testen, ich habe grade keine Zeit dafür. Aber alles in Allem habe ich ein gutes Gefühl. Das Modul als solches ist irgendwie sogar stabiler, als eines vom Fächerkamm, obwohl es einen ganzen Millimeter dünner ist. Ich fürchte, ich brauche sowas für mich auch! 😂🙈

so sind erstmal 6 Module + Verbinder auf die Reise gegangen

Weil der Drucker einmal so eingerichtet war, habe ich für mich gleich auch nochmal 6 Module gedruckt inklusive der Verbinder, die ich mitgeschickt habe.
Die Verbinder sind recht kurz, nur grade mal 3cm breit. Beim Fächerkamm hat das auch recht gut funktioniert. Aber dort waren sie Module schmaler (nur 6cm breit) und einen ganzen Millimeter dicker.
Die Endstücke werden nur mit einer Schraube befestigt und ich habe sie nicht fest genug bekommen, bis ich einen kleinen Streifen Pappe in den Zwischenraum gelegt habe. Meine Versuche, die Konstruktion anzupassen sind gescheitert. Ich will hier aber auch keine Kanonenwissenschaft entwickeln. Es soll einfach nur passen.
mit dem Pappstreifchen wackelt es endlich nicht mehr. Manchmal sind die einfachsten Lösungen die besten 😉


Als ich mein Webblatt dann zusammengeschraubt habe, habe ich bemerkt, dass das Blatt in sich zwar doch recht stabil ist, aber zwischen den Segmenten gibt eine winzige Lücke. Das sollte beim Weben normalerweise nichts ausmachen. Spätestens wenn der Stoff fertig ist, gleicht sich das wieder aus, sollte es im Gewebe tatsächlich sichtbar sein.
auf den ersten Blick kaum zu sehen, aber wenn man das Webblatt im Ganzen anschaut, fällt es doch auf.

es ist wirklich winzig und eigentlich sollte das größere Loch im Modul genau sowas ausgleichen

Also habe ich die Verbinder geringfügig gekürzt. Nun sind die Lücken zwischen den Modulen verschwunden (linker Teil), dafür merke ich sie nun in den Verbindern. DAS gefällt mir eigentlich noch weniger! Trotzdem habe ich mal einen Satz in der Form für Christine gedruckt. 


Währenddessen ging mir durch den Kopf, dass die unterschiedliche Form von Verbindern und Endstücken schon komisch aussieht so im Ganzen. 
Die erste Lieferung kam inzwischen bei Christine an und sie meint, die Endstücken sind um einen Ticken zu lang. Das Webblatt hat sich ganz schön durchgebogen. Beim Anschlagen vom Schuss macht das nichts, da hat man das Blatt ja in der Hand, aber beim Rausheben und Einsetzen in die Halter hakelt es halt. Das soll alles flüssig gehen! Also Endstücken um einen Millimeter kürzen. 
Und im selben Zug habe ich dann den Verbindern die Form der Endstücke gegeben. Sie waren halt ziemlich "klein" gehalten, damit das Drucken nicht so lange braucht und nicht so viel Material verbraucht wird. Die Druckzeit und das Gewicht schlägt sich am Ende auf den Preis nieder. Und es soll ja immer möglichst günstig sein.

Es gingen also 2 Sätze Verbinder und Endstücken auf die Reise. Absichtlich in unterschiedlichen Farben, damit man sie auseinander halten kann. Auch für mich ist von den neuen Verbindern ein Satz abgefallen. Und so schaut mein Webblatt fast aus, wie ein Original.


Ich werde es noch einmal auf Verdrehung und Stabilität testen und dann doch noch einmal den ersten Satz mit den längeren Verbindern einsetzen und das vergleichen. Sollte das am Ende stabiler sein, pfeife ich auf den inneren Monk und das Webblatt hat halt kaum sichtbare Lücken 😎
Aber ich warte mal ab, was Christine so zu dem Ganzen sagt. Vielleicht sind wir noch nicht am Ende der Reise angekommen...




Sonntag, 7. Dezember 2025

Waid, färben mit extrahiertem Pigment

Mein Pigment, die Farbe aus meinem Waid, ist in lagerfähigem Pulver gesichert. Nun will ich es wissen. Färbt mein Pigment, also am Ende mein Waid, der sich inzwischen ordentlich im Garten ausbreitet? Ich verpasse es jedes Jahr, die Samen zu rechtzeitig zu ernten. Dieses Jahr habe ich es gezielt beobachtet. Es zieht sich ziemlich lange hin, dass sich die Samen nicht einfach vom Gestrüpp abtreifen lassen. Und zack, auf einmal kommt ein Wind und die Samen fliegen durch den Garten bis zu den Nachbarn.

Im Jahr nach der ersten richtigen Blatternte habe ich mich noch gewundert, weil schon wieder Blüten und Samen zu sehen waren. Der Waid ist zweijährig. Selbst wenn ich ihn gezielt ausgesät hätte, dürfte er erst im nächsten Jahr blühen! Ich habe wohl unbeabsichtigt einen Rhythmus in Gang gesetzt, der mir jedes Jahr aussät, so dass ich auch jedes Jahr frische Blätter zum Färben habe, und einige Pflanzen Blüten treiben und Samen abwerfen. 

Um meine selbst geerntete Farbe nun zu testen, muss ich was färben. Zwei unterschiedliche Extraktionen, einmal wild und kopflos und einmal genau dokumentiert, die Färbekraft muss doch unterschiedlich sein!? Damit ich gut vergleichen kann, habe ich von der zweiten Extraktion genauso viel Pulver abgewogen, wie ich von der ersten bekommen habe. Und dann habe ich von meiner Höllenwolle 2 Stränge mit je 50g gewickelt und gewaschen. Ich bekomme es aus der Spinnerei auf Konen gewickelt und da ist noch so viel Spinnöl drin, dass das Garn recht gelblich aussieht und sich sehr rauh und sogar derb anfasst. Ist das Spinnöl raus, ist die Wolle richtig schön weich (nicht kuschelweich, eher samtig) und um einiges heller.

Weil alles irgendwie nirgendwo gesammelt steht, oder ich es so nicht herauslese, habe ich mich da Schritt für Schritt durchgewurschtelt und Informationen gesammelt. Gelesen, übersetzt, nochmal gelesen, eine andere Quelle durchsucht und wieder gelesen. Und eigentlich immer den Kopf geschüttelt, weil ich es nicht verstanden habe. 

Bei Jenny Dean steht bei den Vorbereitungen schon wieder Soda. Soda? Schon wieder? Das brauche ich doch nur, um die blaue Farbe aus der Pflanze zu holen. Wenn ich diese nicht getrocknet hätte, wäre der nächste Schritt, nachdem der Schaum sich gesetzt hat, gewesen, Entfärber in den Topf zu geben, damit ich mit dem Färben loslegen kann. Es hat ein Stück und panische Nachfrage wieder bei Ulrike gedauert, bis der Groschen gefallen ist. Und nachdem ich es verstanden habe, ist es auch total logisch: Durch das mehrfache auswaschen vom Pigment, also Wasser ablassen und frisches hinzufügen ändert sich natürlich durch das Verdünnen der ph-Wert auch wieder (das hoffe ich zumindest, Chemie war nie meine Stärke. Und ich werde das im nächsten Jahr auch testen und das abgelassene Wasser mit Teststreifen prüfen) Falls das nun aber chemischer Quatsch ist, werde ich das komplett ignorieren, dass das falsch ist. Es macht für mich so Sinn und damit ist es logisch, dass ich das nun wieder angerührte Pulver kontrolliere, bevor ich blind weiter gehe.

Also das Pigmentpulver wird mit etwas warmen Wasser (100ml) eingeweicht und zu einer Paste verrührt. Ph-Wert messen: 7,0 Danach habe ich es mit Wasser aufgefüllt, bis ich ungefähr einen Liter hatte. Schön ruhig durchrühren, bis das Wasser eine gleichmäßige Farbe hat. 

Ich habe nur Platz für einen Färbevorgang am Stück und ich fürchte, wenn ich beide parallel gestartet hätte, wäre ich auch komplett durcheinander gekommen. Also habe ich mir beim ersten alles aufgeschrieben, was, wann, wie viel. Ein alter Briefumschlag war mal wieder mein Protokoll 🙈


Beim ersten Lauf war der ph-Wert am Anfang 7 und ich habe wieder überlegt, schrittweise hinzugeben und rantasten, anstatt vom letzten Vorgang zusammenzählen und alles auf einmal einzurühren. 10g Soda, umrühren, messen und schon war mein Wert bei 11. Gut, dass ich vorsichtig war! 😏
Jetzt habe ich meinen Färbetopf mit diesmal nur 5l Wasser auf 50°C aufgeheizt und jetzt vorsichtig die Pigmentsoße in den Topf fließen lassen. So, wie man Fische ins Aquarium lässt. Also den Becher ins Wasser halten und langsam kippen, so dass sich die beiden Flüssigkeiten mischen können, ohne groß aufgewühlt zu werden. Es soll nun kein Sauerstoff mehr in den Topf, wie es beim Schaumschlagen benötigt wurde. Im Gegenteil soll nun der Sauerstoff entzogen werden und das geht mit Entfärber. 

Warum Entfärber? Wie gesagt, ist Chemie so gar nicht meins. Fast überall wird von Hydrosulfit oder  Natriumdithionit gesprochen. Ich kann mit den Begriffen nichts anfangen, aber es ist auf jeden Fall in Entfärber enthalten.

Vorher habe ich noch einmal den ph-Wert gemessen. Nun, mit 5l und 2l zum abkühlen war er bei 10, das habe ich so gelassen. Hier habe ich nun 20g Entfärber in den Topf gerührt. 
Und dann war ich ungeduldig. Ich habe den ersten Strang Wolle in den Topf geworfen, ohne zu warten, dass sich die ganze Brühe gelb färbt. 
 

Das Ergebnis war kaum Farbe auf dem Strang, aber ich habe mein Färbeschema durchgezogen: Wolle 5 Minuten ins Farbbad, 10 Minuten Pause. Nach jedem zweiten Farbbad erst ausspülen, dann Pause. Damit ich nicht dauernd in den Keller und wieder hoch laufen musste, habe ich mir eine Beschäftigung unten gesucht. Irgendwas findet sich ja glücklicherweise immer.
Zwischen den verschiedenen Bädern habe ich immer wieder Bilder gemacht. Beim ersten Farbbad mit einem ungefärbten Strang als Kontrast, um zu sehen, ob und um wie viel es nun dunkler wurde.
Der Tag war schneller rum, als gedacht und ich habe es grade so geschafft, meine Färbung mit meinem zuerst extrahierten Pigment zu beenden. Danach war aber auch die Luft raus 😉

 
erster und zweiter Zug, dann spülen
 
 
 
 

Irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, dass sich hier was geändert hat, aber am Ende ist der letzte Zug doch dunkler, als der erste. Ob es wirklich so viele Züge braucht? Vielleicht nicht, wenn man genug Pigment hat. 🤷‍♀️

In der Woche drauf habe ich dann die zweite schon abgewogene Portion Pigment angerührt. Diesmal musste ich nicht mit Soda nachwürzen, der ph-Wert war schon 11. die einzelnen Züge habe ich 1:1 wiederholt, wie beim ersten Mal. Nur habe ich dieses Mal etwas länger gewartet, bis sich der Entfärber komplett aufgelöst hat. Allerdings ist es nach dem ersten Zug nochmal fast durchsichtig geworden 
 
Das, was da am Boden rumschwebt ist einfach nur Dreck, das war wahrscheinlich schon im Pigment noch mit drin, drum war das auch eher hellblau, anstatt von dunkelblau und damit passt natürlich auch mein Pigmentgewicht eher nicht. Gewogen habe ich es nicht im Nachhinein. Wenn ich weiß, dass es da ist, kann ich es in Zukunft mit einkalkulieren. Allerdings ist mir gerade so eingefallen, dass ich meine Waidblätter auch nicht gewaschen habe... Ein Punkt für das nächste Mal 

 
jetzt im Vergleich mit dem ungefärbten und dem fertigen Strang vom letzten Mal ist alles noch besser zu sehen. Wobei der rechte ja nun schon eine Woche in der Heizung hing und Zeit hatte, komplett zu trocknen.
eigentlich sieht man hier schon, dass ich da bin, wo ich mit dem ersten Pigmentauszug nach 10 Zügen war.


 

  
der Vollständigkeit halber auch hier 10x eingetaucht.

Und weil die knapp 2,5g halt nur hellblau gemacht haben, habe ich mit dem restlichen Pigment ein drittes Mal einen Farbtopf angerührt und wollte nun wissen, geht noch was, oder bleibt das so hell?
Wie heißt es so schön: ein bissel was geht alleweil und so auch hier
 
auch hier wieder 2x färben, dann spülen. Da hat es doch endlich mal richtig Farbe drauf gehauen! Der kleine Ministrang fiel mir ist mir zwischen Tür und Angel in die Hände gefallen. Der hatte vorher auch schonmal Waidfarbe gesehen.

ab hier habe ich nach jedem Spülen den Strang gewechselt, so dass alle beide nochmal Farbe abbekommen haben. Jeden Zug habe ich jetzt nicht mehr fotografiert. Aber mit diesem Ergebnis bin ich nu mehr als zufrieden.

Meine inzwischen 3 Waidbeete sind schon wieder gut nachgewachsen. Allein, dass sie nun eben nicht mehr wachsen würden, hält ich davon ab, rausgelaufen und die Schere zu wetzen. Aber ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr! Ich werde fleißig Pigment extrahieren. Je nachdem, wie groß die Ernte pro Beet ist, könnte ich das beetweise machen und mit kleinen Mengen arbeiten, oder wieder alles, was da ist. Die Töpfe sind dafür groß genug 😉