Dienstag, 31. Dezember 2019

was mache ich mit nur einem 50g Knäuel Sockenwolle? 🤔

Sockenwolle im Discounter oder wo auch immer man welche findet. Hat man einmal Socken gestrickt, braucht man (ich) immer den beruhigenden Gedanken, dass man im Notfall noch genug Wolle hat, um schnell noch mal ein Paar Socken zu stricken.
Aber was, wenn man eine tolle, nette, lustige Wolle findet und in der Krabbelbox findet sich ums Verrecken kein zweites Knäuel?

Ganz einfach: man kann ein komplett anderes Knäuel nehmen und abwechselnd aus diesem und dem anderen stricken. Oder, wenn man das Glück kleiner Füße hat, gehen auch Sneaker. Das sind so Socken nur am Fuß und oben dran fast nix.

Und Sneaker haben noch einen Vorteil: sie gehen richtig schnell 😉

In Ulm habe ich dieses Jahr so ein Knäuel gefunden, dass mich richtig angelacht hat. Eine lustige Farbe. Das könnte hübsch werden!
Stricknadeln habe ich eigentlich immer im Gepäck, also konnte ich auch sofort loslegen.

Bei Sneakern habe ich es trotz keinem Bein ganz gerne, wenn man sieht, dass ich auch Socken anhabe.

Deshalb stricke ich immer ein kleines Bündchen, aber nicht eines mit 2 rechts/2 links, sondern glatt. Nach 7 Runden kommt eine Bruchrunde in Form von 1 Runde links, oder als Mäusezähnchen, mit 2M zusammenstricken 1 Umschlag, dann wieder 7 Runden glatt rechts und dann kommt mein erster Kniff, um lästiges Zusammennähen zu vermeiden:
Ich schlage den Anschlag nach innen und jede Masche, die ich stricke, stricke ich mit einer aus der Anschlagrunde zusammen.
 Meine Bruchrunde hier ist das Mäusezähnchen. Die ohne Umschlagen aussieht, wie ein Lochmuster.

 Die erste Nadel ist immer am schwierigsten, denn wenn man nicht genau die richtige Masche erwischt, verzieht sich das Gestrick!

 Wenn es geschafft ist, schaut es innen aus, wie eine aufgehäkelte Naht, und von außen ist es unsichtbar 😮

Mein Lieblingsmuster für den Fuß, bei solcher Streifenwolle ist mit Hebemaschen. Man hat ein paar Maschen, die immer nur in jeder 2. Runde gestrickt werden und in der anderen nur auf die andere Nadel gehoben. Das gibt zusätzlich zu den Rundenstreifen noch einen Längsstreifeneffekt.
Ich habe das nun schon öfter gestrickt, bis ich irgendwann fesrgestellt habe: ich habe links und rechts der Hebemasche die Krausrippe vergessen. Die Krausrippe ist in diesem Fall die eine Masche rechts und links der Hebemasche, die in einer Runde rechts, in der nächsten links gestrickt wird. Sortiert man sich das gut zusammen, weiß man immer, wann die Hebemasche dran ist  😉


Als Ferse für Sneaker reicht mir die Bumerangferse vollkommen. Nur bei Socken habe ich das Problem, dass ich irgendwann nicht mehr mit dem Fuß durchkomme, weil der Spann zu eng wird.

Fuß und Spitze sind dann wieder einfach geradeaus stricken, auf dem Oberfuß im Muster, die Sohle glatt rechts. Und fertig ist der Sneaker.


Interessant, dass sie etwas zu weit sind, obwohl sie gestrickt sind, wie immer. Aber ich habe schon öfter festgestellt, dass trotz der gleichen Zusammensetzung, Sockenwolle nicht gleich Sockenwolle ist. Und dass ich mit Holznadeln anders stricke, als mit Bambus, oder Aluminium...


Samstag, 7. Dezember 2019

Very British

... musste es diesmal sein.
Das ich im Auto auf der linken Seite kein Lenkrad habe, irritiert mich immer noch. Aber dass das Auto dann am linken Rand der Straße fährt, ist gar nicht mehr so schlimm. Nur, als es falschrum in den Kreisverkehr reingefahren ist, habe ich ein bisschen nach Luft geschnappt.

Insgesamt war es eine sehr unterhaltsame Woche. Ich habe wieder viel gelernt. Vor allem weiß ich endlich was Brötchen auf englisch heißt! Der Übersetzer nennt es bun, aber es sind  ̶b̶̶r̶̶e̶̶d̶̶r̶̶o̶̶s̶̶e̶  bread rolls.
Und ich habe gelernt, dass mein englischer Akzent nach Osteuropa klingt. Oder doch nicht? Auf jeden Fall nicht deutsch. Deutsche sprechen sehr "harsch" englisch. Ja, die meisten verweigern das "th" zu sprechen, wie es sich gehört. Da wird es einmal wie ein "s" gesprochen, einmal wie ein "t" oder ein "d". Und viele sprechen abgehackt. Gut, nach einer Woche ohne ein deutsches Wort, fange ich auch irgendwann an, nach Worten zu suchen. Ich habe dann das Gefühl, da ist ein bestimmtes Kontingent, wie eine volle Einkaufstasche, aus der ich mich beim Sprechen bedienen kann. Am Anfang ist der Beutel noch voll und das Sprechen geht recht flüssig. Aber je mehr es Richtung Ende geht, wird der Beutel immer leerer und manchmal fehlt eben auch das richtige Wort, weil es schon aufgebraucht ist. Die, die ich neu gelernt habe, landen in einer kleinen Tasche für das nächste Mal. Sozusagen in meinem Projektbeutel.

Sehr lustig deshalb, dass ich diesmal kaum Soveniers gekauft habe. Aber es musste der Jutebeutel mit dem Union Jack sein, genauso, wie die Teebox. Und inzwischen suche ich auf jedem Flughafen nach diesen kleinen Taschen, die mit dem lokalen Ort bedruckt sind. Es stand da meistens nicht dabei, was das für Beutel sind. In England sind es Lunchtüten. Na guck mal an!
Ich nehme sie sehr gerne als Projektbeutel. Es passt meist eine kleine Handarbeit rein, die ich problemlos in meine Handtasche oder die Arbeitstasche bekomme, so dass ich nie ohne Fingerbewegung bin, wenn es dann mal wieder irgendwo länger dauert 😂



Samstag, 9. November 2019

Muss ich wirklich Geld ausgeben für eine Anleitung, die ich nur einmal nacharbeite?

Kann ich das nicht auch ohne irgendwie hinwurschteln?

Kurz gesagt: Bestimmt. Irgendwie. Oder ich finde was ähnliches im Internet.

Warum dann also kaufen?

Bestimmt ist nicht sicher. Hinwurschteln heißt auch, ich muss erstmal rumprobieren. Heißt, ich muss mir Gedanken machen, wie ist das gemacht? Passendes Material habe ich meist schon im Hinterkopf, aber kann ich das auch nehmen? Also schnappe ich mir Nadeln und mein Material und fange an. Der Frust kommt eigentlich ziemlich schnell, wenn sich herausstellt, dass es so eben nicht geht. Dass man fix mal ne halbe Stunde oder mehr in irgendwas gesteckt hat, dass man wieder aufribbeln muss.

Mit ein bisschen Glück bekommt man es dann "irgendwie" doch hin. Es schaut so aus, wie das, was ich gefunden habe und keiner merkt es. Aber ich habe so einen kleinen Teufel 😈 auf einer Schulter sitzen, der mir sagt: Du weißt aber schon, dass es nicht wirklich DAS ist!?  Dann seufze ich innerlich und lege es auf die Waage: langt mir das so, dass es so ähnlich aussieht? Aber eigentlich ist mir ja diese Anleitung aufgefallen, weil sie genau so wie ist, gefallen hat. Sehr gut gefallen hat.

Dann bleibt immer noch die weite Welt des Internets. Da muss sich doch was ähnliches finden lassen! Vielleicht sogar das gleiche? Wieder muss ich erheblich Zeit investieren, um mit den richtigen Suchbegriffen fündig zu werden. Vertrödele Zeit, weil ich mit falschen Begriffen was komplett anderes finde, dass mich wieder so ablenkt, dass ich mein eigentliches Ziel aus den Augen verliere...

Irgendwann nähere ich mich meinem Suchobjekt. Es hat wirklich jemand schonmal nachgearbeitet und x-Bilder in mieser Qualität dazugelegt. Die nächste Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Die Beschreibung ist auf russisch oder chinesisch, oder anderweitig asiatisch. Und natürlich liegt es dort als eingescanntes Bild, also nix mit Text kopieren und durch den Übersetzer jagen!

Und dann bin ich soweit, zu überlegen: muss ich mir das wirklich antun? Was kostet die Originalanleitung? Die meisten sind gar nicht sooo teuer, dass man sich das nicht leisten kann. Man bezahlt online, kann die Anleitung runterladen und auf jedem Gerät verwenden und eigentlich direkt loslegen. Das ist in den meisten Fällen in 5 Minuten erledigt.

Ja, es gibt Ausnahmen. Wie mein grauer Harley Pullover, den ich aus Pommernwolle gestrickt habe. Eine Onlineanleitung, die man am Ende der Bestellaktion downloaden kann, wenn man den Link dazu geschickt bekommen hat. Kann nicht "nach Deutschland geliefert werden" kam da, bevor ich senden drücken konnte! Hä? Ich dachte echt, ich lese nicht richtig! Allerdings war der Support mit Rücksichtnahme auf die Zeitverschiebung sehr fix und hilfreich, denn man muss als Lieferadresse einfach nur eine Adresse in den USA eingeben. Freundlicherweise bekommt man auch gleich eine, die man dafür verwenden kann. Im Nachhinein habe ich darüber den Kopf geschüttelt und es hingenommen. Das Problem war ja gelöst. Aber es ist auch schon lustig, wie klein Sichtweisen mancher Firmen sind.

Warum verschwende ich nun Zeit, um mir über sowas Gedanken zu machen?
Eine ganz einfache geometrische Form ist schuld.

https://www.ravelry.com/patterns/library/skep-4
Das schaut doch so simpel aus, dass man es nur nachstricken braucht!
Ich liebe geometrische Formen aller Art, regelmäßige und unregelmäßige, symmetrisch, oder sich anderweitig wiederholend.

Dass es soo einfach nicht geht, wusste ich im Prinzip schon von vornherein, da die Zunahmen in jedem Segment einen 90° Winkel ergeben, wenn man kraus rechts strickt.
Ich könnte jetzt noch ein bissel rumprobieren, in welcher Reihe ich wie viele Maschen zunehmen muss. Aber dafür müsste ich noch einmal ein mindestens so großes Stück stricken (wenn ich denn mit meiner Vermutung/Berechnung richtig liege), um zu prüfen, ob ich wirklich recht habe. Erst dann kann ich mit dem eigentlichen ersten Teil anfangen. Dieses hat mich eine halbe Stunde gekostet. Also eine weiter halbe Stunde, nur um zu sehen, dass es passt, oder mehr, wenn eben nicht.
Der Preis der Anleitung beträgt um die 5 Englische Pfund und ja, mir gefällt es. Aber meine Gedanken gehen schon weiter und ich überlege, was willst Du daraus machen? Noch eine Sofadecke brauche ich wirklich nicht. Auch mit der Anleitung, wie es "richtig" geht, braucht so ein Sechseck sicher eine Stunde. Wenn also nicht für mich, dann für jemand anderen? Aber dieser Zeitaufwand wäre schon ein ganz schön großes Geschenk! Als Verkaufsobjekt kommt es nicht infrage. Denn wer bezahlt einem schon das, was es wert wäre? Die meisten schütteln schon den Kopf, wenn man sagt, was der reine Materialwert ist, denn die Wolle gibt es nicht für umsonst.

Ich werde mir diese Anleitung nicht gönnen, ich freue mich an den Bildern davon und lasse meine Gedanken weiter über die Geometrien wandern.

Muss ich nun Geld ausgeben für so eine Anleitung? Muss ich nicht, ich kann wertvolle Zeit auch gut verschwenden. Aber ich habe aufgehört, zu brummeln, wenn jemand für seine Arbeit einen Lohn haben will und bezahle ihn, wenn ich sein Produkt haben möchte. Ich ziehe den Hut vor allen Designern, die ihre Anleitungen kostenlos zur Verfügung stellen, da ich weiß, dass da richtig viel Arbeit drinsteckt. Und das Aufschreiben ist dabei das wenigste. 

Der Engel 😇 auf meiner anderen Schulter zupft mich am Ohr und flüstert: Gut gemacht! Es braucht nicht immer ein Dankeschön von jemandem. Mir reicht es auch, dass ich mir auf die Schulter klopfe 😉


Mittwoch, 23. Oktober 2019

jetzt is aber genuch!

Ja, ich denke, es reicht wirklich langsam. Ich brauche nicht noch mehr Handarbeitsgeräte. Ich bin sehr gut eingedeckt für so ziemlich jeden verrückten Einfall, der einen anspringen kann 😂

3 Spinnräder, die regelmäßig benutzt werden (die, die nur rumstehen erwähne ich mal lieber nicht!), ein Elektrospinner, verschiedenes Spinnzubehör zur Vorbereitung wie Handkarden, eine Trommelkarde, Handkämme und ein Blending Board (zum Fasern mischen und Rolags machen)

Kiwi und meine kleine Ziege
das Zicklein im Außeneinsatz 

 das Merino war als Reiserad gedacht und passt auch perfekt in meinen Koffer

2 Webrahmen von Ashford in 40 und 60cm Breite, ein Lervad mit 80cm, ein umgebauter Lervad mit nun 4 Schäften, ein Glimakra Viktoria Tischwebstuhl mit 4 Schäften und Handhebeln und ein Leclerc Webstuhl mit 4 Schäften und Pedalen. Nicht zu vergessen, mein kleiner knuffiger Schwede, der inzwischen mit 8 Schäften läuft...
Ashford Rigid Heddle Loom (60cm). Seit ich den das erste Mal bespannt und bewebt habe, will ich keinen anderen! Ich habe ihn auch mit nur 40cm Breite. Gedacht, um sie auch mal jemandem zu leihen, der sich nicht wegen einem Schal gleich eine komplette Ausrüstung zulegen will.

mein umgebauter Lervad, den ich als reines Gestell ohne Zubehör bekommen habe. Erst sehr viel später habe ich herausgefunden, wie er komplett aussehen kann...
... nämlich so!
 
Glimakra Victoria, ein Tischwebstuhl, für den es auch ein Untergestell mit Beinen gibt, aber meine momentane Lösung gefällt mir besser 😉
Und mein kleiner Schwede. Den mag ich richtig gerne. Ok, die inzwischen 8 Schäfte sind bei 35cm Breite nicht wirklich einfach zu bestücken, aber wo ein Wille ist, sind auch schlanke Arme 😂


Mein Einstieg ins Weben, nix kleckern von wegen langsam rantasten und probieren, vielleicht mit einem kleinen Gerät? Nein! Gleich klotzen! Ich habe es nicht bereut

Für alle habe ich mehr oder weniger reichlich Zubehör wie passende Webblätter in verschiedenen Stärken, reichlich Webschiffchen, um immer das passende zur Hand zu haben und wahrscheinlich unendlich viel Garn, um es zu verarbeiten, so dass ich nie wieder welches kaufen muss.



Inzwischen auch eingezogen 2 1/2 Strickmaschinen. 2 mit Doppelbett, eine Brother und eine Veritas und die halbe ist natürlich auch eine vollwertige, hat aber "nur" 1 Bett, was die Möglichkkeiten der Strickvielfalt etwas begrenz, aber trotzdem viele Möglichkeiten offen lässt!
grade mal das Grundbett aufgebaut. Ich war brav und bin nach Anleitungsheft vorgegangen. Einen Schritt nach dem anderen...

Hinzu kommen diverse Hilfsmittel, die man für verschiedene Arbeiten benötigt: 1 Haspel mit 2,20m Umfang, um gesponnenen Wolle oder Knäuelwolle zum Strang zu wickeln. Eine Schirmhaspel, um eben diese Stränge nach dem Färben oder entspannen in die besser zu handhabenden Knäule zurückwickelt. Die Krux war, eine zu finden, die diese Überlangen Stränge auch aufnehmen kann! Die meisten schaffen nämlich grade mal so 1,50m. Mit ein bisschen Glück findet man eine die 1,80m aufnehmen kann, bevor sie überschnappt...
Haspel mit 2,20m Umfang. Diese Stränge brauche ich niemandem anzubieten. Ich habe selber sehr lange suchen müssen, um eine Schirmhaspel zu finden, um diese Stränge in ein Knäuel wickeln zu können.

 ein bisschen maschinell, aber handbetrieben und komplett per Hand: Trommelkarde und Handkarden. Nichts anderes, als 2 Bürsten mit krummen Zinken, die, mit Fasern dazwischen, gegeneinander gebürstet werden

Es findet sich ganz sicher noch das Eine oder Andere, dass ich gerade nicht aufgezählt habe, aber ich kann sagen, ich bin gut ausgestattet! Aber das lässt mich nun ohne Probleme auf eventuelle Schnäppchen und Angebot blicken, ohne zu sagen: verflixt, hab ich noch noch, brauch ich dringend! 

Das Einzige, was mir tatsächlich nun fehlt, ist Jemand, der mir irgendwie Zeit verkaufen kann. Ich nähme sie auch geschenkt 🤣

Samstag, 21. September 2019

Malov

dieses Jahr habe ich mir eine Anleitung mit Material gegönnt

https://www.garnkontor.eu/epages/64103211.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/64103211/Products/VE102

Der Schal Malov von Venne, den man im Garnkontor (eben mit Material... und nur mit Material nicht nur als reine Anleitung) kaufen kann. Also gut. Die Farben haben mir sehr gut gefallen, also warum nicht. 
Als das Paket kam, war ich nur ein bisschen überrascht. Ich wusste, dass es dünnes Garn war. Aber verglichen mit Nähgarn ist es gefühlt grade mal doppelt so dick 😮
Das sind dann sehr viele Fäden dafür, dass es mein erstes Mal mit 8 Schäften sein soll. Also habe ich beschlossen, einen Test mit Sockenwolle zu machen.
Gesagt, getan. Als erstes musste ich meinen kleinen Schweden auf 8 Schäfte aufmotzen. Die Vorbereitungen waren ja schon so ziemlich abgeschlossen, es brauchte eigentlich nur noch alles zusammengesteckt zu werden. 
Wie ich das Gestell dazu baue, war eigentlich fix gelöst, ich hatte ja schon länger immermal daran rumgebastelt. Ich hatte auch schon mal einen Test gemacht mit Hebeln aus Rundhölzern, aber es war von vornherein nur ein Gegurke. 
Als ich durch Zufall im Baumarkt Leisten gesehen habe, die von einer Seite auf beiden langen Kanten abgerundet waren, stand mein Plan recht schnell fest. Und dieses Mal habe ich mich ans Zeichenbrett gesetzt! 
 und ich habe es auch sehr ordentlich ausgearbeitet. Ich bin ein kleines bisschen stolz, dass die Hebel am Ende so gut ausschauen. 
Beim Testen hatte ich mit auf die Stange fädeln irgendwie das Gefühl, dass sich die Schäfte nicht weit genug heben (oder senken) und damit mein Fach, um mit dem Schuss durchzufahren zu schmal wird, also habe ich noch einmal gestöbert und umgebaut. Mit ohne durchgehende Bolzen. 😂

Manchmal bleibt der Faden an den jetzigen Verschraubungen hängen und ich stelle fest, dass das nicht wirklich viel ausmacht an der Fachhöhe. Ich werde also nach diesem Schal wieder zurückbauen auf die erste Version! Warum? Weil ich nichts besseres gefunden habe, als Buchbindeverschraubungen. Sie sind nicht verklebt und durch das viele Heben und Senken der Hebel, lockern sie sich und meine Hebel wackeln 😒 Außerdem musste ich dafür ein Loch im Hebel aufbohren, da werde ich entweder nochmal neue Hebel machen, oder mir Hülsen suchen.

Webstuhl ist fertig, weiter gehts.
Das Kette aufziehen ging eigentlich auch recht fix. Aber als ich dann versucht habe, herauszufinden, wie nun welcher Hebel gezogen werden muss, habe ich nur Fragezeichen gesehen!
Ich habe es mir dann in meinem Webprogramm aufgezeichnet und wurde immer noch nicht schlau daraus.

Weil ich in der Webgruppe daran erinnert wurde, habe ich dort noch einmal nachgeschaut und da stand es: es ist ein Fehler in der Patrone! Aha! Kein Wunder...
Also habe ich dann im Webprogramm so lange rumgemalt, bis es aus meiner Sicht gepasst hat. Sicherheitshalber habe ich Maliz noch einmal um Rat gefragt und sie hat mir bestätigt: Es war wirklich ein böser Fehler im Muster. Nun haben wir verglichen und ich habe festgestellt, dass ich es richtig herausgefunden habe 😉🙋‍♀️ Danke Maliz, Du bist die Beste! 

Da es auch wieder eine gekaufte Anleitung ist, werde ich die Patrone hier nicht herlegen. Wer beim Nacharbeiten ein Problem hat, dem helfe ich sehr gerne. Schließlich wurde mir ja auch geholfen!
Ich bin ja ein bisschen verwundert, dass die Anleitung immer noch mit diesem Fehler ausgeliefert wird. Es dürfte inzwischen schon genug Beschwerden gegeben haben, um das zu ändern! 
Und da ist er nun in Arbeit. Ich komme irgendwie immer nur stückweise voran. Dabei geht es eigentlich recht fix. Zumal mit eben der dicken Wolle. Aber ich habe ziemlich am Anfang noch einen Fehler in der Kette gefunden. Zu spät, um diesen Faden noch einmal rauszuziehen und richtig einzuziehen. Es wäre da auch gar keine Litze gewesen. Also hebe oder senke ich diese eine Litze eben mit der Hand. 



Mittwoch, 31. Juli 2019

Katazome ist kein japanisches Reisgericht

Man könnte es zwar denken, weil Reismehl und Reiskleie mit im Spiel sind und es riecht auch gar nicht schlecht, aber ab einem bestimmten Punkt bekäme ich es wohl nicht mehr runter 😉

Katazome ist schon japanisch, aber ein Blaudruck, bei dem das "bedruckt" wird, das nicht blau werden soll. Einfach gesagt, werden die Stellen, die das Muster geben sollen mit einer Paste bedeckt, die trocknen muss, dann wird blau gefärbt und am Ende die aufgeweichte Paste wieder runtergewaschen.

In Clausberg, in der Nähe von Eisenach, gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für historisches Handwerk, die auf einem riesigen Hof mit allerlei Gebäuden, verschiedene Werkeleien betrteibt, die am Ende gut ineinander greifen. Verschiedene Leute stellen wunderschöne historische Nachbildungen her und jeder hat sein Spezialgebiet. Die Gruppe ist bemüht, auf dem Gelände so umweltschonend wie möglich zu arbeiten und sich selbst zu versorgen, ohne auf moderne Technik verzichten zu müssen. Wir wurden empfangen und betreut von Juliane. Für alle Fragen zum "Hof" hatte sie eine Antwort und hat aufgepasst, dass wir vor lauter Färben das Essen nicht vergessen.

Ein Wochenende voller neuer Informationen, die mich, auch durch die Gespräche mit den anderen Kursteilnehmern, auf noch mehr Ideen bringt, was man alles machen kann! Ein Wochenende auch, um Menschen "in echt" kennen zu lernen, die ich schon durch facebook kenne, durch ihre Arbeiten, ihre Kommentare auch zu meinen Arbeiten und die nun endlich ein Gesicht haben.

Ich werde wenig über die Einzelheiten vom Ablauf schreiben. Es ging mir um das Kennenlernen der Technik, Möglichkeiten, mit blau zu spielen und Sachen zu erfragen, die ich bisher anders gemacht habe, die aber vielleicht etwas umweltschonender sind, als ich es bisher getan habe. Wer mehr über das "Wie" erfahren will, sollte diesen Kurs bei Ulrike Bogdan buchen. Alle Teilnehmer haben einstimmig bestätigt, dass es sehr interessant war.
Auch, wenn man sich nie wieder damit beschäftigt, kann man an einem Wochenende ein paar Projekte fertigstellen, die ganz sicher ein dekorativer Hingucker sind.
Eines der faszinierendsten Sachen war unter anderem für mich, wie die verschiedenen Leute mit den gleichen Schablonen etwas komplett Unterschiedliches gemacht haben 😮

Am Samstag ging es los mit diversen Vorbereitungen. Nach nur einer angenehm kurzen Einleitung durften wir schon losmatschen. Die Paste, die auf den Stoff aufgetragen wird, muss vorbereitet werden. Und zwar mit Klößchen aus Reismehl und Reiskleie. Ich hab meins mal markiert, vielleicht finde ich es ja wieder 😉
Das Kneten ist eine ganz schön kniffelige Geschichte, der Teig muss genau die richtige Festigkeit  haben. Mit zu wenig Wasser bröselt er, mit zu viel wird er zu nass und die Klößchen zerlaufen.


Die Klößchen werden gedämpft (also richtig mit Dampf) und dann in einem geriffelten Mörser zerrieben und mit Flüssigkeit zur Paste verarbeitet.
Jeder hat ein Klößchen gemacht, gedämpft wurden aber alle zusammen. Ich habe meines sogar wieder bekommen, allerdings wurden alle zermatschten am Ende zusammen geschüttet, so dass es dann wieder verschwunden war.


Mit der fertigen Paste wird nun der Stoff versehen. Alles, das NICHT blau werden soll, wird eingeschmiert. da kann man richtig gut mit Schablonen arbeiten, was auch in Japan so gemacht wird.


♪... Schwesterlein, komm färb mit mir!
Die Schablone reich ich Dir.
Einmal hin, einmal her,
mit dem Spachtel ist nicht schwer...♫ 😁

Du hast ein paar hübsche Sachen gemacht. Wenn mich jemand zu sowas angefixt hätte, hätte ich wohl dagestanden ohne Plan und Idee. Du warst ganz schön gut vorbereitet. Hut ab!









Ich hatte unter anderem ein Stück Stoff dabei, dass ich mal zum Färben verwendet habe. Das Färbegut war darin eingebunden, was man gut erkennen kann. Der Effekt sollte sein, dass das nicht-blau einen Farbverlauf hat.
 Als ich die Schablonen gesehen habe, hatte ich so eine Patchwork-Idee. Aber um den Stoff später besser zuschneiden zu können, brauche ich einen Rand. Darum habe ich außerhalb der Schablone mit eingeschmiert. Es ist auch so eine schöne Collage geworden
 
Bei 8 Teinehmern sind 2 Wäschetrockner schnell voll. Das Wetter war auf unserer Seite und die Paste ist recht schnell getrocknet.

 
Trotzdem hat der Platz nicht gelangt und es wurde auf dem Fußboden mit ausgelegt.

Solange die Paste auf den Stoffen trocknet, wird die Farbsuppe angerührt. Indigo ist kein Farbstoff, den man einfach in Wasser einrührt und den Stoff dazu schmeißt. Man muss eine Küpe ansetzen, also mit dem ph-Wert und den verschiedenen notwendigen Zutaten so lange rumspielen, bis die Suppe richtig ist. Mit den richtigen Werten, ist das aber eigentlich nur anrühren und prüfen, passt 😉

Wir haben 4 Töpfe voll blau angerührt, 3 mit Indigo, eines mit Waid. Auch in den Töpfen sieht man schon den Unterschied  😮 Waid hat weniger Farbintensität, als Indigo bei der gleichen Menge Farbpulver. Damit muss man mehrere Färbegänge machen, oder mehr Farbstoff verwenden, um das gleiche dunkle blau zu bekommen. Und das MUSS möglich sein, denn das Erfurter blau ist auch sehr dunkel, habe ich vor ein paar Jahren in Erfurt auf der Krämerbrücke gesehen

 Eigentlich keine Frage, was ist was 🤔 Links Waid, rechts Indigo


 rühren, rühren, rühren und eine Färbeprobe machen
 Auch bei der Probe erkennt man den Unterschied zwischen den beiden Materialien

Das blaumachen kann losgehen. Was ich nicht wusste und bisher anders gemacht habe: Die Suppe kann, und soll sogar, kalt sein und man benötigt mehrere Tauchgänge, die aber recht kurz sein können. Das Beispiel mit den kleinen Krabben, die sich festkrallen, werde ich wohl nie wieder vergessen! Das erklärt es einfach wunderbar und verständlich.

 Mein Musterdruck vom Anfang sieht auch in blau sehr gut aus. 
 Wieder 2 Wäschetrockner voll. Auf dem rechten Trockner: ein gelber Seidenschal, mit Kojs an den Enden bedruckt. Dann habe ich den Mittelteil verdreht und die Enden offen gelassen. Herausgekommen sind Goldfische im Wasser. Gefällt mir saugut und ist meins 😉

nicht meins, aber das war auch eine sehr schöne Schablone.

Am zweiten Tag gings an die bunte Farbe. Dunkles blau bunt zu machen geht nicht so gut, aber man kann bunt auf weiß malen. Und damit das, was beim blaumachen nicht gefärbt wurde, oder was ganz weißes in bunt. Auch wieder mit Schablonen und Farben, die aus Eisen- und Erdpigmenten angerührt werden. Es ist nun nicht einfach nur irgendwo den Rost abkratzen und den Dreck im Garten durchsieben, sondern speziell aufbereitetes Pigment. 
Die Farbe wird dieses mal nicht mit dem Spachtel, sondern mit einem Pinsel aufgebracht, mehr getupft.



Viel mehr will ich zur Farbe gar nicht sagen, denn ich war begeistert von den Möglichkeiten und den Arbeiten von den anderen und auch ein bisschen von mir 😉

meinen sowieso schon melierten Hintergrund habe ich noch mit ein paar Farbtupfern aufgepeppt.




Heike hat das gleiche Orchideenmuster benutzt und die weißen Blüten wunderschön ausgemalt. Dagegen wirken meine Klecksereien wie von einer Fünfjährigen. Ich hoffe allerdings, wenn ich es denn später auswasche, dass es einen zarten Farbverlauf gibt und es aussieht, wie die "echte" Orchidee


Ute hat den Kirschblütenzweig mit dem Vogel auch so schön bunt hingekriegt. Bei mir habe ich den Pinsel zu tief ins bau getunkt und es ist verwaschen 😮

zweimal die gleiche Blüte, einmal von Thomi, die andere weiß ich nicht. Sie können nicht unterschiedlicher aussehen... und sind beide doch wunderschön.

Schildi und Drache sind mir recht gut gelungen, allerdings mal wieder über den Rand der Schablone gemalt 😎😂

 Mein Leinenhemd, ist auf der Heimfahrt etwas geknautscht, weil es noch nicht trocken war. Aber das Muster, das es nun hat, gefällt mir auch sehr gut! 


und eine Leinenhose habe ich zum blau färben vorbereitet, sie aber dort nicht in den Topf gesteckt, weil die wahrscheinlich zu klein gewesen wären. Also habe ich nur die Paste aufgetragen und sie so mitgenommen. Ich muss dann wohl irgendwann mal den Topf anwerfen 😊

Der absolute Hingucker waren allerdings die Muster von Ulrike. ♥ 






Und wir hatten lustige Zuschauer in luftiger Höhe...



Liebe Ulrike, das war ein tolles Wochenende mit vielen neuen Ideen. Ich habe wieder einiges dazu gelernt, dass ich ganz sicher bei dem einen oder anderen Projekt wieder aufgreifen werde.

Liebe Juliane, ich hätte wirklich sehr gerne mehr vom Rest Eures Hofes gesehen, aber nach 2 Tagen mit Farbe, war ich nicht mehr aufnahmefähig 😮
Vielen Dank für die Bereitstellung des Schulungsortes, die nette und freundliche Betreuung und Verköstigung ♥