Mittwoch, 31. Juli 2019

Katazome ist kein japanisches Reisgericht

Man könnte es zwar denken, weil Reismehl und Reiskleie mit im Spiel sind und es riecht auch gar nicht schlecht, aber ab einem bestimmten Punkt bekäme ich es wohl nicht mehr runter 😉

Katazome ist schon japanisch, aber ein Blaudruck, bei dem das "bedruckt" wird, das nicht blau werden soll. Einfach gesagt, werden die Stellen, die das Muster geben sollen mit einer Paste bedeckt, die trocknen muss, dann wird blau gefärbt und am Ende die aufgeweichte Paste wieder runtergewaschen.

In Clausberg, in der Nähe von Eisenach, gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für historisches Handwerk, die auf einem riesigen Hof mit allerlei Gebäuden, verschiedene Werkeleien betrteibt, die am Ende gut ineinander greifen. Verschiedene Leute stellen wunderschöne historische Nachbildungen her und jeder hat sein Spezialgebiet. Die Gruppe ist bemüht, auf dem Gelände so umweltschonend wie möglich zu arbeiten und sich selbst zu versorgen, ohne auf moderne Technik verzichten zu müssen. Wir wurden empfangen und betreut von Juliane. Für alle Fragen zum "Hof" hatte sie eine Antwort und hat aufgepasst, dass wir vor lauter Färben das Essen nicht vergessen.

Ein Wochenende voller neuer Informationen, die mich, auch durch die Gespräche mit den anderen Kursteilnehmern, auf noch mehr Ideen bringt, was man alles machen kann! Ein Wochenende auch, um Menschen "in echt" kennen zu lernen, die ich schon durch facebook kenne, durch ihre Arbeiten, ihre Kommentare auch zu meinen Arbeiten und die nun endlich ein Gesicht haben.

Ich werde wenig über die Einzelheiten vom Ablauf schreiben. Es ging mir um das Kennenlernen der Technik, Möglichkeiten, mit blau zu spielen und Sachen zu erfragen, die ich bisher anders gemacht habe, die aber vielleicht etwas umweltschonender sind, als ich es bisher getan habe. Wer mehr über das "Wie" erfahren will, sollte diesen Kurs bei Ulrike Bogdan buchen. Alle Teilnehmer haben einstimmig bestätigt, dass es sehr interessant war.
Auch, wenn man sich nie wieder damit beschäftigt, kann man an einem Wochenende ein paar Projekte fertigstellen, die ganz sicher ein dekorativer Hingucker sind.
Eines der faszinierendsten Sachen war unter anderem für mich, wie die verschiedenen Leute mit den gleichen Schablonen etwas komplett Unterschiedliches gemacht haben 😮

Am Samstag ging es los mit diversen Vorbereitungen. Nach nur einer angenehm kurzen Einleitung durften wir schon losmatschen. Die Paste, die auf den Stoff aufgetragen wird, muss vorbereitet werden. Und zwar mit Klößchen aus Reismehl und Reiskleie. Ich hab meins mal markiert, vielleicht finde ich es ja wieder 😉
Das Kneten ist eine ganz schön kniffelige Geschichte, der Teig muss genau die richtige Festigkeit  haben. Mit zu wenig Wasser bröselt er, mit zu viel wird er zu nass und die Klößchen zerlaufen.


Die Klößchen werden gedämpft (also richtig mit Dampf) und dann in einem geriffelten Mörser zerrieben und mit Flüssigkeit zur Paste verarbeitet.
Jeder hat ein Klößchen gemacht, gedämpft wurden aber alle zusammen. Ich habe meines sogar wieder bekommen, allerdings wurden alle zermatschten am Ende zusammen geschüttet, so dass es dann wieder verschwunden war.


Mit der fertigen Paste wird nun der Stoff versehen. Alles, das NICHT blau werden soll, wird eingeschmiert. da kann man richtig gut mit Schablonen arbeiten, was auch in Japan so gemacht wird.


♪... Schwesterlein, komm färb mit mir!
Die Schablone reich ich Dir.
Einmal hin, einmal her,
mit dem Spachtel ist nicht schwer...♫ 😁

Du hast ein paar hübsche Sachen gemacht. Wenn mich jemand zu sowas angefixt hätte, hätte ich wohl dagestanden ohne Plan und Idee. Du warst ganz schön gut vorbereitet. Hut ab!









Ich hatte unter anderem ein Stück Stoff dabei, dass ich mal zum Färben verwendet habe. Das Färbegut war darin eingebunden, was man gut erkennen kann. Der Effekt sollte sein, dass das nicht-blau einen Farbverlauf hat.
 Als ich die Schablonen gesehen habe, hatte ich so eine Patchwork-Idee. Aber um den Stoff später besser zuschneiden zu können, brauche ich einen Rand. Darum habe ich außerhalb der Schablone mit eingeschmiert. Es ist auch so eine schöne Collage geworden
 
Bei 8 Teinehmern sind 2 Wäschetrockner schnell voll. Das Wetter war auf unserer Seite und die Paste ist recht schnell getrocknet.

 
Trotzdem hat der Platz nicht gelangt und es wurde auf dem Fußboden mit ausgelegt.

Solange die Paste auf den Stoffen trocknet, wird die Farbsuppe angerührt. Indigo ist kein Farbstoff, den man einfach in Wasser einrührt und den Stoff dazu schmeißt. Man muss eine Küpe ansetzen, also mit dem ph-Wert und den verschiedenen notwendigen Zutaten so lange rumspielen, bis die Suppe richtig ist. Mit den richtigen Werten, ist das aber eigentlich nur anrühren und prüfen, passt 😉

Wir haben 4 Töpfe voll blau angerührt, 3 mit Indigo, eines mit Waid. Auch in den Töpfen sieht man schon den Unterschied  😮 Waid hat weniger Farbintensität, als Indigo bei der gleichen Menge Farbpulver. Damit muss man mehrere Färbegänge machen, oder mehr Farbstoff verwenden, um das gleiche dunkle blau zu bekommen. Und das MUSS möglich sein, denn das Erfurter blau ist auch sehr dunkel, habe ich vor ein paar Jahren in Erfurt auf der Krämerbrücke gesehen

 Eigentlich keine Frage, was ist was 🤔 Links Waid, rechts Indigo


 rühren, rühren, rühren und eine Färbeprobe machen
 Auch bei der Probe erkennt man den Unterschied zwischen den beiden Materialien

Das blaumachen kann losgehen. Was ich nicht wusste und bisher anders gemacht habe: Die Suppe kann, und soll sogar, kalt sein und man benötigt mehrere Tauchgänge, die aber recht kurz sein können. Das Beispiel mit den kleinen Krabben, die sich festkrallen, werde ich wohl nie wieder vergessen! Das erklärt es einfach wunderbar und verständlich.

 Mein Musterdruck vom Anfang sieht auch in blau sehr gut aus. 
 Wieder 2 Wäschetrockner voll. Auf dem rechten Trockner: ein gelber Seidenschal, mit Kojs an den Enden bedruckt. Dann habe ich den Mittelteil verdreht und die Enden offen gelassen. Herausgekommen sind Goldfische im Wasser. Gefällt mir saugut und ist meins 😉

nicht meins, aber das war auch eine sehr schöne Schablone.

Am zweiten Tag gings an die bunte Farbe. Dunkles blau bunt zu machen geht nicht so gut, aber man kann bunt auf weiß malen. Und damit das, was beim blaumachen nicht gefärbt wurde, oder was ganz weißes in bunt. Auch wieder mit Schablonen und Farben, die aus Eisen- und Erdpigmenten angerührt werden. Es ist nun nicht einfach nur irgendwo den Rost abkratzen und den Dreck im Garten durchsieben, sondern speziell aufbereitetes Pigment. 
Die Farbe wird dieses mal nicht mit dem Spachtel, sondern mit einem Pinsel aufgebracht, mehr getupft.



Viel mehr will ich zur Farbe gar nicht sagen, denn ich war begeistert von den Möglichkeiten und den Arbeiten von den anderen und auch ein bisschen von mir 😉

meinen sowieso schon melierten Hintergrund habe ich noch mit ein paar Farbtupfern aufgepeppt.




Heike hat das gleiche Orchideenmuster benutzt und die weißen Blüten wunderschön ausgemalt. Dagegen wirken meine Klecksereien wie von einer Fünfjährigen. Ich hoffe allerdings, wenn ich es denn später auswasche, dass es einen zarten Farbverlauf gibt und es aussieht, wie die "echte" Orchidee


Ute hat den Kirschblütenzweig mit dem Vogel auch so schön bunt hingekriegt. Bei mir habe ich den Pinsel zu tief ins bau getunkt und es ist verwaschen 😮

zweimal die gleiche Blüte, einmal von Thomi, die andere weiß ich nicht. Sie können nicht unterschiedlicher aussehen... und sind beide doch wunderschön.

Schildi und Drache sind mir recht gut gelungen, allerdings mal wieder über den Rand der Schablone gemalt 😎😂

 Mein Leinenhemd, ist auf der Heimfahrt etwas geknautscht, weil es noch nicht trocken war. Aber das Muster, das es nun hat, gefällt mir auch sehr gut! 


und eine Leinenhose habe ich zum blau färben vorbereitet, sie aber dort nicht in den Topf gesteckt, weil die wahrscheinlich zu klein gewesen wären. Also habe ich nur die Paste aufgetragen und sie so mitgenommen. Ich muss dann wohl irgendwann mal den Topf anwerfen 😊

Der absolute Hingucker waren allerdings die Muster von Ulrike. ♥ 






Und wir hatten lustige Zuschauer in luftiger Höhe...



Liebe Ulrike, das war ein tolles Wochenende mit vielen neuen Ideen. Ich habe wieder einiges dazu gelernt, dass ich ganz sicher bei dem einen oder anderen Projekt wieder aufgreifen werde.

Liebe Juliane, ich hätte wirklich sehr gerne mehr vom Rest Eures Hofes gesehen, aber nach 2 Tagen mit Farbe, war ich nicht mehr aufnahmefähig 😮
Vielen Dank für die Bereitstellung des Schulungsortes, die nette und freundliche Betreuung und Verköstigung ♥

Sonntag, 9. Juni 2019

Harriets hat

another interlude... Harriets hat.

My first finished knitting in Shetland wool 🤔 I got it announced on fb and could not go away without trial ;)

https://mrimaakers.com/2019/06/02/6-days-until-world-wide-knit-along-begins/?fbclid=IwAR13kYLyRw5V03KcDxHri8ixicJyFyoKxf2mGgFVtK5pPeFAdGTA-0N1fcs

I like the reason for this action and be happy that I finished this project within only 2 days 😊
One of the reasons why I did not finish or started anything else in this wool is that the yarn looks so thin. I could not believe that this will make something that suits. So it was my baptism of fire. Close my eyes and knit through 😉

What a surprise (more or less) that the finshed hat was too big for my little head 😉 I usually wash my hand knitted pieces in the special program for wool in my machine and it comes out better than before, not shrinked and the knitting pattern looks like painted. This time I put it into the standard 40°C program to hope it will shrink ;)

And it comes out as I wished. Smaller now and looks little felted but the pattern is now beautiful even (fresh knitted I´m mostly unsure if this is what I want what I make)

But now I´m satisfied. The hat also now is thicker I blieve no wind will blow through it and when I will be one day plan a trip to Shetland this will be definately a part of my luggage ❤

Keine Fotobeschreibung verfügbar. Keine Fotobeschreibung verfügbar.
Finished, looks better than in progress ;)

I could be satisfied... if the compared hat that suits perfect would not be much more smaller! .😂🤣

Keine Fotobeschreibung verfügbar. Keine Fotobeschreibung verfügbar.

washed now and would be better now for my head.

I just have enough yarn for maybe a second with smaller needles that I can wash as usual...

Sonntag, 12. Mai 2019

Warum ist MEINE Mutti die Beste?

Ich bin diese Woche schon wieder am rumreisen, das Radio im Auto ist etwas schwach auf der Brust und lässt nur relativ lokale Sender rauschfrei zu, also drücke ich so ziemlich alle halbe Stunde auf den Sendersuchlauf, bis ich auf der Landeswelle Thüringen stehenbleibe. Es ist die Woche vor Muttertag und es dreht sich alles genau darum. Plötzlich die Frage: "Warum sollten wir Ihre Mutter am Muttertag mit einer Schachtel Pralinen überraschen? Rufen Sie uns an unter 0800bblablabla..."
Nein, ich rufe nicht an, ich bin ziemlich sicher, meine Mutter würde sich wohl nur über die Idee freuen, weniger über die Pralinen. Aber noch viel mehr würde sie es mögen, wenn man dafür nicht irgendjemanden wildfremden vor die Tür stellt, sondern selber dort stehen würde. Auch mit leeren Händen.
Und auf einmal drehe ich den Spieß um. Mir geht durch den Kopf: Warum IST meine Mutter die Beste?

Mutter, Mutti, Mama, mom, niemals mit dem Vornamen von mir angesprochen, es ist eben meist "Mutti!" Mit über 70 Jahren ist sie ein Energiebündel mit Hummeln im Hintern, die sie kaum still sitzen lassen. Singen, Tanzen, Wandern. Ich witzele inzwischen recht gern, dass ich einen Termin brauche, um sie anzurufen. Ein Nachrichten-Junkie für lokale, regionale, nationale und internationale Nachrichten. Sie hat, zusammen mit Papa, Deutschland verlassen zu einer Zeit, als alles geregelt war. Wieder zurück nach vielen Jahren in einer Zeit und ein Deutschland, in dem man sich um alles selber kümmern muss, und keiner sagt einem, wie es geht. Zusammen mit einem technischen Fortschritt, bei dem viele das Handtuch schmeißen würden.

Sie hat sich da durchgewurschtelt und behauptet! Aber das hat alles nichts mit der Mutti zu tun, das ist sie selbst. Warum die beste MOM?

Ich habe noch einen Bruder und eine Schwester, drei Kinder und ich kann sagen, es wurde keines bevorzugt. Alle wurden gleich behandelt. Wenn ich heute Nachrichten sehe, oder im Bekanntenkreis Geschichten über Kinder und ihre Eltern höre, fühle ich mich etwas weltfremd. Wie kann es sein, dass eine Mutter zu ihrem Sohn sagt: "Was willst Du denn schon wieder hier? Kannst Du Dir nicht ne eigene Wohnung suchen? Wir haben Dich eh nie gewollt!" Der Junge hatte grade seine Lehre abgeschlossen...

Ist es nicht normal, dass Eltern ihre Kinder beschützen, sie unterstützen, ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, oder auch mal Fehler zu machen, um sie erkennen zu lassen, dass das so nicht geht? Ich verstehe solche Gruselgeschichten nicht, denn SO bin ich nicht aufgewachsen. Aber ich erkenne, wie gut es mir als Kind ging, denn ich habe so etwas nicht nur nicht erlebt, es wurden mir auch andere "schlimme" Sachen vorenthalten. Nicht, um mich dumm zu lassen, sondern um mich eben zu beschützen.

Ein Haus voller Bücher und viel lesen. So kann man auch die Welt kennenlernen, zumindest die Vergangenheit. Man kann entscheiden, was man mag, oder nicht, ohne dafür gleich einen persönlichen Schritt zu unternehmen. Vergleichen, gegeneinander abwägen und es im schlimmsten Fall mit der Familie ausdiskutieren. Warum ist das so? Jeder sieht eine Sache aus einem anderen Blickwinkel, hat damit einen anderen Standpunkt dazu, kann diesen vertreten und damit anderen eine andere Sichtweise ermöglichen.

Das alles geht mir durch den Kopf bei der Frage, warum meine Mutter so besonders ist. Dann blitzt ein Autobahnabfahrtsschild an mir vorbei und auf einmal denke ich: du bist grade mal 5 Minuten entfernt, warum hältst Du nicht an und sagst "Hallo". Einfach vor der Tür stehen ist allerdings nicht grade praktisch, also rufe ich kurz an, um sicher zu sein, dass auch jemand da ist. Und ich habe Glück. Alle beide zu Hause. Ich sehe sie viel zu selten!

Und dann sitze ich dort auf der Besucherinsel und schaue sie alle beide an. Sie sind ein bisschen älter geworden. Aber eben immer noch Mutti und Vati.
Gerade, weil ich so selten da bin, wird versucht, so viele Informationen wie möglich zu bekommen. Wie geht es dem Rest der Familie, wo fährst Du hin, wie lange, wann fährst Du zurück, willst Du was essen? Ich schaue 2x auf die Uhr, nicht weil ich dringend weiter muss, oder will. Sondern, damit ich abschätzen kann, dass ich doch noch sitzen bleiben kann, einfach um zu plaudern und sie anzuschauen. Ich will heute nicht hetzen, sondern genau dort sitzen. Sie anschauen und vor mich hingrinsen. Denn auch das ist scheinbar nicht selbverständlich. Hier eben schon.

Nach einer Stunde muss ich aber doch los, ein bissel muss ich mich an Geschäftszeiten halten, wo ich heute noch was abliefern will. Wir verabschieden uns bis Ende Juli, dann komme ich übers Wochenende mit meiner Schwester. Wir besuchen einen Workshop zusammen und übernachten "zu Hause".

Ich werde nicht nur bis zur Haustür begleitet, sondern bis zum Auto. Immer! Letzte Mahnungen: "Fahr vorsichtig!" "Ja, Mutti!" "Ruf an, wenn Du wieder zu Hause bist!" "Ja, Mutti!" Sie macht sich immer noch Sorgen, bis sie weiß, dass alles wieder sicher ist. Ich werde dieses Jahr 50 und fühle mich, als wäre ich immer noch ein Kind. Bin es auch, genauso, wie sie meine Mutti ist.

Und DESHALB ist sie die beste Mom!

Alles Liebe zum Muttertag, Mutti! Ich hab Euch lieb! An jedem Tag! ♥


Mittwoch, 1. Mai 2019

Loppis

schon das Wort klingt für mich lustig, angenehm lustig, wie staunen oder entdecken mit freudiger Erwartung. Zwischendrin vergesse ich das Wort immermal wieder, aber dann taucht es überraschend wieder auf. Und ich denke, nun hat es sich endgültig festgesetzt. Das, was ich letzte Woche als Loppis kennengelernt habe, würde man in Deutschland als Trödelmarkt oder Flohmarkt bezeichnen. Schaut man ins Wörterbuch, ist ein Loppis ein Floh. Und das passt dort, wie die Faust aufs Auge.
Loppis ist übrigens schwedisch und damit ist auch das Geheimnis gelüftet, wo ich mich letzte Woche rumgetrieben habe... in Schweden.
Es war super Wetter, angenehme Temperaturen und ich hatte sehr nette deutsch sprechende Gastgeber, damit ich nach der Arbeit nicht allein in einem langweiligen Hotelzimmer sitze und die Wand anstarren muss. Es war superschön, ein bisschen mehr schwedisches erklärt zu bekommen und auch ein paar kleine Wörter aufzuschnappen und zu benutzen. Vor allem, was wie gesprochen wird: ein G wird gesprochen, wie ein J so das Göteborg eben wie Jöteborij klingt. Aber feste Regeln gibt es wohl nicht für verschiedene andere Aussprachen. Ljus ist Licht, aber das L wird gar nicht gesprochen, dafür das u wie ein ü und damit ist es "jüst", wenn es hell ist. 😅

Den Großteil der Woche habe ich leider wieder arbeiten müssen, aber trotzdem gab es immer mal wieder was zu sehen, manches auch lustig.

Am ersten Tag gabs Mittagessen hier:

das versteht man auch als Deutscher, wobei ich am Anfang noch von Würstchen ausgegangen bin. Hab mich kräftig verlesen, also kein Wärsdhus, sondern eine Essgelegenheit für mehr als Würschteln.

Gleich daneben ein angeschlossenes Motel, in dem ich übernachtet hätte, wenn ich nicht privat untergebracht gewesen wäre.

ein sechseckiges Gebäude mit 6 Zimmern. Es ist unschwer zu erraten, wie die Zimmer aussehen: dreieckig, wie ein Tortenstück mit Doppelbetten drin.

Schon am Mittwoch wurde ich vorgewarnt: Die Piloten "meiner" Fluglinie wollen in den Streik treten und zwar von Freitag bis Sonntag! Na super. Aus Pilotensicht habe ich volles Verständnis, aber wie und wann komme ich nun nach Hause?
Nun, zumindest war ich vorgewarnt und zum Glück musste ich mich nicht mit einem Hotel rumschlagen, in dem mein Zimmer eventuell schon weiter vermietet wurde. Es waren übrigens über 900 Flüge, die gestrichen wurden, bis ich mich auf den Heimweg machen konnte. 😓
Der gestrichene Flug hat mir aber nun den Loppis beschert! Wie hat die Tante immer gesagt? Nichts ist so schlimm, dass es nicht für etwas gut ist 😉

In Viksta ist einmal im Jahr ein “Reservistenloppis“. Dort wollten wir hin. Wir waren früh um 9 da und haben ganze 3 einhalb Stunden gebraucht, um ihn komplett abzuschlendern.
Vorrangig geht es da um alte Autos und deren Zubehör, aber es gibt auch andere schöne oder auch unnütze Sachen und schauen macht sehr viel Spaß.
Ein klein wenig Beute habe ich auch gemacht. Grade genug, damit es noch in den halbleeren Koffer passt...

Das Schäfchen (Ingo), eine Flasche gut eingepackter Wein und eine kleine Flasche auch gut eingepackter Eierlikör gehen nicht wieder mit nach Hause. Achja und die Ersatzteillieferung bleibt natürlich auch in Schweden. Damit die Sachen dann auf dem Heimweg nicht klappern, muss man natürlich den Platz wieder aufüllen 😆

Ankunft auf dem Loppis. Es wird aus dem Kofferraum, dem Anhänger und auch von der Ladefläche verkauft. Es stehen auch viele improvisierte Tische da. Und alles wild durcheinander. Aslo das Angebot ist wild durcheinander. Der Aufbau der Stände folgt strengen Reihen, die man gut ablaufen kann, ohne sich zu verlaufen.

Wenn es sein muss, führt man auch mal die Funktionstüchtigkeit vor!

 Ich hab gar nicht geschaut, wie alt die Zeitschriften sind, aber die schauen mal gar nicht schlecht aus 😯 Kinderwiege, neben Lampenschirm, neben Spiegel, neben Holzkiste... hinten platziert. Vorrangig soll wohl erst das verkauft werden, was vorne steht... Autokram

ich war sehr erfreut, diese Felle zu sehen und liegen zu lassen. Der Verkäufer konnte mir nicht sagen, was für eine Schafrasse das ist, er hat sie auch nur zugekauft. Aber darin rumzuwuscheln war toll

 Immer wieder auch auf dem Verkaufsgelände alte Autos



Auch das Spinnrad habe ich schweren Herzens stehen gelassen. Es hat einwandfrei funktioniert, aber meine Gastgeberin wollte es dann doch nicht lernen. Es hatte nur eine Spule, aber 10 Minuten später habe ich an einem anderen Stand 2 Spulen gefunden, die auf jeden Fall gepasst hätten... hätte, hätte, Fahrradkette *seufz, schade
Und für den Knabberstand rechts brauchte ich nicht lesen, man hat es schon gerochen. Das Schild macht dann das verstehen wieder leicht 😋

 Kuriositäten, mit denen man so ziemlich alles transportieren kann. Musikinstrumente

 Ein "Bosch-Großhändler" und wieder einer der aus dem Kofferraum verkauft

Manchmal wie gesagt, auch mit Tisch, die Strickmaschine liegt davor auf dem Boden. Es ist ein bisschen traurig, dass Handarbeit so ungeschätzt wird. Es ist sicher schwierig, auf solchen vereinzelten Höfen eine Gemeinschaft aufzubauen und zu pflegen, die sich mit diesem alten Handwerk beschäftigt. Aber die Schleuderpreise, die für das Werkzeug dazu verlangt werden, zeigen deutlich, dass sich wohl kaum einer mehr diese Mühe machen will. 😪  Sicher gibt es auch hier Ausnahmen, aber verlorenes Wissen wiederzufinden ist sehr viel schwerer, als es zu erhalten.

Wieder Schafvliese und diesmal ein Zettel dazu. Ich denke, darauf steht diesmal was zur Schafrasse. Muss ich in einer ruhigen Minute mal übersetzten. Und mein Favorit auf dem Loppis: Eine Schallplatte von Elton John, auf der er aussieht, wie grade mal 25 Jahre! Ich glaube, als die rauskam, war ich noch nicht mal geboren! 😂

Nach den Querreihen vom Parkplatz aus sind wir an den Futterstellen angekommen. Lange Schlangen und Markus und ich waren entsetzt und gar nicht mehr hungrig. Christina hätte sich angestellt (Schweden machen das wohl sehr gerne), aber wir haben es dann doch gelassen. Auf dem Gelände gibt es ein Traktormuseum und auch eine Leinenstube. Da musste ich natürlich rein! Nur kurz, um ein paar Bilder zu machen, weil die anderen nicht gesehen haben, dass ich darin verschwunden bin und keine Suchaktion starten sollten.



Und dann kam das, warum so viele Leute dorthin fahren. Oldtimer aus allen möglichen und unmöglichen Jahrzenhnten!













 Auch zum Verkaufen


 Und zum Schluss kamen dann die Längsreihen. Bis hierher war ich tapfer und habe nur geschaut...
Ein Teigroller für Knäckebrot. Die Dame hat sich quasi entschuldigt, weil das Teil im Ganzen ist und keinen losen Griff hat 😮
Immer wieder auch mal etwas, das man versteht und sich wundert, oh, das ist ja deutsch!

Und am Knäckebrotstand haben wir angefangen und wieder aufgehört. Für mich eine Reise durch eine recht lange Zeit. Sehr interessant, was es damals gab, was man heute immer noch benutzt und was manche gar nicht mehr wissen, wie es benutzt wird, oder was es gar ist.

Meine "Beute", ca. 1 kg Mohairwolle, 3 kleinere Knäule Wolle, Eine Kiste mit Webgarnen, inlclusive der Schiffchen und den Blatthaltern und eine leicht angerostete Schafschere. Wenn Irina sagt, sie taugt nicht mehr, oder es lohnt nicht, sie wieder zum Einsatz zu bringen, bleibt sie ein nettes Souvenir.
Die Zusammensetzung der Wolle hat mich aus den Socken gehauen! Die letzte, die ich gekauft hatte, war 25g schwer und hatte einen Mohairanteil von grade mal 15%, der Rest war Chemiefaser!


à propos Socken. Ich sollte ja privat übernachten, also habe ich mir tatsächlich NICHTS zum handarbeiten eingepackt... ähm, ich habe 2 Paar Socken gestrickt und ein Schäfchen angefangen...

Ich bin übrigens wieder zu Hause, mit einem kleinen Umweg von Stockholm nach Wien, von da nach Berlin Tegel und dann 3 Stunden mit dem Auto wieder gen Süden.

Schweden hat sich von seiner besten Seite gezeigt und ich freue mich auf das nächste Mal, wenn ich wieder hin darf/muss.