Dienstag, 8. September 2020

pimp up your Webstuhl - oder: Was wäre, wenn?

Seit 2015 habe ich nun meinen INCA von Leclerc. Und schon nach den ersten Webversuchen mit allen 4 Schäften habe ich geschielt und überlegt. Geht da noch mehr? Überall, wo man Muster für 4 Schäfte findet, findet man natürlich mindestens doppelt so viele für 8 Schäfte. Der Trost, das man doch mit 4 Schäften auch soo viele Möglichkeiten hat, hat halt nicht lange vorgehalten. Garantiert habe ich ihn noch nicht ausgereizt und alles probiert, was machbar wäre. Aber es geht auch vielmehr um die Möglichkeit, was wäre, wenn...?

Ich grübele nun also schon ein Weilchen, habe mir unendlich viele Webstühle angeschaut, 2 mit Handhebeln versehen und so zu Mehrschäftern umgebaut. Aber am bequemsten webt es sich immer noch mit Pedalen, wenn man nicht jeden einzelnen Schaft ansteuern muss, sondern mit einem Tritt mehrere Schäfte heben kann. Der INCA ist ein Jack-Loom, die Schäfte werden also nur gehoben und müssen beim Loslassen des Trittes von alleine wieder nach unten fallen. Quasi durch ihr Eigengewicht.

Sosehr ich inzwischen durch den Eigenbau von Maliz den Vorteil eines Kontermarsch Webstuhls erkenne, wird aus meinem INCA wohl keiner. *seufz  Er hat einfach nicht das Zeug dazu.
Aber ich habe neue Bekannte, die einen 2schäftigen Rollenzugwebstuhl haben. der sehr stabil ist. Diesen auf einen Kontermarsch umzubauen, könnte interessant werden 😉

Also dann, 4 mehr Schäfte für INCA. Ich will es gleich voraus schicken, das wird keine Anleitung, wie man einen Webstuhl erweitern kann, sondern eher eine kleine Denkhilfe für Leute, die das gerne auch möchten und denen, wie mir, irgendwo der Anfang fehlt.
So stand er nach dem ersten Aufbauen und ich habe auch durch die anderen Tischwebstühle und das Weben am Webrahmen unheimlich viel über dieses Schätzchen gelernt.

Was ich gleich als erstes geprüft habe, ist, ob hinter den Schäften bis zu diesem Brett, das quer dahinter hängt, genug Platz für 4 weitere Schäfte ist... Platz ist genug, um das Brett dort zu lassen.
Also habe ich überlegt, wie ich oben ein weiteres Brett stabil angebaut bekomme, das auch stabil genug ist, damit es hält. Es ist mir nichts Gescheites eingefallen, bis ich dran gedacht habe, das alte Brett komplett abzubauen und durch ein breiteres zu ersetzen.
Schon hier sehe ich, dass es wirklich ratsam ist, für bestimmte Stellen ein härteres Holz als butterweiche Fichte zu nehmen. Ich hatte noch ein Regalbrett rumliegen, und zwar schon länger. Es hat sich doch ein bisschen verzogen, so dass es nun hinten etwas nach oben steht. Weil ich aber nicht weiß, ob mein Plan aufgeht, mache ich so ziemlich alles aus eben diesem weichen Holz. Wenn es denn funktioniert, kann ich bei Bedarf die Stücke, die verschleißen durch Buche ersetzen. Sollten sie halten, umso besser 😉

Ich habe also das breitere Brett genommen und als Erstes mal die bestehende Konstruktion darauf befestigt. Es schaut etwas provisorisch aus, weil alle Verschraubungen an dem Stuhl zöllig sind! Auch die Kanadier scheinen nicht frei von Inch zu sein 🙄 Und der Vorbesitzer hat mir stolz erklärt, dass er einige Schrauben ersetzen musste und extra zöllige besorgt hat. Ja klar passen die besser zu dem System und natürlich ist es gescheiter zu wissen, das auf allen Schrauben zöllige Muttern sitzen. Trotzdem habe ich alle Schrauben, die ich geöffnet habe, durch Schrauben mit metischen Gewinden, oder Schrauben, die ich in jedem Baumarkt bekomme, ersetzt. Der größte Grund war allerdings, dass die Schrauben einen Innenvierkant haben und man einen speziellen beiliegenden Schlüssel braucht, um diese Schrauben aufzubekommen. Ich weiß gar nicht, ob es für sowas überhaupt einen Bit gibt, damit man nicht ganz ohne Akkuschrauber dasteht. Zumindest hab ich sowas in keinem normalen Satz.

Mein breiteres Brett ist fertig und ich habe durch Zufall im Baumarkt endlich mal lose Rollen gefunden. Also keine, die in einem Käfig oder einer Halterung verbaut sind, deshalb ewig teuer und die ich dort erst rausholen muss. Ich habe fix durchgezählt und bin bei 12 gelandet. Also habe ich 12 von den 13 vorhandenen mitgenommen. Leider habe ich mich ein bisschen verzählt, weil ich in der Mitte wirklich 2 Rollen brauche.Aber da eh nur 13 verfügbar waren, habe ich mich darüber nicht wirklich geärgert.
Auf den äußeren Seiten sind die Originalhalter mit den originalen kleinen Rollen. Auch hier habe ich die Bolzen ausgetauscht, weil sie zöllig und mit Vierkantmutter waren. Zwischen den Rollen waren kleine runde Distanzstücke aus Plastik, aber einige davon sind beim Auseinanderbauen einfach zerbrochen und so konnte ich sie nicht wieder verwenden. Ich frage mich einmal mehr, wie alt der Webstuhl ist. Teile sind da wahrscheinlich noch nie getauscht worden.
Ich habe erst durch unser Sammelsurium an allen möglichen Schrauben, Muttern und Rohrstücken gewühlt. Auch meine Rundstäbe habe ich in Erwägung gezogen. Am Ende bin ich an einem kleine Profilholz mit 12x12mm hängen geblieben. Ich habe dort schmale Stücke abgesägt, ein passendes Loch reingebohrt und es dann auf die richtige Stärke geschliffen. Da die im Durchmesser  nirgendwo passen müssen, sondern nur eine Breite überbrücken, muss das Loch nicht genau in der Mitte sein.
Ich habe schon einmal nach sehr langen Bolzen mit einem Gewinde am Ende gesucht und bin durch Zufall auf Fensterdübel gekommen. Die gibt es in verschiedenen Längen, haben alle einen Durchmesser von 6mm und ein entsprechendes Gewinde am Ende. Diese Teile sind so genial, das ich inzwischen einen kleinen Vorrat in verschiedenen Größen habe. Ich bekomme sie bei uns im Sonderpostenabaumarkt für 10,-€/kg und kann mir meine Tüte so zusammenstellen, wie ich das will. Gewogen wird an der Kasse. Schrauben und Muttern bekomme ich dort für 5,-€/kg. Einige Zubehörteile gibt es auch dort nur in Packungen, aber die kosten meist weniger als die Hälfte, als in anderen Baumärkten. Und da ich zwar sehr gerne webe, das aber nicht 8 Stunden am Tag tue und das jede Woche, ist das für meinen Bedarf durchaus in Ordnung. Es ist ja auch nicht so, dass die Sachen bei scharfem Anschauen gleich auseinander fallen, aber warum soll ich für eine normale Schraube das 3fache bezahlen, wenn ich sie auch günstiger bekommen kann?

Sie neuen Rollen sind nun etwas größer, als die Originalen. Aus diesem Grund konnte ich sie auch nicht auf die gleiche Breite setzen, wie die alten. Da wären sich die beiden Achsen ins Gehege gekommen. Also habe ich sie ein Stück nach außen versetzt. Da ich nur 4 Schäfte habe, muss ich mir 4 neue bauen. Dort kann ich die Befestigung dann gleich passend anbringen. Damit sind die alten Schäfte vorne und die neuen hinten. Ich denke, wenn ich bei den entsprechenden Abständen jeweils 2 weitere Haken anbringe, könnte ich sie auch durchtauschen. Aber warum? Ist vielleicht nicht verkehrt, dass es geometrisch, baulich und farblich getrennt ist.

Die Mittelachse kann ich nicht versetzen, also habe ich hier ein bisschen gemogelt. Den alten Halter habe ich nicht wieder genommen, dafür 3 Winkel, die ich so befestigt habe, das die Achse 1. durch alle Rollen gehen kann und 2. zwischen den beiden Schaftsätzen noch eine Stütze hat. Diese sitzt nicht genau in der Mitte, weil die großen Rollen außen auch andere Abstände haben. Damit ist die Schaftaufhängung schon fertig.
und darum brauche ich in der Mitte eben 2 Rollen 🙄
Weil mir ja von den großen Rollen 4 fehlen würden und sie auch von der Höhe nicht auf diese Achse  gepasst hätten, habe ich einmal mehr auf meine geliebten Nähmschinenröllchen ausgewichen. Passend zu den Abständen habe ich dann die Distanzstücke zwischen den großen Rollen angepasst. Eine seitliche Rolle steht damit genau zwischen zweien in der Mitte.
Die Achsen habe ich erstmal in Originallänge belassen. Wenn ich sie absäge, muss ich auch das Gewinde nacharbeiten. Im Moment stören sie sich nicht gegenseitig.
Die drei Winkel sehen nicht nur so aus, als ob sie nicht in einer Linie sitzen, sie sind es tatsächlich nicht! Und zwar, weil die Löcher, die schon drin sind auch versetzt angeordnet sind. Ich habe sie nur aufgebohrt, aber da der letzte Winkel umgedreht angeraubt wurde, ist das Loch natürlich auf der anderen Seite. Also muss ich ihn versetzen, damit die Löcher in einer Linie sind.

Weil ich doch ein paar Bedenken habe, dass das Brett hinten nicht genug Halt hat, habe ich noch 2 senkrechte Stützen mit dem Deckel oben und den schrägen Trägern verschraubt. Damit sitzen sie unten auf dem Querrahmen einfach nur auf. Eine Verschraubung ist nicht notwendig. Wo sollen sie hin?
ein bisschen kann man sehen, dass das Brett vorne rechts nach oben geht. Sollte es daran liegen, wird es ausgetauscht.

Als nächstes habe ich mir die Schäfte vorgenommen. Die Leclerc Schäfte sind auf Rahmen und haben Metallitzen. Solche Rahmen zu bauen, ist utopisch. Originale in Kanada zu  bestellen, genauso. Ich habe inzwischen 2 Webrahmen zu Tischwebstühlen mit mehreren Schäften umgebaut und habe mir bei meinem kleinen Schweden was abgeguckt: eine Stange oben, Litzen auffädeln, eine unten in die Litzen hängen und gut. Man muss sie beim Einrichten gut ausrichten, aber sobald genug Zug auf der unteren Stange ist, hängt alles straff und verrutscht auch nicht mehr. Beim Kontermarsch Webstuhl wäre es noch idealer, weil dort die Schäfte auch nach unten gezogen werden und man sich nicht auf das reine Gewicht verlassen muss. Aber ich habe auch hier ein bisschen nachgeholfen und die unteren Stangen beschwert.
Was nun für Stangen?
Unsere Sonnenschirme haben beide zur glichen Zeit den Geist aufgegeben. Bei einem ist oben eine Strebe gebrochen, bei dem anderen der dicke Stab in der Mitte  und bei beiden ist der Stoff zerfetzt. Also aussortieren. Ich wollte schon losfahren und geeignetes Material im Baumarkt suchen, da kam Schatzi auf die Idee, die Streben von den Schirmen zu nehmen. Wie? Die sind doch viel zu lang! Und wie soll ich die denn befestigen? Aber die Idee fand ich gar nicht so schlecht. In der passenden Länge abgesägt. das muss doch irgendwie gehen!
Es geht.
Einspannen und ein Loch bohren kann ich vergessen, das verdrückt das Profil.
Sie Schutzkappen an den Enden sitzen sehr locker, da brauche ich gar nicht darn zu denken, an denen irgendwas zu befestigen.
Eine Art Dübel, der sich spreizt, wenn ich eine Schraube reindrehe... das wärs. Aber die Profile sind nicht rund, sie sind oval. Ein normaler Dübel kommt also nicht infrage. Also habe ich nach einer anderen Lösung gesucht. Am Ende war d´sie sehr einfach: eine schmale Leiste in 3cm Stücke sägen. Und zwar in 16 Stück (für 4 Schäfte). Die kurzen Stücke so zusammen spannen, dass sie aussehen, wie ein dickers Stück. Jetzt an der Stirnseite ein Loch so bohren, dass beide Hälften ein halbes Loch bekommen.
 einspannen und Loch bohren
2 lose Hälften mit je einem halben Loch
in das Profil gesteckt, ein Geradverbinder dazu und wenn ich jetzt die Schraube reindrehe, drückt es die beiden Holzstücke an die Innenwand und sie sitzen bombenfest.

Jetzt kann ich oben eine Holzleiste einschrauben und der obere Teil schaut fast aus, wie der Originale. Ob ich in der Mitte eine Unterstützung brauche, wie die anderen, wird sich zeigen. Im Notfall kann ich dort mit einem Draht eine Zwischenlösung kreieren, falls es notwendig sein sollte. Allerdings denke ich das Profil in sich ist so stabil, das da nichts passieren dürfte... dürfte. Ich werde sehen 😉

Für die unteren Schaftprofile habe ich mir die lockeren Schutzkappen zusammengesucht. Einen alten originalen Schaft mal gewogen und den neuen oberen und eine leere Stange zusammen auf die Waage gelegt. Jetzt habe ich die untere Stange mit Nägeln gefüllt, die schon ewig rumliegen, bis  ich das Gewicht hatte, das ein alter Schaft hat und dann die Schutzkappen draufgesteckt. Eigentlich erst eine Schutzkappe, diese mit Elektroklebeband fixiert, dann gefüllt und mit der zweiten Schutzkappe verschlossen und diese auch mit dem Klebeband fixiert. Nun sind die alten und neuen Schäfte gleich schwer und es dürfte beim Treten keinen Kraftunterschied geben.
Die neuen Schäfte bekommen natürlich Texsolv Litzen. Ich beschäftige mich ja schon ein Weilchen mit der Geschichte, scheinbar habe ich schonmal welche gekauft, denn ich habe genau 4 Päckchen in der richtigen Länge da.

Ich musste Anfang des Jahres schon einmal die starken Schnüre zum Schaftheben austauschen. Die alten waren aus Baumwolle und haben sich einfach aufgearbeitet. Ich habe in einem Buch über Seile spleißen was gefunden, das sehr gut funktioniert hat. Ich brauche dafür keine Metallklammern und nichts verpressen, sondern einfach nur kräftige Finger und ein bisschen Geschick.
 

Damals habe ich die Schnüre aus weißer Schnur  gemacht. Für die neuen Schäfte müssen die Schnüre 2 1/2 cm länger sein, deshalb habe ich mich für eine andere Farbe entschieden, damit ich nicht irgendwann durcheinander komme.

Als nächstes habe ich erstmal die zusätzlichen Pedale gemacht. Maliz macht ihre aus Buchenholz, was dort auch Sinn macht, denn sie liegen flach. Bei mir stehen die Hölzer hochkant. Ich komme damit beim Weben ganz gut zurecht, also sollte das dann auch mit dem weichen Holz erstmal funktionieren.
Die Pedale saßen vorher mittig, so wie jetzt auch. Im Prinzip habe ich nur rechts und links je 2 dazu gepackt.
Die alte Achse war dafür nun natürlich zu kurz, also bin ich einmal mehr durch Haus, Schuppen und Garten gehirscht auf der Suche nach dem passenden Stab 😮 ... und bin fündig geworden 😉
den linken Halter habe ich wieder genommen. Aber da der Stab dort drinsteckt und ich den rechten nicht aufbohren will, habe ich auf die Schnelle einen neuen mit Durchgangsloch gemacht Nun schaut der Stab rechts raus und ich fürchte, er wird irgendwann zur Stolperfalle. Er wird ganz sicher noch abgesägt.

Jetzt kann ich mich um die Querholme kümmern, die zwischen Schaft und Tritt hängen. Die alten sind natürlich zu kurz, weil sie ja nur bis zum (jetzt) drittletzten Tritt gegangen wären. Die Länge konnte ich aber erst bestimmen, wenn alle Tritte eingebaut sind. Oder ich hätte rechnen können...
Die Leisten waren eigentlich sehr einfach. Ich musste nur ausmessen, wie lang die alten sind und 2 Tritte + die Distanzstücke dazu messen. Die Aufhängung zum Schaft kann an die selbe Stelle, die Anbindungen an die Tritte können an dieselbe Stelle + je 2 Ösen links und rechts davon im selben Abstand.
Kniffeliger war es dann schon, sie wieder an der gleichen Stelle am Gestell zu befestigen und zwar 4 mehr. Einmal mehr kommen meine Geradverbinder zum Einsatz, zusammen mit einer weiteren Schraube von einem Fernsterdübel. Aber ich kann es nicht einfach in die Luft hängen. Also habe ich kurzerhand den alten Halter umgedreht, so dass unten jetzt oben ist, habe die notwendige Gesamtbreite meiner Querlatten gemessen + ein bisschen Luft. Ein entsprechendes Stück Holz in der gleichen Stärke zurechtgesägt und bündig angeleimt. Befestigt habe ich es in den Originallöchern des alten Halters und einem zusätzlich gebohrten, der in dem neuen Ansatz steckt. Die Achse habe ich dieses Mal mit einer Rändelschraube angezogen. Sollte es zu stramm sein, kann ich sie lockern, oder ich kann sie anziehen, wenn es zu sehr klappert. Wenn ich einmal angewebt habe, kommt da eine selbstsichernde Mutter drauf.

Was mir von Anfang an sehr gut gefallen hat, war die Befestigung der kurzen Schnüre vom Querschemel zu den Tritten. Da kommt einfach so eine recht lange Klammer dran. Solche fehlen mir nun 4 Stück. Alternativen sind im Moment ein Zelthering, oder ein langer Nagel, die ich beide irgendwie gegen Rausfallen sichern müsste. Damit muss ich nun nicht jede Schlaufe einzeln irgendwo einhängen, sondern die benötigten hängen alle in diesem Stab und suchen sich ihren bequemsten Platz.

Tja, das wars dann eigentlich auch schon, es ist alles da und angeschraubt. Eigentlich könnte ich anweben 😎 Aber mir fehlen noch ein paar Schnüre. Dünne vom Schaft zum Querschemel und kurze vom Querschemel zu den Tritten. Texsolv Löscherschnur habe ich keine da. Ich könnte ja mal in die Seilerei im Nachbarort fahren und fragen, ob die sowas haben. Wenn ich an die Arbeit fahre, komme ich ja nur 2x dort dran vorbei. Aber ich schaffe es einfach nicht. Im Frühjahr war der Werksverkauf auch wegen Corona geschlossen, Jetzt ist er wieder auf und ich hätte eigentlich auch Zeit. Aber erstmal kann ich mich für die paar Strippen auch mit selber knoten behelfen. Ich nehme mir meist vor, dass es nur eine vorübergehende Lösung ist, aber meist bleibt es dabei... funktioniert ja schließlich 😂

Jetzt braucht es noch ein bisschen Kosmetik. Am Brett obenrum will ich noch ein paar Leisten ansetzen, damit mir nichts runterrollt. Ich habe eine Möglichkeit gefunden, meine LED Leuchtleiste auch weder abnehmbar zu montieren. Und ich hatte schon am Ausgangsmodell eine kleine Korkwand angeschraubt, an der ich meine Webpatrone anpinnen konnte. Sehr hilfreich beim Litzenstechen und Weben. Da schaue ich eigentlich immer drauf.

Und nu? Loslegen? Wenn ich schonmal am basteln bin, dann nicht nur halb!
Einen Schärrahmen habe ich mir gleich mit gebaut. Ich habe immer wieder mal geschaut, wenn so einer oder auch ein Schärbaum verkauft werden soll und habe es immer verworfen. 10m Kette! Die webe ich doch in einem halben Leben nie ab! Also brauch ich dann doch nicht.
Nun der Schärrahmen kann jetzt 13m (es scheint, ich brauche doch einen 😂) Hilfreich waren hier verschiedene Bilder und das Holz, das ich grade da hatte. Eigentlich hatte ich mir schon kräftige Hölzer rausgesucht und mich damit abgefunden, dass ich mich ein bisschen plagen muss, um dort die Ecken rauszufummeln, damit ich ihn zusammenstecken kann. Er soll ja demontierbar sein in 4 Leisten mit 2 x 6 und 2 x 4 Zapfen

 Die hatte ich noch, aber sie sind reichlich unhandlich
 Viele Bilder gibt es nicht dazu, aber er ist fertig 😉 Die Maße sind 1 x 1 m 
 ich habe dann doch noch gehobelte Leisten in einer angenehmen Breite und Stärke gefunden, so dass ich es etwas leichter hatte. Und zwar habe ich 8 Leisten 1m lang abgesägt und dann immer 2 zusammengeleimt, aber nicht bündig, sondern und Lattenbreite versetzt.  
 oben quer: die hintere ist um Lattebreite rechts überstehend...
die vorder links überstehend

Wenn man das mit allen macht, stehen immer an derselben Stelle die Latten über und stützen sich so. ich kann den linken mit dem rechten vertauschen und den oberen mit dem unteren. Die Zapfen sitzen jeweils mittig. An einer Seite habe ich große Ringmuttern an den Befestigungsschrauben. So kann ich den Rahmen an unser altes Vorratsregal hängen, wenn ich schären will. Bisher habe ich dort immer Schraubzwingen festgemacht, aber dann ist das mit dem Fadenkreuz nicht so einfach. 
Letzt kann ich auf einer Seite ein Fadenkreuz und auf der anderen Seite ein Gangkreuz legen. Die Zapfen sind übrigens mal Besenstiele gewesen. Sie waren einfach günstiger 😂 Ich habe auf der Vorderseite Löcher gebohrt und von der Rückseite die Zapfen noch zusätzlich verschraubt. Sie sitzen sehr fest. Der Ganze Rahmen hat trotzdem er eigentlich aus Leichtholz ist, ein gutes Gewicht. 

JETZT kann ich aber loslegen, oder? 
Ähm, immer noch nicht. So gerne ich alle 8 Schäfte ausprobieren möchte, will ich doch auch gerne die Handtücher weben, die Maliz jetzt erst gezeigt hat. Dafür habe ich mir ausnahmsweise mal wieder eine Zeitschrift gekauft... Aber eigentlich muss ich jetzt wirklich endlich mal rechnen, wie ich welches Garn weben kann, oder muss. Mein letztes Gewebe habe ich kurz vor dem Schluss dann doch abgeschnitten 😠Die Kettdichte hat für das Material nicht gepasst und ich habe entsprechend zu locker gewebt. 
Ich werde die Schnittseite mal provisorisch säumen und es in die Waschmaschine stecken, aber es wird vermutlich noch mehr verrutschen...  

Also Materiallager anschauen, Garnstärke feststellen, passendes Garn raussuchen, RECHNEN (oder zumindest nachlesen), Kette schären und dann weben.
Puh, wenn alles so leicht wäre, wie einen Webstuhl um 4 Schäfte zu erweitern! Wieso hat das rumdenken eigentlich so lange gedauert? 🤔 Jetzt im Nachhinein, sind es eigentlich fast nur ein paar Handgriffe. Die Umsetzung hat aber alles in Allem an die 2 Wochen gebraucht, wobei ich allerdings zwischendurch auch mal mit was anderem beschäftigt war. 😉

Mittwoch, 26. August 2020

ein bisschen Kosmetik

Das Auge isst mit, sagt man. Das Auge kauft aber auch mit. Das Auge macht noch vieles mehr.
Meine (eine meiner) Lieblingstasse ist gestern runtergefallen und der Henkel abgebrochen. Ja klar, könnte ich den restlichen Henkel rundschleifen und sie als Becher verwenden, oder sie doch als Stiftbecher oder Nadelbecher für meine 15cm Nadelspiele verwenden. Mal schauen...

Aber mir fiel wieder ein, dass ich schonmal Tassen selber drucken lassen wollte. Damals für Cara Sheep mit dem Logoschaf und dem Schriftzug. So richtig kam das nicht in Schwung. Dann dachte ich mal wieder dran, wusste aber nicht mehr, wo ich die Internetadresse verschlumpert hatte. Meine Lesezeichenleiste ist inzwischen reichlich voll 😮
Ein Blick unter die Tasse hätte es mir verraten, der Aufkleber ist nämlich immer noch drauf und recht spülmaschinenresistent 😂 Dort habe ich ihn nun auch wieder entdeckt und habe mich einmal mehr an den Versuch gewagt, eine Tasse zu kreieren.
Mir gefiel speziell diese Tassenform, die nicht einfach grade runter geht. Der Löffel im Griff ist ein lustiges Gimmick. Benutzt habe ich den noch nie 😉

Für Cara Sheep will ich mal vorerst keine Tasse, aber seit ein paar Wochen gibt es die Höllenwolle. Wolle von meinem Schäfer um die Ecke, die ich so klasse finde, habe ich bei Sauerlandwolle spinnen lassen.
Inzwischen habe ich auch eine Garnbanderole entworfen und hier kommt wieder das Auge in Spiel. Einfach Höllenwolle draufschreiben wäre eine Möglichkeit, aber wer schaut dann schon hin? Es muss knallen! Die Augen müssen von einer kräftigen Farbe und einem lustigen Motiv angezogen werden, so dass man mindestens ein zweites Mal hinschaut. Es vielleicht auch in die Hand nimmt und liest, was da noch so draufsteht. Jetzt hab ich Dich! Zumindest jeden Fünften 😉
Es geht mir nicht darum, die Wolle nun schnellst möglich an den Mann, oder besser an die Frau zu bringen, damit ich sie los habe. Die Wolle war über ein Jahr in der Spinnerei und selbst wenn ich diesen Winter wieder die komplette Schur abnehme und spinnen lasse, wird das auch dann wieder mindestens ein Jahr dauern, also von jetzt an ca. anderthalb Jahre. Wenn ich bis dahin meinen Vorrat gut abbauen kann, wäre das ideal. Schlecht wäre, alles auf einmal loszukriegen und dann keinen Nachschub zu haben. Wer wartet schon gerne ein Jahr, bis er oder sie (nein, kein es!) sein Projekt zu Ende bringen kann? Also besser schön verteilen.
Wenn sie nun aber gar niemand haben will, wäre es schlecht, wenn ich nach dieser längeren Zeit noch einmal so eine Fuhre Wolle bekäme... Es ist schwierig unter diesen Umständen zu planen!

Für den Anfang braucht es halt erstmal ein Logo, etwas zum Wiedererkennen. Ich wohne quasi am Tor zur Hölle, im wahrsten Sinn des Wortes. Der Nachbarort heißt halt so. Die Wortspiele, die damit möglich sind, sind eigentlich unendlich. Darum auch Höllenwolle. Nicht nur mit Worten kann man jetzt spielen, sondern auch mit Bildern und ich habe mich für ein Wollknäuel mit Teufelshörnern und -schwanz entschieden. Knallrot. 😈
Ein kleines Engelchen dazu, finde ich tatsächlich lustig. Ich hoffe doch, nicht nur ich verliebe mich in diese Wolle!
Nun wirds kribbelig, denn auch jetzt wieder einfach nur Höllenwolle drüber zu schreiben, ist genauso langweilig, wie ohne Bild. Also erstmal eine schöne Schrift suchen. Word bietet da ja einiges. Und bringt gleich nette Effekte mit, wie eine Spiegelung unter der Schrift, die verblasst.
Mein erster Gedanke das auf eine Tasse zu bringen, war ja ganz leicht. Bild hochladen, Schrift hinzufügen, fertich.
Ähm, nicht fertich, weil der Tassendrucker eben nicht alle Schriften hat, die ich auf dem Computer habe 😕 Also muss die Schrift mit in das Bild.

Irgendwie kommt man nicht drumrum, sich auch mal mit Bildbearbeitung und ein bisschen mit Grafik zu beschäftigen, wenn man nicht immer auf Firmen angewiesen sein will, die sich das sehr gut bezahlen lassen. Und es geht ja auch nicht um riesige Poster und Werbeanzeigen, die Deutschlandweit ausgestrahlt und verklebt werden, sondern einfach nur um ein bisschen Kosmetik.
Kosmetik ist für mich nichts, was ich meinem Körper antue, sondern alles, was meine Handarbeiten optisch besser ins Licht rückt. Ein Namensschild, ein Zierknopf und eben eine schön aufbereitete Gebrauchsanleitung.

Meine Banderole gefällt mir, so wie sie ist. Ich kann sie für alle Garnstärken verwenden, wenn ich in den entsprechenden Fensterchen mit meinem kleinen Schafstempel das Feld (natürlich in rot) markiere. Und auf A3 gedruckt ist sie lang genug, damit sie in einem Stück um meine gewickelten Knäule passt.

Das Bild in der Mitte will ich nun auf meine Tasse drucken lassen. Ein Screenshot aus dem Word ginge zwar von der Qualität, aber es geht eben auch noch besser. Nämlich als Vektorgrafik.
Dafür habe ich mir schon vor längerer Zeit Inkscape installiert. Es ist, genau wir GIMP ein kostenloses Programm, das richtig viel kann... wenn man weiß, wie.
Die Krux ist aber immer, man will schnell mal was machen. Hat ein oder vielleicht 2 Programme, die was taugen. Aber weil man sich zu wenig damit beschäftigt, dauert alles eine Ewigkeit. Also beschäftigt man sich damit, weil man dieses eine Dingens haben will. Dabei findet man 1000 andere Einstellungen und Möglichkeiten, so dass das Objekt auf einmal gar nicht mehr wichtig ist. JETZT beschäftigt man sich mit der Software... stundenlang!... Irgendwann erinnert man sich an das Objekt, macht das mit ein paar Klicks fertig und schließt das Programm. Im Hinterkopf gespeichert, was man Tolles damit gemacht hat. Beim nächsten Mal öffnet man es und will es noch einmal machen. Aber seitdem ist mal wieder eine Ewigkeit vergangen und im Prinzip fängt man nun von vorne an. Aber nicht, um ein anderes Dingens wieder so zu machen, sondern um den Weg zu finden, den man beim letzten Mal gegangen ist.

Ich hatte heute Schützenhilfe von Irina und wir hatten in 10 Minuten den Schriftzug gespiegelt und verblasst, so dass ich, wenn ich, oder jemand anderer es will, Tassen drucken lassen kann.

Wenn jetzt der Kaffee nicht teuflisch heiß bleibt und himmlisch gut schmeckt, weiß ich auch nicht...


Freitag, 8. Mai 2020

Shetland vs. Shetland ... ja ist das denn nicht alles gleich?

Zwei Punkte vorweg:
1. mit Shetland ist (natürlich) das geschorene Vlies eines Shetlandschafs gemeint. Ist ja wohl klar!
2. tja, nein, es ist eben NICHT alles gleich. Genauso, wie nicht alle Menschen einer Nationalität gleich sind. Am augenscheinlichsten ist eben der Haartyp und dessen Farbe... um mal einen passenden Vergleich zu wählen.

Shetland vs. Shetland bezieht sich auf die beiden Halbschwestern Happy und Gan Ainm. Richtigerweise müsste ich ja sagen Gan Ainm und Happy, weil ich sie wolltechnisch gesehen in dieser Reihenfolge kennen gelernt habe. Gan Ainm war mein erstes Shetlandvlies überhaupt und diese Farbe hat mich gefangen genommen ♥ Nicht mal so sehr, dass es an Schafwolle das bisher weichste war, das ich bis dahin in der Hand hatte. Einfach diese Farbe. Katmoget? Ich merke es mir nie! Für mich ist halt einfach Haferflocke. Oatmeal, wenn mir der Begriff grade wieder mal eingefallen ist 😉 Das sind so Fachbegriffe die wahrscheinlich alles aussagen, aber so total an mir vorbeigehen, weil mein Fokus ganz woanders liegt.
Ich schaue auch gezielt an einem Staatspräsidenten vorbei, der vor meiner Nase tanzt (ok, es war sein Bruder), weil ich irgendetwas viel Interessantes dahinter gesehen habe, dass mir der Depp verdeckt hat! So in etwa kann man sich das vorstellen.

Um auch ein Ausgangsbild zu haben: die beiden "großen", also die erwachsenen Schafe sind Gan Ainm (die helle) und Happy (die dunkle). Die Farbe von Happy ist (wieder vermutet) gulmoget und da es auch wieder so ein Begriff ist, der mir schwer fällt: schokoladenbraun passt erklärungstechnisch sehr gut zu Haferflocke: Wohl gemerkt, dunkle Schokolade. Und in diesem Fall so gar kein Problem für die Figur. Man kann dabei zwar süchtig werden, aber kein Gramm dabei zunehmen. Das ist mal ne unschlagbare Diät.
Die Zwerge auf dem Bild sind die jeweiligen Zwillinge der beiden. Und nicht etwa die hellen von Gan Ainm und die dunklen von Happy... nein, jede hat eines in jeder Farbe. Wie das sein kann kann man erfahren, wenn man das Buch von Irina und Saskia mal zur Hand nimmt.

Na gut, zwei Schafe, eines mit hellem Fell, eines mit dunklem. Beides sind Shetlandschafe. Was soll da jetzt noch anders sein? Im Prinzip: alles. Es tauchen halt immer wieder Fragen von Leuten auf, an die man selber so nie gedacht hat. Oder es werden Behauptungen in den Raum geworfen, die heiß diskutiert werden: ja stimmt! Nein, das ist ganz anders! Und nun schaue ich mal wieder genau hin.

Ich habe sehr genau geschaut und verglichen und wieder eine Million Bilder gemacht und eben einen Blogbeitrag als Text gewählt, weil mir hier nicht einzelne Bilder und Kommentare dazu aus dem Zusammenhang gerissen werden können. Hier lege ich sie nebeneinander, damit man den Vergleich auch sehen kann und nicht erst das passende Pendant Bild suchen muss.
Zwei Flöckchen der jeweiligen Vliese, mehr oder weniger wahllos aus der Tüte gepickt. Sie sind eh in Stücken gewaschen und weiter verarbeitet worden, so dass ich nicht mehr weiß, an welcher Stelle am Schaf das nun vor der Schur gewohnt hat. Geschaut hatte ich, dass ich von beiden ein Stück finde, das schönen Crimp hat. Crimp sind die kleinen Krissellocken, die mal mehr mal weniger stark ausgeprägt sind. Eigentlich bei beiden vorhanden!
Und das sind sie! Man kann es schon auf dem Bild mit den größeren Vliesstücken sehen, dass das helle Vlies irgendwie länger Haare hat. Gut, die Vliese sind aus verschiedenen Jahren, man könnte also annehmen sie waren unterschiedlich lang auf dem Schaf, bevor es geschoren wurde. Aber Shetlandschafe sind wieder so cool, sie haben sich was ureigenes behalten. Nämlich den natürlichen Fellwechsel. Das heißt so viel wie, wenns zu warm wird, ziehen sie den Pelzmantel aus. Und wenn keiner daneben steht, um das coole Zeuch einzusammeln, machen die das auch ohne fremde Hilfe. Schaut dann vielleicht aus, wie gerupftes Huhn, aber man wird wohl nie ein Shetlandschaf finden, dass, wenn es sich für ein paar Jahre in den Bergen verlaufen hat, mit einem ewig dicken Pelz wieder heimkommt, wie man das schon einmal bei einem Merinoschaf gefunden hat.
oben bei Gan Ainm wirkt der Crimp noch auffälliger, als bei Happy, wo man nur grade so ein paar Wellen ausmachen kann. Die Stricknadel, die ich in jedes der Wellentäler gelegt habe ist eine 2(!)mm starke Sockennadel. Sie wird wieder auftauchen.

Um es noch genauer zu sehen, habe ich mir aus jedem Stück eine Locke rausgepickt. Und auf einmal schaut das alles ganz anders aus! Jetzt wirken die Fasern von Gan Ainm fast glatt während Happy voll die Krause zeigt 😮
noch weiter gefächert. ok, "glatt" ist das nicht, allerdings auch nicht so büschelig wellig, wie das andere. Irgendwie so jeder gegen jeden. Bringt Volumen ins Vlies und Luft ist ja mit einer der besten Isolatoren.
Und natürlich musste ich mal wieder die Lupe aktivieren. Jetzt schaut hell wieder aus, wie einfach nur ungekämmt grade aufgestanden. 😄 Während man bei Dunkel sieht, dass die Haare richtig schön nebeneinander kuscheln.

Das war der reine Faservergleich. Es gibt sehr wahrscheinlich Schafvliese, die von einer anderen Rasse sind, aber die Fasern von der Form her so aussehen. Für das dunkle fällt mir das graue Gotland ein, das ich aus Schweden bekommen habe, oder auch das Blue Faced Leicester, das gestern gekommen ist. Beide haben Partien, die solche gebündelten Wellen haben, mal großwellig, mal krisselig. Oder auch Rassemixe, die sehr voluminös sind, und eben auch so ähnlich aussehen, wie das helle.

Als nächstes habe ich geschaut, wie sich die Fasern spinnen. Ich habe ja angefangen zu spinnen mit Kammzügen, die ich gekauft habe. Also ein fetter Strang Wollfasern, fast immer glatt und so um die 5cm im Durchmesser, das Ganze in einem endlos langen fetten Wurm. Fast immer um die 100g, was den Wurm eben endlich macht. Damit ich daraus einen längst möglichen Faden bekomme, habe ich immer dünner und dünner gesponnen, und irgendwann habe ich festgestellt, dass ich mit diesen Bindfäden nicht wirklich was anfangen kann. Die meisten liegen sich im Schrank kaputt... Zu wenig, um was Gescheites daraus zu machen, zu eigen in der Farbe, um es mit etwas anderem zu kombinieren. Inzwischen spinne ich nicht, weil ich nur einen Zopf habe, sondern ich lasse mehr oder weniger die Fasern entscheiden, wie sie gesponnen werden wollen. Dazu gehört eigentlich auch, dass ich die Fasern zum Spinnen so vorbereite, dass ich das Beste heraushole und das ist nicht immer der Kamm. Dieses Mal habe ich aber absichtlich für beides das gleiche Werkzeug verwendet. Und zwar einmal komplett keines. Was nichts anderes heißt, als die Locken so zu spinnen, wie ich sie in der Hand halte
 Happy

 Gan Ainm

Und schon machen sich die Unterschiede bemerkbar. Happy´s Krause macht die Fasern zu kurz, um sie schön gleichmäßig zu spinnen. Auch "rutschen" sie nicht so recht, weil sie auch immer noch in den Wellen gefangen sind. Hier kommt die Stärke von Gan Ainm, die recht lockeren Fasern gleiten schön und ziehen dabei die nächsten geschmeidig mit sich, so dass man einen schönen gleichmäßigen Faden bekommt. Und das einfach so.

Aber ich bin sicher, Happy hat noch nicht alles gegeben!
Eine kleine Portion auf den Kamm gesteckt und einmal so durchgekämmt, dass der Kamm durch die ganze Länge ohne zu zucken durchfährt. Das macht er natürlich nicht gleich beim ersten Strich. Dafür muss man sich schön vorsichtig, wie bei verfitzten Haaren, vom äußersten Ende zum Kamm vorarbeiten. Bei jedem Strich werden Fasern aus dem einen Kamm rausgezogen und bleiben im anderen stecken. Bis man am Ende den einen Kamm hat, an dem alle Fasern schön und ohne Fitz sind. Auf einmal wirken sie länger und wenn man so über den Buschel streicht, ist das total flauschig! Aber man sieht immer noch, dass das eigentlich ganz schön krisselig ist, nur hat der Kamm die Wellenbüschel getrennt. Und nun liegt auch hier jedes Haar einzeln, die Wellen sind nicht mehr auf einer Wellenlänge, sondern haben sich vielleicht verdreht, oder sind etwas weiter herausgezogen worden durch das kämmen, wodurch die Welle eben etwas verschoben ist. Und das ganze in tausendfach (schätzungsweise)
Jetzt kommt bei Spinnen auch hier ein super gleichmäßiger Faden raus. Die Fasern gleiten leicht aneinander vorbei und nehmen immer nur ein paar weitere mit...
Viel bleibt bei so einer Minimenge nicht übrig, dass nicht  gesponnen werden kann. Aber es lohnt auch nicht wirklich darüber nachzudenken, was man damit vielleicht doch noch machen könnte... Vielleicht kann man es bei Filzen untermischen. Aber jeder Gedanke, den man jetzt anstell, wie man davon noch was spinnen kann, ist verschwendete Zeit. Der Aufwand ist einfach zu groß und das Ergebnis, verglichen mit dem tollen Faden, den man hat, einfach zu schlecht.

Gan Ainm lässt sich eigentlich leichter kämmen, aber sie lädt sich tatsächlich so auf, dass die Fasern Richtung Kammzinken zurückschlagen und dort bleiben wollen. Es gibt wohl eine Mischung aus Wasser und Öl und noch irgendwas, womit man die Fasern einsprühen kann. Einfach mit der Hand drüberstreichen und die Ladung rausnehmen geht auch 😉
Die hellen Fasern lassen sich auch schön aus dem Kamm spinnen, aber einen wesentlich besseren Faden kann ich nicht erkennen. Im Gegenteil erkenne ich einen Nachteil. Denn das haferflockige ist nicht ein beiges und ein weißes Haar nebeneinander, sondern helle Spitzen und beiger Grund. Wenn ich nun die Fasern kämme, spinne ich erst die hellen Spitzen und komme dann langsam bis zum Grund, wo es eigentlich dunkler wird, aber auch ein Teil davon im Kamm hängen bleibt und eben nicht gesponnen wird. Das ganze Garn wird also heller und verliert ein bisschen was von seiner Farbtiefe. Wie beim kardieren wird es eher einheitliche Matschepampe.

Auf der Spule sieht das dann so aus. Die jeweils kleineren Mengen sind aus der Flocke gesponnen, die größeren aus dem Kamm, weil ich bei der Flocke einfach aufhören kann und den Kamm mit der gekämmten Menge leer gesponnen habe.
Hier habe ich jetzt angefangen, meine verschiedenen Fäden mit 08/15 Sockenwolle zu vergleichen. Die kennt jeder und kann sich damit gute einen Vergleich vorstellen.
Die beiden unverzwirnten Garne.
 umgewickelt auf dicke Filzmarker. Also wirklich von jedem nur ein Fädchen
und nun ein Vergleich mit der Sockenwolle und dem verzwirnten Garn. Gan Ainm habe ich mal kurz losgelassen. Man sieht, dass sie sich wieder zusammenzieht. Happy ist wie ein Gummiband.
Das verzwirnte Garn zu einem Strang gewickelt (also einen hinter dem anderen verzwirnt und so verbunden gelassen)...
 und beim Runternehmen total verdrillt
schon jetzt hat sich der Strang so zusammengezogen, dass ich ihn wohl nicht mehr über die Schachtel streifen könnte und wieder der Vergleich mit der Sockenwolle.
Warum vergleiche ich das mit der Sockenwolle? Shetlandwolle hat noch eine andere lustige Eigenart. Wenn sie nach dem Zwirnen entspannt wird (also nass und heiß und dann trocknen lassen) ploppt sie auf, wie Popcorn in der Microwelle. Es tut da nicht so einen Schlag und man hört auch kein Ploppen. Aber wenn man genau hinschaut, sieht man, dass die Wolle nach dem Trocknen mindestens doppelt so dick erscheint wie vorher. Das kürzt natürlich den Strang in der Länge!

wenn ich jetzt Happy mit der Sockenwolle vergleiche, ist die auf einmal viel dicker, wo sie vorher noch halb so dick war. Das mal unabhängig von der Spinnart, aber oben die Spinnereien aus der Flocke unten die aus dem Kamm.


Jetzt kommt die 2mm Stricknadel wieder ins Spiel. Ich habe meinen Strang in ein Knäuel gewickelt, 30 Maschen angeschlagen und stricke geduldig einen Faden nach dem anderen. Das dauert fast den ganzen gestrigen Abend! Noch ein Grund, warum ich nicht mehr so dünn spinne: ich sehe das dünne Zeug nicht gut und muss mich sehr konzentrieren.


Aber ich habe es geschafft. Jetzt lohnt sich wieder ein genauer Blick. Das Muster ist nicht gestreckt und aufgepinnt, sondern nur glatt hingelegt und mit Nadeln gegen einrollen fixiert

 ich habe immer nur die glatt rechts gestrickten Stellen gemessen.

 Sie sind nach dem Stricken noch alle so ziemlich gleich in der Breite

Die Sockenwolle braucht da etwas mehr Platz.

Ich habe es nun noch einmal gewaschen.
Die Fasern werden beim Spinnen aus ihrer ursprünglichen Form gerissen und anders zusammengelegt. Damit sie in der neuen Lage bleiben und nicht etwa wieder zurück wollen, muss man das Garn entspannen. Also den Drall beruhigen und ihm erklären, dass passt schon so, wie das jetzt ist. Ich mache das normalerweise, indem ich einen Topf Wasser nehme, die Wolle dort reinlege und ordentlich einheize. Kein Angst, der Wolle passiert in dem Topf überhaupt nichts! Außer dass sich der neue Krissel beruhigt. Das gleiche macht man mit Maschenproben bevor man sich daran macht, ein Stück passend zu stricken. Auch beim Stricken wird das Garn und die Fasern darin wieder in eine neue Form gezwungen. Ribbelt man das gleich wieder auf, sieht man das dem Garn kaum an. Es wird weder fast so glatt sein, wie vorher. Wartet man eine Weile und ribbelt es dann wieder auf, bleibt das Garn kringelig. Es hat sich also von selbst mit der neuen Situation abgefunden. So lange will aber niemand warten, wenn er ja was stricken will. Also strickt man eine Probe, wäscht sie und lässt sie wieder trocknen. Erst jetzt wird eigentlich gemessen, weil das die Werte sind, die ich als Grundlage für mein Kleidungsstück brauche.

Ohne Feststecken sieht man relativ gut, dass sich das untere helle Stück ein bisschen verzieht 😮 das breite braun steht da, wie eine eins. das obere helle ist genauso grade und das braune ist zwar ein sehr schmaler Streifen, aber eigentlich auch nicht schlecht
Nachgemessen, hat sich Gan Ainm, die Gekämmte, kaum verändert, Happy aus dem Kamm ist fast einen Zentimeter schmaler. Gan Ainm, die Flockige, hat sich auch etwas zurechtgerückt und ist schmaler und auch die Happy aus der Flocke ist etwas anders dimensioniert. Denn genau, wie beim Garn, das durch das Aufploppen zwar kürzer, aber dicker wird, verschwindet auch nach dem Stricken nichts vom Garn. Das Gestrick wird in sich dicker, fluppt noch einmal und zieht den Rest halt in Richtung schmal.

Habe ich nun ein Fazit?

Happy aus der Flocke ist vom Gestrick her etwas dicker, als das aus dem Kamm gesponnene. Da muss man aber schon genau hinschauen. Zum spinnen ist das mit den Krissellocken ein Kampf der Finger, weil die gebündelten Wellen so viel Wiederstand haben, dass sie immer wieder zurück wollen in die Locke. Auch wollen sie nicht so recht aus ihrer Komfortzone, der gebündelten Welle, raus und das gesponnene Garn ist eher unregelmäßig. Der klare Vorteil liegt hier beim Kämmen. Die Fasern spinnen sich leichter und beim Kämmen haben sie sich auch überhaupt nicht aufgeladen.
Gan Ainm aus dem Kamm nimmt dem Vlies und damit dem Garn etwas von seiner Farbvielfalt und das Gestrick verzieht sich. Auch schaut das Gestrick ein bisschen ungleichmäßig aus. Ok, auch nach über 40 Jahren stricken kriege ich rechte und linke Reihen nicht gleichmäßig hin 🙄 aber bei den oberen Farben ist es ja auch schön geworden, also kann es eigentlich nur am Garn liegen 😉

Also dann: Happy kämmen und Gan Ainm nehmen, wie sie ist. Vielleicht beides ein kleines bisschen dicker, denn meine Komfortzone beim Spinnen hat sich bei ungefähr Sockenwollstärke eingespielt