Samstag, 21. September 2019

Malov

dieses Jahr habe ich mir eine Anleitung mit Material gegönnt

https://www.garnkontor.eu/epages/64103211.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/64103211/Products/VE102

Der Schal Malov von Venne, den man im Garnkontor (eben mit Material... und nur mit Material nicht nur als reine Anleitung) kaufen kann. Also gut. Die Farben haben mir sehr gut gefallen, also warum nicht. 
Als das Paket kam, war ich nur ein bisschen überrascht. Ich wusste, dass es dünnes Garn war. Aber verglichen mit Nähgarn ist es gefühlt grade mal doppelt so dick 😮
Das sind dann sehr viele Fäden dafür, dass es mein erstes Mal mit 8 Schäften sein soll. Also habe ich beschlossen, einen Test mit Sockenwolle zu machen.
Gesagt, getan. Als erstes musste ich meinen kleinen Schweden auf 8 Schäfte aufmotzen. Die Vorbereitungen waren ja schon so ziemlich abgeschlossen, es brauchte eigentlich nur noch alles zusammengesteckt zu werden. 
Wie ich das Gestell dazu baue, war eigentlich fix gelöst, ich hatte ja schon länger immermal daran rumgebastelt. Ich hatte auch schon mal einen Test gemacht mit Hebeln aus Rundhölzern, aber es war von vornherein nur ein Gegurke. 
Als ich durch Zufall im Baumarkt Leisten gesehen habe, die von einer Seite auf beiden langen Kanten abgerundet waren, stand mein Plan recht schnell fest. Und dieses Mal habe ich mich ans Zeichenbrett gesetzt! 
 und ich habe es auch sehr ordentlich ausgearbeitet. Ich bin ein kleines bisschen stolz, dass die Hebel am Ende so gut ausschauen. 
Beim Testen hatte ich mit auf die Stange fädeln irgendwie das Gefühl, dass sich die Schäfte nicht weit genug heben (oder senken) und damit mein Fach, um mit dem Schuss durchzufahren zu schmal wird, also habe ich noch einmal gestöbert und umgebaut. Mit ohne durchgehende Bolzen. 😂

Manchmal bleibt der Faden an den jetzigen Verschraubungen hängen und ich stelle fest, dass das nicht wirklich viel ausmacht an der Fachhöhe. Ich werde also nach diesem Schal wieder zurückbauen auf die erste Version! Warum? Weil ich nichts besseres gefunden habe, als Buchbindeverschraubungen. Sie sind nicht verklebt und durch das viele Heben und Senken der Hebel, lockern sie sich und meine Hebel wackeln 😒 Außerdem musste ich dafür ein Loch im Hebel aufbohren, da werde ich entweder nochmal neue Hebel machen, oder mir Hülsen suchen.

Webstuhl ist fertig, weiter gehts.
Das Kette aufziehen ging eigentlich auch recht fix. Aber als ich dann versucht habe, herauszufinden, wie nun welcher Hebel gezogen werden muss, habe ich nur Fragezeichen gesehen!
Ich habe es mir dann in meinem Webprogramm aufgezeichnet und wurde immer noch nicht schlau daraus.

Weil ich in der Webgruppe daran erinnert wurde, habe ich dort noch einmal nachgeschaut und da stand es: es ist ein Fehler in der Patrone! Aha! Kein Wunder...
Also habe ich dann im Webprogramm so lange rumgemalt, bis es aus meiner Sicht gepasst hat. Sicherheitshalber habe ich Maliz noch einmal um Rat gefragt und sie hat mir bestätigt: Es war wirklich ein böser Fehler im Muster. Nun haben wir verglichen und ich habe festgestellt, dass ich es richtig herausgefunden habe 😉🙋‍♀️ Danke Maliz, Du bist die Beste! 

Da es auch wieder eine gekaufte Anleitung ist, werde ich die Patrone hier nicht herlegen. Wer beim Nacharbeiten ein Problem hat, dem helfe ich sehr gerne. Schließlich wurde mir ja auch geholfen!
Ich bin ja ein bisschen verwundert, dass die Anleitung immer noch mit diesem Fehler ausgeliefert wird. Es dürfte inzwischen schon genug Beschwerden gegeben haben, um das zu ändern! 
Und da ist er nun in Arbeit. Ich komme irgendwie immer nur stückweise voran. Dabei geht es eigentlich recht fix. Zumal mit eben der dicken Wolle. Aber ich habe ziemlich am Anfang noch einen Fehler in der Kette gefunden. Zu spät, um diesen Faden noch einmal rauszuziehen und richtig einzuziehen. Es wäre da auch gar keine Litze gewesen. Also hebe oder senke ich diese eine Litze eben mit der Hand. 



Mittwoch, 31. Juli 2019

Katazome ist kein japanisches Reisgericht

Man könnte es zwar denken, weil Reismehl und Reiskleie mit im Spiel sind und es riecht auch gar nicht schlecht, aber ab einem bestimmten Punkt bekäme ich es wohl nicht mehr runter 😉

Katazome ist schon japanisch, aber ein Blaudruck, bei dem das "bedruckt" wird, das nicht blau werden soll. Einfach gesagt, werden die Stellen, die das Muster geben sollen mit einer Paste bedeckt, die trocknen muss, dann wird blau gefärbt und am Ende die aufgeweichte Paste wieder runtergewaschen.

In Clausberg, in der Nähe von Eisenach, gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für historisches Handwerk, die auf einem riesigen Hof mit allerlei Gebäuden, verschiedene Werkeleien betrteibt, die am Ende gut ineinander greifen. Verschiedene Leute stellen wunderschöne historische Nachbildungen her und jeder hat sein Spezialgebiet. Die Gruppe ist bemüht, auf dem Gelände so umweltschonend wie möglich zu arbeiten und sich selbst zu versorgen, ohne auf moderne Technik verzichten zu müssen. Wir wurden empfangen und betreut von Juliane. Für alle Fragen zum "Hof" hatte sie eine Antwort und hat aufgepasst, dass wir vor lauter Färben das Essen nicht vergessen.

Ein Wochenende voller neuer Informationen, die mich, auch durch die Gespräche mit den anderen Kursteilnehmern, auf noch mehr Ideen bringt, was man alles machen kann! Ein Wochenende auch, um Menschen "in echt" kennen zu lernen, die ich schon durch facebook kenne, durch ihre Arbeiten, ihre Kommentare auch zu meinen Arbeiten und die nun endlich ein Gesicht haben.

Ich werde wenig über die Einzelheiten vom Ablauf schreiben. Es ging mir um das Kennenlernen der Technik, Möglichkeiten, mit blau zu spielen und Sachen zu erfragen, die ich bisher anders gemacht habe, die aber vielleicht etwas umweltschonender sind, als ich es bisher getan habe. Wer mehr über das "Wie" erfahren will, sollte diesen Kurs bei Ulrike Bogdan buchen. Alle Teilnehmer haben einstimmig bestätigt, dass es sehr interessant war.
Auch, wenn man sich nie wieder damit beschäftigt, kann man an einem Wochenende ein paar Projekte fertigstellen, die ganz sicher ein dekorativer Hingucker sind.
Eines der faszinierendsten Sachen war unter anderem für mich, wie die verschiedenen Leute mit den gleichen Schablonen etwas komplett Unterschiedliches gemacht haben 😮

Am Samstag ging es los mit diversen Vorbereitungen. Nach nur einer angenehm kurzen Einleitung durften wir schon losmatschen. Die Paste, die auf den Stoff aufgetragen wird, muss vorbereitet werden. Und zwar mit Klößchen aus Reismehl und Reiskleie. Ich hab meins mal markiert, vielleicht finde ich es ja wieder 😉
Das Kneten ist eine ganz schön kniffelige Geschichte, der Teig muss genau die richtige Festigkeit  haben. Mit zu wenig Wasser bröselt er, mit zu viel wird er zu nass und die Klößchen zerlaufen.


Die Klößchen werden gedämpft (also richtig mit Dampf) und dann in einem geriffelten Mörser zerrieben und mit Flüssigkeit zur Paste verarbeitet.
Jeder hat ein Klößchen gemacht, gedämpft wurden aber alle zusammen. Ich habe meines sogar wieder bekommen, allerdings wurden alle zermatschten am Ende zusammen geschüttet, so dass es dann wieder verschwunden war.


Mit der fertigen Paste wird nun der Stoff versehen. Alles, das NICHT blau werden soll, wird eingeschmiert. da kann man richtig gut mit Schablonen arbeiten, was auch in Japan so gemacht wird.


♪... Schwesterlein, komm färb mit mir!
Die Schablone reich ich Dir.
Einmal hin, einmal her,
mit dem Spachtel ist nicht schwer...♫ 😁

Du hast ein paar hübsche Sachen gemacht. Wenn mich jemand zu sowas angefixt hätte, hätte ich wohl dagestanden ohne Plan und Idee. Du warst ganz schön gut vorbereitet. Hut ab!









Ich hatte unter anderem ein Stück Stoff dabei, dass ich mal zum Färben verwendet habe. Das Färbegut war darin eingebunden, was man gut erkennen kann. Der Effekt sollte sein, dass das nicht-blau einen Farbverlauf hat.
 Als ich die Schablonen gesehen habe, hatte ich so eine Patchwork-Idee. Aber um den Stoff später besser zuschneiden zu können, brauche ich einen Rand. Darum habe ich außerhalb der Schablone mit eingeschmiert. Es ist auch so eine schöne Collage geworden
 
Bei 8 Teinehmern sind 2 Wäschetrockner schnell voll. Das Wetter war auf unserer Seite und die Paste ist recht schnell getrocknet.

 
Trotzdem hat der Platz nicht gelangt und es wurde auf dem Fußboden mit ausgelegt.

Solange die Paste auf den Stoffen trocknet, wird die Farbsuppe angerührt. Indigo ist kein Farbstoff, den man einfach in Wasser einrührt und den Stoff dazu schmeißt. Man muss eine Küpe ansetzen, also mit dem ph-Wert und den verschiedenen notwendigen Zutaten so lange rumspielen, bis die Suppe richtig ist. Mit den richtigen Werten, ist das aber eigentlich nur anrühren und prüfen, passt 😉

Wir haben 4 Töpfe voll blau angerührt, 3 mit Indigo, eines mit Waid. Auch in den Töpfen sieht man schon den Unterschied  😮 Waid hat weniger Farbintensität, als Indigo bei der gleichen Menge Farbpulver. Damit muss man mehrere Färbegänge machen, oder mehr Farbstoff verwenden, um das gleiche dunkle blau zu bekommen. Und das MUSS möglich sein, denn das Erfurter blau ist auch sehr dunkel, habe ich vor ein paar Jahren in Erfurt auf der Krämerbrücke gesehen

 Eigentlich keine Frage, was ist was 🤔 Links Waid, rechts Indigo


 rühren, rühren, rühren und eine Färbeprobe machen
 Auch bei der Probe erkennt man den Unterschied zwischen den beiden Materialien

Das blaumachen kann losgehen. Was ich nicht wusste und bisher anders gemacht habe: Die Suppe kann, und soll sogar, kalt sein und man benötigt mehrere Tauchgänge, die aber recht kurz sein können. Das Beispiel mit den kleinen Krabben, die sich festkrallen, werde ich wohl nie wieder vergessen! Das erklärt es einfach wunderbar und verständlich.

 Mein Musterdruck vom Anfang sieht auch in blau sehr gut aus. 
 Wieder 2 Wäschetrockner voll. Auf dem rechten Trockner: ein gelber Seidenschal, mit Kojs an den Enden bedruckt. Dann habe ich den Mittelteil verdreht und die Enden offen gelassen. Herausgekommen sind Goldfische im Wasser. Gefällt mir saugut und ist meins 😉

nicht meins, aber das war auch eine sehr schöne Schablone.

Am zweiten Tag gings an die bunte Farbe. Dunkles blau bunt zu machen geht nicht so gut, aber man kann bunt auf weiß malen. Und damit das, was beim blaumachen nicht gefärbt wurde, oder was ganz weißes in bunt. Auch wieder mit Schablonen und Farben, die aus Eisen- und Erdpigmenten angerührt werden. Es ist nun nicht einfach nur irgendwo den Rost abkratzen und den Dreck im Garten durchsieben, sondern speziell aufbereitetes Pigment. 
Die Farbe wird dieses mal nicht mit dem Spachtel, sondern mit einem Pinsel aufgebracht, mehr getupft.



Viel mehr will ich zur Farbe gar nicht sagen, denn ich war begeistert von den Möglichkeiten und den Arbeiten von den anderen und auch ein bisschen von mir 😉

meinen sowieso schon melierten Hintergrund habe ich noch mit ein paar Farbtupfern aufgepeppt.




Heike hat das gleiche Orchideenmuster benutzt und die weißen Blüten wunderschön ausgemalt. Dagegen wirken meine Klecksereien wie von einer Fünfjährigen. Ich hoffe allerdings, wenn ich es denn später auswasche, dass es einen zarten Farbverlauf gibt und es aussieht, wie die "echte" Orchidee


Ute hat den Kirschblütenzweig mit dem Vogel auch so schön bunt hingekriegt. Bei mir habe ich den Pinsel zu tief ins bau getunkt und es ist verwaschen 😮

zweimal die gleiche Blüte, einmal von Thomi, die andere weiß ich nicht. Sie können nicht unterschiedlicher aussehen... und sind beide doch wunderschön.

Schildi und Drache sind mir recht gut gelungen, allerdings mal wieder über den Rand der Schablone gemalt 😎😂

 Mein Leinenhemd, ist auf der Heimfahrt etwas geknautscht, weil es noch nicht trocken war. Aber das Muster, das es nun hat, gefällt mir auch sehr gut! 


und eine Leinenhose habe ich zum blau färben vorbereitet, sie aber dort nicht in den Topf gesteckt, weil die wahrscheinlich zu klein gewesen wären. Also habe ich nur die Paste aufgetragen und sie so mitgenommen. Ich muss dann wohl irgendwann mal den Topf anwerfen 😊

Der absolute Hingucker waren allerdings die Muster von Ulrike. ♥ 






Und wir hatten lustige Zuschauer in luftiger Höhe...



Liebe Ulrike, das war ein tolles Wochenende mit vielen neuen Ideen. Ich habe wieder einiges dazu gelernt, dass ich ganz sicher bei dem einen oder anderen Projekt wieder aufgreifen werde.

Liebe Juliane, ich hätte wirklich sehr gerne mehr vom Rest Eures Hofes gesehen, aber nach 2 Tagen mit Farbe, war ich nicht mehr aufnahmefähig 😮
Vielen Dank für die Bereitstellung des Schulungsortes, die nette und freundliche Betreuung und Verköstigung ♥