Sonntag, 21. August 2022

alles mit der Hand - Gästehandtücher auf dem Weberknecht

Der Weberknecht soll ein Projekt werden für die offene Jugendwerkstatt in Karlsruhe. Kinder und Jugendliche sollen dort Holzbearbeitung und 3D Druck-Arbeiten betreut durchführen und anders, als das bemalte Brett im Werkunterricht (mit dem keiner was anfangen konnte), soll ein Werkzeug entstehen, mit dem man auch danach noch kreativ sein kann und soll. 

Diesen Hintergrund habe ich mir vorgenommen, um ein Webprojekt zu erstellen, bei dem man alles mit der Hand erledigen kann, ohne im Nachhinein noch mit einer Nähmaschine säumen zu müssen. Gleichzeitig ist es schnell genug gemacht, damit man auch zeitnah ein Ergebnis sieht und mit relativ dickem Garn. Es werden Gästehandtücher. Die kleinen "Lappen", die man für Besucher hinhängt.


Verwendet habe ich meinen "Shorty" Weberknecht. Er ist immer noch in der Testphase, ob 10cm länger oder kürzer einen Unterschied machen. Die Webdichte ist 40/10, die Kettlänge 2,30m. Als Kette und Schuss dickes Baumwollhäkelgarn mit 115m/50g. Das sind die kleinen Knäule mit dem richtig fetten Faden. Der Rahmen ist 25cm breit und die Handtücher sollten in etwa doppelt so lang wie breit werden.

Das Muster heißt "Turned Taquete" und ist eine Art Schattengewebe, bei dem immer 2 kontrastrierende Farben zusammengepackt werden, um diesen Schatteneffekt zu erzeugen. Gewebt wird einfarbig in den einzelnen Segmenten.

Ich habe viele Bilder gemacht, weil ich gleichzeitig an der Anleitung zum Einrichten an unserem Weberknecht schreibe. Es war ein sonniger Tag und ich weiß immer noch nicht, ob ich die Bilder überhaupt verwenden kann, denn ich bin noch gar nicht dazu gekommen, die Anleitung anzufangen, geschweige denn, überhaupt die Bilder zu betrachten.

Angefangen mit den Handtüchern habe ich mal wieder am Computer. Vorher bin ich durch mein Baumwollgarnlager gegangen, um zu schauen, was für Farben ich habe. Dann kann ich die am Computer gleich testen. Heute wird das keine Schritt für Schritt Anleitung zum Nacharbeiten, sondern "nur" das Zeigen von speziellen Schritten, um die Projektanleitung etwas besser verständlich zu machen.

Im Prinzip ist das Muster ein bisschen baukastenartig. Die Kette kann man zwar nicht ändern, aber beim Schuss kann man die Blöcke variieren, so dass man unterschiedliche Gesamtbilder erhält

Das Muster habe ich für den Weberknecht so transformiert, dass man die Musterscheiben 1:1 so aufstecken kann und auch die Schüsse mit den Einstellungen an der Walze zusammenpassen. Man kann die Patrone (das kleine Kästchen unten rechts) auch drehen, spiegeln oder auch auch oben oder links setzen, aber die Walze wird von rechts nach links bestückt und beim Weben setze ich einen Schuss über den vorherigen. Deshalb unten rechts.

Die Kette habe ich für ohne Fransen wieder mit einem Hilfsfaden am vorderen Peitschenstab befestigt. Der Kettabfall ist da sehr gering.


Als nächstes 3 Schüsse mit dickem Garn, um die Abstände gleichmäßiger zu verteilen. Ich habe da viel bei Kate von Ashford abgeschaut, die das sehr schön, einfach und verständlich erklärt. Wenn man den Ton ausschaltet, kann man sich auch sehr gut auf die Handgriffe konzentrieren. 
zuerst die 3 Schüsse in (normalerweise) Leinwandbindung einlegen, dann alle 3 miteinander anschlagen. Ich habe wegen dem dicken Garn die Aufteilung etwas gröber gewählt und immer 2 Fäden zusammengelegt.

für den Saum dünnes Baumwollhäkelgarn in 2 Leinwandschüssen, einen langen Faden (ca. 4x Webbreite) außen hängen lassen und mit diesem im überwendlichen Stich den Anfang sichern. Ich habe ihn hier in entgegengesetzter Richtung gemacht, so dass die beiden Reihen wie ein kleiner Zopf aussehen. 

wenn der Saum gewebt ist oder bevor man anfängt, das Gewebe auf den Warenbaum zu wickeln, ziehe ich die dicken Anfangsfäden, die als  Ganzes noch am Knäuel hängen, wieder heraus. 

Und dann kann das Weben losgehen. Den Saum habe ich 20 Schüsse hoch gewebt, das sind so etwa 5cm. Für die Muster habe ich ausnahmsweise ein Bandmaß mitlaufen lassen, weil ich ja eine Angabe für Projektdatei brauchte. Mit einer Farbe habe ich dann 25cm gewebt, dann die Farbe gewechselt, wieder 25cm im anderen Muster gewebt und am Ende wieder 20 Schüsse für den Bund gemacht. 2 Schüsse zusätzlich, die ich wie am Anfang mit dem überwendlichen Stich gesichert habe. Normalerweise reicht dafür eine Reihe, aber ich fand dieses Zopfmuster so hübsch 😉 Noch einmal fest anschlagen, damit das schön zusammengeschoben ist. Den dünnen Schussfaden kann man hier mit einem kurzen Ende abschneiden, er muss beim nächsten Tuch wieder ein langes Stück überstehen haben, um den nächsten Anfangssaum zu sichern.
Dann habe ich mein Maßband (ein Papierband aus dem Baumarkt) als Schuss eingelegt und wieder 2 Schüsse, die mit dem überstehenden Faden gesichert werden.
Den Saum weben, das Handtuch und das Ganze noch ein drittes Mal. Ich hätte beim dritten Handtuch die Streifensequenz ändern sollen, anstatt einfach nur die Farben vom ersten auszutauschen. Zumindest hängen sie nun so rum, dass die Farben auf dem Kopf stehen. 🤷‍♀️ 
Das Maßband kann, genau wie die dicken Fäden am Anfang, nach ein paar Schüssen wieder rausgezogen werden. Ich brauche es, um beim nächsten Handtuch die Länge abzumessen.

Wenn das Ende der Kette erreicht ist, der dritte Saum gesichert, kann man die Kette abschneiden. Die Kettreste nicht wegschmeißen!
mehr geht nicht zu weben. Wie bei einem normalen Webrahmen, wo sich das Fach irgendwann nicht mehr richtig öffnet, drücken hier die Fäden auf die Kettheber. Um die Musterscheiben nicht zu beschädigen, ist es besser, rechtzeitig aufzuhören.

Kettreste, ca 30-40cm lang, weil sie um den hinteren Peitschenstab geschlungen wurden.

3 Handtücher am Stück. Der Tisch ist grade lang genug 😎

schön zu sehen, die freie Fläche, wo das Maßband drinlag

hier werden die Handtücher nun getrennt

die Webanfangsfäden nach innen legen

den Saum umschlagen
und ein zweites Mal umschlagen. Ich habe den ersten Saum mit dem Schussfaden vom Saum festgeheftet. 

weil mir das aber mit 3 Lagen sehr dick war, habe ich die Fläche noch mit einem Zierstich bestickt und die äußeren beiden Randschüsse auch noch einmal zusätzlich übernäht.

Jetzt kommen die Kettreste zum Zug. Letztes Weihnachten hatte ich mir ein Spielzeug zum Kordeln gekauft und damit auch schon Bänder für meine Küchenhandtücher gemacht. Aber jeder hat halt nicht so ein Spielzeug, es musste eine Lösung ohne Hilfsmittel her. Die bunten Farben der Kettreste haben mir mal wieder zur rechten Zeit eine Idee beschert. 

von 4 Farben je 2 Fäden geschnappt

Am Anfang eine feste, aber lösbare Schlaufe gemacht und an der Klammer zum Webrahmen befestigen eingehängt und dann einen 4strandigen Zopf geflochten bis die Fäden sich nicht mehr flechten lassen. Die Schlaufe vom Anbinden wieder lösen

diesen Zopf mit einer relativ großen Schlinge nach außen stehend auf den noch offenen Saum legen (ich hasse es, wenn ich bei einem Handtuch erst die Minischlaufe suchen muss um sie dann über einen Haken zu fummeln!)  Die losen Enden des Aufhängers sind irgendwie ungleich lang, aber das macht nichts.
Und jetzt wird der Saum wieder 2x umgeschlagen nur eben mit dem Aufhänger darin 

Weil es diesmal etwas dicker ist und auch der Aufhänger im Inneren nicht verrutschen soll, habe ich das Ganze diesmal mit Stecknadeln befestigt. 
der Zierstich hat hier gleich noch einmal die Zusatzfunktion, die Fäden in der Mitte zu fixieren. Und weil der Aufhänger fast über die ganze Breite einliegt, hält er auch bombenfest.
Die eingewebten Fäden lasse ich immer bis nach dem Waschen überstehen und schneide sie erst danach ab.
Ich habe beim Saum sichern nicht nur mit unterschiedlichen Mustern gespielt, sondern auch mit einer anderen Farbe. Wenn ich eine Naht nicht verstecken kann, warum sie nicht  betonen?

Die Handtücher sind inzwischen schon im Einsatz gewesen. Als ich mir das erste Mal daran die Hände abgetrocknet habe, fand ich sie fast zu klein, aber was sollen sie machen? Der Besucher soll sich einmal, vielleicht 2 oder 3x daran die Hände abtrocknen und dafür sind sie auf jeden Fall gut. Das kribbelbunte macht sie zu einem Blickfang im Bad. Ich finde sie lustig und wenn ein Kind sowas für mich gefertigt hätte, wären sie mir sehr wert! ♥ 




Sonntag, 12. Juni 2022

Geht looohos! - Startschuss für den Weberknecht

 Es kann losgehen, wir haben den Grundstein für den Bau des Weberknechts gelegt.

Um es vorweg zu sagen: Wir wollen das Teil nicht 100fach verkaufen und Geld damit scheffeln. Das Projekt Weberknecht ist ein Open Source Hardware Projekt. Was heißt das? Das heißt, wir verlangen kein Geld für die in das Projekt gesteckte Arbeit. Alle Daten, um ihn nachzubauen sind frei zugänglich. Es gibt Zeichnungen für die Holzteile, Bohrschablonen, um dort einige der Bohrungen anzuzeichnen, 3D-Druckdaten für alles, was auf dem 3D Drucker gemacht werden muss liegen als *.stl vor. Es ist eine Kombination aus Holzbearbeitung und 3D Druck, die man auf jeden Fall parallel laufen lassen kann. 

Die Daten können auch gerne von jedem angepasst werden. Einzige Bedingung ist die Namensnennung des Urhebers, eine nicht kommerzielle Nutzung und Weitergabe unter den gleichen Bedingungen (nachzulesen auf dem link)

Wir wissen, dass nicht jeder einen 3D Drucker zu Hause stehen hat, oder die Möglichkeit oder das Geschick, Holzbearbeitung durchzuführen. Für dieses "Problem" haben wir schon einen guten Gedanken, aber der muss noch zu Ende gedacht und vor allem zu Ende gerechnet werden, denn hier geht es nicht mehr kostenlos.

Der Grundstein beinhaltet den Bau des Rahmens in 4 Breiten: 10cm (auch wenn  man denkt, des braucht doch keiner, ist es nicht ganz unnütz!), 25cm (eine sehr schöne Schalbreite und halbwegs schnell genug beim Drucken der Musterplatten), 40cm (wenns mal etwas mehr sein darf, auch Schals in der Breite sind noch gut tragbar) und 60cm (für Enthusiasten, die angefixt sind), sowie Musterplatten für die Webbreiten 40/10, 50/10 und 60/10. 

Geplant sind noch Platten für gröberes Garn, angefangen mit 10/10, 20/10 und 30/10, aber auch für feineres Garn wie 70/10 und 80/10. Es wird auf jeden Fall weiter getüftelt und es wird immer wieder ein paar Neuerungen geben, komplette Projekte werden vorgestellt, damit man sehen kann, was alles so möglich ist.

Was ist eigentlich alles möglich? Nun, leider nicht JEDES 4schäftige Muster, wie ich inzwischen feststellen musste. Zumindest nicht so ohne weiteres. Die Standard Musterplatten haben hintereinander liegend 2 Kettheber und zwei Leerstellen. Viele Muster kann man so nicht 1:1 übertragen, aber ziemlich viele so transformieren, dass es trotzdem klappt. Aber bei manchen Mustern bräuchte es halt 3 Kettheber, oder zwei, die sich diagonal gegenüber liegen. Das gehört dann zu den updates, es soll ja nicht langweilig werden 😉

Im letzten Post hatte ich geschrieben, der Rahmen soll noch kürzer werden. Wenn das Holz für die Seitenteile nur 1m lang ist, die Teile aber 60cm Länge haben, bräuchte man 2 davon. Diesen Kostenfaktor wollten wir halbieren und Gerd hat einen Rahmen gebaut, der nur 50cm lang ist. Bespannt mit Cottolin ist er beim Weben nicht gut zurecht gekommen. Nun ist Cottolin eine Mischung aus 2 ziemlich unelastischen Fasen, Baumwolle und Leinen. Spannt man 2 Fäden zusammen und hebt einen davon, hängt der andere etwas durch, weil er sich nicht zusammenzieht. Und hier hing die Krux. Gerd hat mir den Rahmen geschickt und nun bin ich am probieren, ob es an den fehlenden 10cm Länge, oder am Garn oder nur an der Aufwicklung hängt?

Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass nach dem Schuss und vor dem anschlagen die unteren Kettfäden leicht verschoben sind. Beim Anschlagen begradigt sich das wieder, aber ein durchhängender Faden ist eine potenzielle Hängenbleib-Stelle

Cottolin Garn habe ich genug da, auch andere Farben, als die aufgezogene, nur habe ich inzwischen das Gefühl, es gibt hier Unterschiede nicht nur in der Qualität, sondern auch in der prozentualen Zusammensetzung. Ich kann mich mal wieder täuschen, aber unterschiedlich schauen meine beiden Garne schon aus. Zumindest hat jeder Hersteller seine eigene Qualität, das kenne ich schon von Klöppelgarn. 

Um den "Shorty" nun zu testen, habe ich also hellgrünes Venne Cottolin auf eine meiner Ashford Spulen gewickelt, fest in dem Glauben, die passt in jedes Schiffchen, das eine Öffnung hat, die groß genug dafür ist. Ähm, ja. Das ist soweit nicht falsch, habe ich ja auch schon beim Gatterkammwebrahmen gemacht. Allerdings habe ich nicht bedacht, dass das Fach zwar groß genug ist, um ganz gut ein Schiffchen oder Schützen zu verwenden, aber Platz für Extrawürste ist nur bedingt.  

Diese Schütze hatte ich gestern schnell bei der Hand, bei den beiden kleineren sieht man schon, dass die Spule selbst anstößt. Bei dem großen dachte ich: jo, geht.

allerdings schaut bei allen die Spule oben raus und stößt damit an den oberen Kettfäden an. 😕

das Ashford Schiffchen wäre perfekt, nur leider ist es im anderen Weberknecht gefangen

komplett im Bett versunken, würde es perfekt funktionieren. nun ja, beim nächsten Mal 😉

Ich habe also ein bisschen getrickst. Ich hatte noch ein 4. Schiffchen, dass ich aber ausgeschlossen hatte, weil es Rollen unten hat. Das Fach für die Spule ist groß genug, dass diese nicht anstößt und wenn ich es nur flach halte, wenn ich meinen Randfaden fange und es dann hochkant stelle, habe ich für diese Kette einen Zusatzeffekt: dadurch dass beim Hochstellen unten ein schöner großer Bogen ist, werden die unteren Kettfäden nach unten gedrückt und bekommen dabei gleich wieder ein bisschen Spannung. Die Spitze zeigt leicht nach oben und ich schiebe das Schiffchen eh immer so durch, dass ich mit der Spitze eher oben, als unten langfahre. Alles schick, genug Platz, um ohne Probleme zu weben. Und es springen auch keine Fäden aus den Schlitzen. 
Randfaden fangen. Es spielt keine Rolle, ob ich am Anfang oder am Ende darunter schieße, nur denke ich speziell in diesem Fall, ist es so einfacher.
und gleich nach dem Fangen das Schiffchen hochkant drehen. Läuft. 👍💪


Dann kann ich ja loslegen. Ich habe ein Stück mit dem eingestellten Muster gewebt, ist ein schöner Köper, aber um mit anderen Drehfolgen andere Muster zu erreichen, war ich dann doch zu faul. 😂
Ich habe stattdessen später die Walze herausgehoben und die Platten mit einem anderen Muster aufgesteckt. Dafür habe ich die Platten von der Walze genommen und so, wie sie waren in mehreren Stapeln aufgestellt. Gerd hatte einen Farbmix aufgezogen und ich hatte die Stapel farblich getrennt. So π x Daumen war das Verhältnis 1/3 zu 2/3, also 4 Scheiben eine Richtung, 8 Scheiben in die andere. Es ist auch ziemlich gut aufgegangen und ich hatte am Ende nur 8 Scheiben übrig, diese habe ich mit je 4 Scheiben auf die Ränder verteilt und damit diesen Musterstreifen um einen Mustersatz verbreitert.

Das Wiedereinsetzen der Walze geht ziemlich problemlos. Zum Entfernen muss man die Kette soweit lösen, das man die Walze herausheben kann. Die Kette kann dann so liegen bleiben, bis man die Walze wieder auf den Rahmen legt.
Die Kettfäden wieder in die Schlitze zu legen geht für mich am schnellsten mit einer Häkelnadel. 

zum Raus- und wieder Reinheben muss man die Kettfäden mit der Hand anheben, damit sie sich nicht in der Walze verhakeln

nach dem Wiedereinsetzen der Walze, die Kette leicht spannen

mit zwei Händen geht das noch schneller, als mit nur einer, wenn man mit der anderen die Kamera halten muss  😁

Und dann kanns schon weitergehen.

Ich muss die Kette recht fest spannen, sonst hängen mir auch die gehobenen Fäden leicht durch und verschieben sich beim Schießen, das verursacht leichte Kettverschiebungen am Streichbaum. Ich könnte sie wieder grade schieben, wenn ich weiter gedreht habe, aber ich lass sie mal so. Mal schauen, wie und ob sich das beim Waschen wieder ausgleicht. Es bleibt spannend.

Samstag, 30. April 2022

Weberknecht

 Nein, ich mag immer noch keine Spinnentiere und vieles, was mehr als 4 Beine hat.

Der Weberknecht ist eine Idee, die es schon in verschiedenen Versionen und Varianten gab. Man findet heute noch vereinzelt und mit einigem Suchen solche Geräte zum Verkauf, denn scheinbar will jeder seines behalten. Umso verwunderlicher, dass die "Produktion" immer wieder eingeschlafen ist.

Und was ist das nun?

Wie der Name schon andeutet, geht es ums Weben 😉 War ja mal wieder klar! Tja, und was ein Knecht ist, weiß so ziemlich jeder, auch wenn dieser Beruf wohl auch ausgestorben ist... Es ist also ein Teil mit dem man weben kann.

Zuerst entdeckt habe ich es mal wieder bei Maliz. Ich frage mich ja immer wieder, wie sie an solche Sachen kommt. 😎 Wenn ich bei ebay, oder den Kleinanzeigen oder auf dem Marktplatz auf die Suche gehe, finde ich nur Schulwebrahmen, die jeder wieder loshaben will. Aber diesmal war es was ganz anderes. Hatte ich so noch nie gesehen, aber es schien irgendwie simpel, wenn man das so klein verpacken kann. Bei Marlies fand sich reichlich Hintergrundinformation und es entspann sich über die Kommentare eine wahre Quelle an Informationen. Neues Futter, um auf die Suche zu gehen.

Wer jetzt nicht erst 20 andere Beiträge lesen will (auch wenn diese sehr interessant sind und eigentlich alles erklären), beim heutigen Weberknecht handelt es sich um eine Kombination aus einem Masterweaver Loom, dem japanischen Spielzeugnachfolger Tomy und der Version, die Quelle mal verkauft hat, ohne einen Hersteller anzugeben.

Das Coole an der Geschichte ist, dass man ohne x Schäfte, die man an einem großen Webstuhl zum Muster weben braucht, an einem Webrahmen mustern kann, wie mit einem Webstuhl! 😮 Was mich an diesem und allen anderen Bildern irgendwie gestört hat, war die scheinbare Begrenzung der Kettlänge. 🙄 Die Kette wird beim Maseterweaver und auch bei dem Quelle Rahmen endlos um zwei Holme geschlungen und wie beim Bandweben immer weiter geschoben und irgendwann kommt man dann wieder am Angang an. 

Der Tomy ist schon cleverer, er hat einen Kett- und Warenbaum, wie ein Webrahmen, auf dem man selber bestimmen kann, wie lang die Kette sein soll. 
Ja, ich habe einen in Japan gefunden, der als "schlechter Zustand" beschrieben war. 😎 Weil ich ihn eigentlich nur zum Untersuchen haben wollte, war mir der Zustand eigentlich egal. Erfreut habe ich aber festgestellt, dass er einfach nur schmutzig und ausgebleicht war 🤩

Masterweaver und Tomy können Muster für 8 Schäfte, der Quelle Rahmen "nur" für 4 Schäfte.

Marlies hat dann (nicht nur für mich) ihre Walze auseinander genommen, vermessen und mir die Maße geschickt und mit meinen nicht  kommerziellen Möglichkeiten habe ich mich ans Nachbauen gemacht. Also angefangen nur vom Bild, die Maße grob geschätzt anhand der Angaben, die ich auf dem Blog rausgelesen habe.  

Herausgekommen ist eine ziemlich gute Kopie, die ich als Basis hergenommen habe. Einziger Unterschied: Die Aufnahme in der Mitte sah etwas kompliziert aus, also habe ich es für einen einfachen 4kant Holzstab geplant.


Die Beschriftung habe ich erst viel später hinzugefügt. Erstmal ging es darum, ob das wirklich so einfach zum Nachmachen ist!?

 
Also drucken auf dem 3D Drucker und auf einer Achse zusammenstecken schien ganz einfach. 😮
Ein ganz schönes Provisorium hatte ich da zusammengebastelt. Ein kleiner Erla-Webrahmen, so grade mal 15cm breit. Viel zu leicht und alles viel zu wackelich. Aber es hat funktioniert! 

Also funktionieren tut es schonmal, aber da gibt es noch einiges zum Verbessern! Marlies hat mich an diese eine spezielle Gruppe auf facebook erinnert, die sich nur mit dem Masterweaver beschäftigt und flugs bin ich dort beigetreten. Ein Muster hatte ich ja schonmal zum Zeigen 😊

Und dort habe ich Gerd getroffen. 
Er schien genauso verrückt nach Details zu sein, wie ich. 😎 Ziemlich schnell haben wir einen Draht zueinander gefunden und uns außerhalb von facebook verabredet... also virtuell! 

Marlies hat sich intensiv mit den Möglichkeiten beim Weben mit dieser Art von Werkzeug beschäftigt. Welche Muster sind möglich, kann man das Muster zwischendrin ändern, wie kann man das Gerät am effektivsten benutzen, ohne x verschiedene zusätzliche Schritte und Werkzeuge. Gerd und ich sind die Tüftler, die versuchen, alles so einfach wie möglich zu halten, damit man es ohne großen Aufwand nachbauen kann. Und doch soll es so viel wie möglich abdecken. So ein bisschen nach dem Prinzip eierlegende Wollmilchsau. Wobei ich mich so ein bisschen um die Variante Nutzung auf einem bestehenden Webrahmen konzentriere und Gerd an einem kompletten Rahmen "bastelt". Er betreut junge Menschen in einem Verein, wo sie in einer Werkstatt verschiedene Prozesse kennenlernen und auch viel selber machen und dabei lernen können. Darum gibt es dafür ein Projekt, bei dem nicht nur mit einem 3D Drucker rumgespielt wird, sondern auch die Holzarbeiten komplett mit selber gemacht werden sollen. Das finde ich super! Da bin ich gerne dabei und freue mich, das Marlies uns hier mit ihrem Fachwissen unterstützt. 

Ab jetzt ging es los mit Änderungen, Verbesserungen, Optimierungen. Gerd ist, unter anderem, ein 3D-Druck-Fuchs. Ein kleines bisschen zu passgenau, aber das kriegen wir schon noch hin 😉

Meine runden Scheiben waren zu dick, zu groß und haben zu lange beim Drucken gebraucht. Außerdem ist 30/10 eine Webdichte, die man fast nur mit relativ dickem Garn beweben kann. Es musste also was kleineres, aber genauso effektives, für eine höhere Webdichte und schneller zu drucken her. Und dann ging es bei mir Schlag auf Schlag 


Zuerst einmal weg von rund zu viereckig (Gerds Idee)

beim ersten Aufstecken habe ich schon gemerkt, man muss jede Scheibe genau anschauen, um zu sehen, welche Position man einstellen will. Gerd hat dann ziemlich schnell an den Seiten Markierungen angebracht, das habe ich so übernommen, weil es einfach praktisch ist. Ist ja auch beim Masterweaver und Tomy so.

ich hatte dann immer irgendwie das Problem, dass die freigehaltenen Stellen beim Überdrucken durchhängen und überlegt, nur einen schmalen Ring zu nutzen, anstatt die volle Fläche. Gerd hatte für den Mitteldurchmesser schon eine Stütze eingeplant, die die große Fläche verkleinert hat. Am Ende haben wir an beiden Stellen den schmalen Ring eingearbeitet und haben nun keine großen Flächen mehr zu überbrücken

meine Scheiben waren 1,5mm dick, damit genug Platz ist, um die Aussparung tief genug zu halten, so dass die Gegenseite komplett eintauchen kann. Nachdem ich eine Walze für 40cm voll hatte, bin ich nochmal mal ans Zeichenbrett und habe ein bisschen geschoben: Die Platte ist nun noch etwas dünner, dafür sind die Freiräume zwischen den Platten etwas größer. Besser für das Garn. Und weil sich bei manchen Drucken eine Ecke etwas angehoben hat und dort der Kettfaden versucht herauszuspringen, ist der breitere Schlitz nochmal ein positiver Effekt. 

Um einen guten Vergleich zu bekommen, damit wir alle die gleichen Voraussetzungen haben, hat sich Gerd and werkeln gemacht und einen ersten Prototyp-Rahmen gebaut. Weil Marlies ja schon einen Rahmen hat, den wir als Ursprung hergenommen haben, bekam sie das erste Modell, um vergleichen zu können, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Sie hat auch fleißig getestet und beschrieben. So hat jeder von uns seine eigene Sichtweise auf das Projekt und das Zusammenspiel von uns dreien wird, denke ich, ein ordentliches Ergebnis bringen.

Meine ursprüngliche Idee ist ja immer noch, diese Webwalze auf meinen Ashford Rahmen zu verwenden. Dafür muss ich ein bisschen was anpassen, damit die Walze oberhalb von Kett- & Warenbaum sitzt, weil sonst die Fäden nicht dort sitzen, wo sie sollen, oder gar nicht erst in der Walze landen.
Meine bautechnischen Energien gingen also in diese Richtung. Auch hier wieder ein bisschen improvisiert, um das Rahmenkonstrukt zu testen und vielleicht ein paar Ideen zu sammeln, wie man es auf anderen Rahmen anpassen könnte. Natürlich mal wieder mit wenig Aufwand und der Möglichkeit, jederzeit wieder auf  Weben mit dem Webblatt umzurüsten. 

ein Halter für meine Walze. Zum Bäumen mit einem Silkonband am Drehen gehindert. Beim Weben kommt das natürlich wieder runter. Noch nicht genug Platten, um eine 40cm breite Walze komplett zu bestücken, aber irgendwann war meine Geduld zu Ende und ich musste einfach mal anfangen. Durch den Halter kann ich natürlich nicht mit der Walze anschlagen. Das war zu diesem Zeitpunkt aber auch nicht wichtig. Angeschlagen habe ich mit der Webnadel, die ich extra so bewickelt habe, dass eine Seite frei geblieben ist. Walze in die nächste Stellung drehen, Webnadel einlegen, anschlagen, durch schießen, weiterdrehen...
Das Pinwheel-Muster wollte ich schon soo lange mal weben.
weil ich von Hause aus ja doch eher ungeduldig bin, aber mit so kleinen Schnipselmustern auch nicht so recht was anfangen kann, sind für mich solche Loops das perfekte Testobjekt. Ein Muster, bei dem man genug Zeit hat, um sich eine Routine anzugewöhnen und das groß genug ist, "um was nützliches zu werden", aber schnell genug fertig, dass mir nicht die Puste daran ausgeht. Nach dem ersten Waschen war ich noch der Meinung, etwas dichter hätte es schon sein können. Aber inzwischen ist er ein zweites Mal gewaschen und hat seine volle Schönheit entfaltet.  

Bis dieser Loop fertig gewebt war, ist der Drucker Runden gelaufen und hat mir mit jeder Charge einen Zentimeter mehr für meine 40cm Walze gebracht. Immer noch nicht komplett, aber schon ein bisschen breiter, musste nun ein Köper her und zwar ein Fischgratköper. Beim ersten Mal mit einem neuen Werkzeug stelle ich mich immer sehr umständlich an. Sachen, die ich normalerweise ohne nachzudenken handhabe, sind auf einmal ganz anders. Da bindest man auch schonmal die Kette am Warenbaum an, weil der Rahmen falschrum steht. 😂 Ich habe es noch rechtzeitig gemerkt und habe alles noch einmal abgewickelt.
schon etwas breiter und als Loop, der eh doppelt geschlungen wird, durchaus auch tragbar 

 
das mit den Fransen vorne gefällt mir einerseits, weil ich damit keine Naht verstecken muss, andererseits ist es meiner "Faulheit" geschuldet, die Enden überhaupt zusammenzunähen. Es werden nämlich einfach die Fäden von beiden Enden zusammengedreht. Keine Naht und Fransen will ich am Schal ja sowieso 😉

Der zweite Proberahmen, den Gerd gebaut hat ging dann an mich mit einer Walze für Webdichte von 60/10 und ich habe gleich losgelegt. Ein Garn, das eigentlich die perfekte Stärke gehabt hätte, aber ich bin nicht die einzige Ungeduldige und so hatte sich eine defekte Platte auf die Walze gemogelt, die mir dauernd den Faden zerrissen hat. Nach dem 3. Mal reparieren hatte ich darauf keine Lust mehr und habe die Walze auseinander genommen, die defekte Platte durch eine neue ersetzt und weiter gewebt 😋 Zwischendrin habe ich immer wieder mal entdeckt, dass sich auch Schussfehler eingeschlichen haben, weil die Kette nur so larifari geschärt wurde und dadurch nicht alle Fäden die gleiche Spannung hatten, oder ich nicht fest genug, oder zu fest gespannt hatte. Passend zu all dem, war 10cm vor Schluss das Knäuel mit der Schussfarbe alle und ich wollte extra dafür kein neues aufmachen. Vom Kettfaden war noch was über, also habe ich kurzerhand damit weiter gewebt. Die Fransen habe ich noch geknüpft, aber dann ist er doch etwas lieblos in einer Schachtel verschwunden. Fehler zeigt man halt nicht gerne her. 🙄 Aber wenn man daraus lernt, ist es wenigstens doch noch für etwas gut. Eigentlich ein Diamantköper, aber der Diamant lässt sich so recht nicht blicken.


Mit 60/10 und dem richtigen Weberknecht habe ich dann auch gleich die nächste Kette aufgelegt. Diesmal ein bisschen länger und mit einem Muster, das auch auch sehr mag. Huck Lace mit Leinwandbindung. Einmal mehr habe ich in eine Tüte mit Garn gegriffen, das ich geschenkt bekommen habe und wohl doch nie verarbeiten würde. Ein rostbraunes Dralon-Garn in der Kette und als Schuss ein Baumwollhäkelgarn in beige. Beide passen sowohl in der Farbe, als auch in der Stärke gut zusammen und nach einigen Mustersätzen sieht es auch auf dem Rahmen sehr hübsch aus. Ich bin sehr zufrieden! Das Weben geht inzwischen ganz gut von der Hand, es ist ein schöner Bewegungsrhythmus zwischen drehen, schieben zum Anschlagen, weiterdrehen und schießen. 

Im Moment ist der Weberknecht nach hinten raus recht lang und er ist noch nicht an dem Punkt, wo wir sagen, jetzt isser zum Nachbauen freigegeben, aber wir sind in doch recht kurzer Zeit zu einem nutzbaren Ergebnis gekommen, so dass ich sicher bin, das wird nicht mehr lange dauern. 

Weberknecht (hinten) vs Tomy Rahmen, das Spielzeug aus Japan. Ganze 10cm kürzer, die wir auch noch umsetzen

Bei meinem aktuellen Muster habe ich mal versucht, das Muster so auf die Walze zu bringen, wie die Webpatrone für einen Webstuhl dafür aussieht. 
 
Leider kommt dann bei der Umsetzung in der Webfolge ein anderes Muster heraus. Mehr noch gibt es in dieser Einstellung keine 2 Stellungen der Webwalze für eine Leinwandbindung, sondern nur eine.
Darum sieht meine Patrone für die Walze auch so aus:

auf der Walze schaut das Ganze dann so aus. Die Nummern unterhalb des Musters sind für die Reihenfolge, wie die Platten zu stecken sind, die Zahlen links geben die Walzenstellung an. Für mein Muster habe ich die Huck-Muster in 5er Gruppen angeordnet mit 8 Fäden in Leinwand dazwischen. Dafür muss man beim Aufstecken und Walzendrehen einfach die entsprechende Folge wiederholen. 


Inzwischen gibt es schon jemand mit einem Ashford Webrahmen, der das Walzenweben gerne ausprobieren möchte. Sozusagen ein externer Tester. Allerdings ist der Rahmen 80cm breit und damit würde die Walze recht schwer. Ich habe also nochmal ein bisschen geschoben und die Platten für einen kleineren Vierkant geändert, so dass noch ein bisschen Gewicht gespart wird. Nun drucke ich fleißig, denn es müssen 320 Scheiben in 40/10 her 😎

Mit dieser Webwalze, ob nun mit dem Weberknecht oder auf einem Rahmen, den man schon hat, sind allein so viele Möglichkeiten vorhanden. Alles, was mit 4 Schäften und 4 Tritten gewebt werden kann, kann hier umgesetzt werden. Und mein Gehirn springt von einer Idee zur nächsten. Trotzdem werde ich einmal meine Ungeduld zum Abschweifen zügeln, bis wir and dem Punkt für den Startschuss sind. Ich muss auch noch meine Idee für die Rahmenanpassung an bestehende Rahmen testen. Bin also gut beschäftigt. 😁