Montag, 30. August 2021

Schals auf dem Webrahmen

Um einen Schal zu weben greife ich inzwischen fast ausschließlich zum Webrahmen. Er ist einfach schneller bespannt und auch wenn man einen Schal nicht um den Hals wurschtelt (so wie ich), weil er wärmen soll, sondern ihn als dekoratives Element verwendet, gibt es immer noch viele Möglichkeiten, die mit dem Webrahmen möglich sind. 

Ich habe mehrere Webrahmen, 2 Ashford Rigid Heddle mit 40cm und 60cm Webbreite und diverse (ungezählt, weil ich sonst Ärger bekomme) Schulwebrahmen mit Kamm. Als letztes ist mir ein weiterer Ashford 40cm gebraucht zugelaufen mit relativ viel Zubehör. Meiner war gerade verliehen und hat irgendwie den Weg nicht nach Hause gefunden. Also habe ich mir diesen "zum verleihen" geholt.

Es ist mir aufgefallen, dass er gar nicht so ein Spannsystem hat, wie die aktuellen, sondern nur ein Haken in das Zahnrad greift. Ich habe mir für die anderen Rahmen schon so ein Set mit Sperrzähnen gekauft, die einrasten, habe aber beim Probeweben mit diesem Rahmen gemerkt, dass sich die alte Version viel besser webt! Um die Sperre am Warenbaum zu lösen, muss man einfach nur ein bisschen den Kettbaum leicht nachziehen, dann geht der Zahn auf und die Bremse ist gelöst. Ich kann vorne aufwickeln. Wenn es genug ist, drücke ich einfach den Warenbaumzahn wieder nach unten und sobald wieder Zug auf der Kette ist, zieht der sich von alleine wieder in das Zahnrad. Der arretierte neue Haken war manchmal etwas schwer zu lösen. Zumal bei 60cm Webbreite ist das Ganze noch mal ein Stück weiter weg. Nicht ideal für kurze Arme.

Also habe ich mir die Maße von dem Zahn abgemessen und zwei neue gedruckt. Mein Rahmen hat seinen Urlaub beendet und auch die liebe Dame, die ihn hatte, hat "beklagt", dass das weiterdrehen der Kette so schwer ist und immer eine helfende Hand benötigt. Da ich die alte Version inzwischen ausprobiert hatte, konnte ich ihr mit gutem Gewissen den neuen, älteren Rahmen überlassen und habe meinen Rumtreiber auch mit solchen Haken ausgestattet 😉 

Die Position für den neuen Haken habe ich nicht irgendwie ausgemessen, sondern einfach geschaut, an welcher Stelle der Zahn am besten in das Zahnrad greift. Markiert, ein Loch gebohrt und den Haken angeschraubt. Das Wichtigste ist, denke ich, ihn nicht zu locker zu lassen, damit er nicht immer wieder in das Zahnrad fällt, wenn man beim Bremse lösen nicht will, dass er dauernd arretiert. Beim Bespannen könnte das zwar hilfreich sein, aber da stehe ich sowieso hinter dem Rahmen und kann ihn bei Bedarf mit der Hand einrasten lassen.

der neue alte, aufgepeppt für ein zweites Webblatt (das es allerdings nicht gebraucht hätte, weil ich nur ein Webblatt mitgegeben habe)

Ashford Original und Umrüstung auf die alte Version. Funktioniert auch!
 

Es stand nun das Heide-Wolle Fest im Raum, das letztes Jahr ausgefallen ist. Und mein zweiter Gedanke war: Brauchst noch ein bissel was zum verkaufen. Vor 4 Wochen habe ich in unserem Sonderpostenmarkt Mohairwolle gefunden. Die letzte hatte ich auf dem Loppis in Schweden entdeckt und den kompletten Posten mitgenommen. Dieses Mal auch wieder, nachdem ich in der Krabbelbox ein Knäuel entdeckt hatte, das kein Polyacryl enthält. Nur Kid Mohair und Seide (88/12%) 😮 Auch hier habe ich wieder alles aus der Box gekramt, das ich finden konnte und hatte am Ende 3 Farben, die gut zusammen passen. Dunkelgrün, hellgrün und cremeweiß. Seitdem haben die Knäule geduldig gewartet, bis mir was passendes eingefallen ist und der Gedanke kam mit der Frage, was ich "schnell" noch machen kann, um das Lager ein bisschen aufzustocken.

Mohair in Kette und Schuss ist eine haarige Angelegenheit im wahrsten Sinne des Wortes. Das Garn ist so fusselig, dass es sich schon beim Angucken verhakt! 

Ich habe also erstmal überlegt, wie ich die Farben verteilen kann und irgendwann kam mir der Gedanke, sie ineinander laufen zu lassen. Das ging mir so lange im Kopf rum, bis ich nachts aufgewacht bin und Fibonacci im Gehirn sitzen hatte. Ich war eh wach, dann war es besser, das gleich aufzuschreiben, besser aufzumalen. Fix nachschlagen, wie die Folge losgeht. die zweite 1 habe ich weggelassen und weiter gezählt: 1,2,3,5,8 Also immer die aktuelle Zahl mit der vorherigen zusammen addiert. Mehr als 8 wird nichts bringen, wenn ich nicht mit Einzelfäden rumhantieren will, also immer paarweise.

Herausgekommen ist am Ende diese Verteilung. Anfangs bin ich noch von einem 30/10er Blatt ausgegangen. Ich hatte ja mit dem Schwedengarn schon eine Stola gewebt, konnte allerdings nirgendwo eine Aufzeichnung finden, wie ich das gemacht hatte. 😣 Ich wusste nur noch, die Kette war 2,40m lang. Aber ich habe ja noch einen gewebten Schal da, und habe nachgezählt. Ich habe es tatsächlich mit einem 20/10er Blatt gewebt. Macht Sinn! Bei der Luftigkeit ist ein Schal mit 40cm Breite nicht sinnvoll, also 60cm zum um die Schultern legen.
Ich habe noch kurz mit dem Gedanken gespielt, die Fibonacci Folge auch im Schuss zu verwenden, dann gäbe es einen schönen Karoeffekt. Aber ich habe vom weiß und hellgrün nicht soo sehr viel. Der Großteil ist dunkelgrün. Also mache ich diesen Schal mir einer Schussfarbe. Damit sehe ich, wie viel ich verbrauche und kann eventuell danach rauskriegen, ob das restliche Garn für Fibonacci im Schuss noch reichen würde. 
die einfarbigen Streifen halt in der entsprechenden Höhe... ich muss es mal auszählen 😊

Der Plan steht, also Kette aufziehen und los.


die Farbverteilung gefällt mir schonmal. der Flausch des Mohair leistet seinen Beitrag


aber der Schuss ändert ja nochmal einiges.

trotzdem sehr zufrieden. Gefällt mir ganz gut.

Für den zweiten Schal war ich bei Maliz stöbern, um ein bisschen Inspiration zu bekommen. Diesen Blog habe ich inzwischen wohl 3x von Anfang bis Ende durchgelesen und finde immer wieder etwas, das mir unbekannt erscheint! Er steckt so voll von Informationen auf einer sehr breit gefächerten Handarbeitsebene, das ich wohl einige Sachen zwar gelesen, aber als im Moment nicht machbar nicht im Hinterstübchen gespeichert habe. Irgendwann, beim nächsten und übernächsten Lesen desselben Beitrags dämmert mir... ach ja, da war doch was... das ist Dir damals dabei durch den Kopf gegangen...
Einmal mehr ist mir etwas ins Auge gefallen, das ich vorher zwar gesehen, aber nicht weiter beachtet habe: Smålandsdräll. Ein Buch in dem es um das Weben mit nur 3 Schäften geht. Mit 2 Webblättern kann man auf dem Webrahmen auch 3schäftige Webmuster weben. Also habe ich mir das Buch bestellt. 😁 Falls ich es auf dem Webrahmen doch nicht umsetzen kann, habe ich ja noch so ein, oder zwei Tischwebstühle. 😅

Diesmal habe ich gezielt nach Schals gesucht und habe grob durchgeblättert. Am Ende ist mir einer besonders aufgefallen. Transparens. Durchsichtige Streifen zwischen blickdichten. Das Material dazu taucht mehrfach auf und ich dachte, in meinem Päckchen, von Bart & Francis war doch Schappe Seide dabei? 🤔 Leider nicht, sondern nur Leinengarn in Schappe Optik. Aber 2 Tage vorher hatte ich einen Karton im Auge, in dem hauchdünnes Wollgarn in 3 Rottönen lag. Meine Schals sind normalerweise luftig und locker und werden einmal nach dem Fertigstellen durch die Waschmaschine gejagt, um leicht anzufilzen. Seide filzt nicht, Leinen auch nicht, das dünne Gewebe würde also immer verschiebbar bleiben. Aber Wolle filzt! Also warum nicht die hauchdünne Wolle mit dickerer kombinieren?

Ein passendes Knäuel hat sich schnell gefunden, ein angefangenes Knäuel Sockenwolle in Pinktönen und von dem 3erlei rot, das rosa. Die Aufteilung war wieder schnell gemacht, ein  40/10er Blatt, mit dem ich Sockenwolle normalerweise verwebe und das ich auch für meine superleichten Schals verwende. Die dünnen Stellen sind dann entsprechend lockerer. Weil ich den dichten Rand außen haben wollte, konnte ich nicht einfach 10,10,10...nehmen. Also habe ich ein bisschen  gespielt. die dichten Streifen mit je 10 Kettfäden, die dünnen mit je 8 und die Außenstreifen mit je 12 Fäden. Falls das nicht funktioniert, sind die durchsichtigen Streifen nicht gar so breit 😂
eine halbe Kette


Ich bin, gelinde gesagt, etwas begeistert. Es scheint zu funktionieren! Ich habe dieses Mal auch auf dem Warenbaum ein Trennblatt mit eingewickelt, damit sich die Spannung der Kette und des fertig gewebten nicht in eine Berg-und-Talbahn verwandelt. Beide Wollfäden sind aber relativ elastisch, so dass das Weben recht flott von der Hand ging. Als Schuss habe ich auch wieder das dünne Garn genommen, damit die Streifen auch wirklich durchsichtig bleiben.

Weil das Weben so problemlos ging, spiele ich schon wieder mit dem nächsten Gedanken, der auch im Schuss dichte Streifen hat. Das gibt ganz sicher ein interessantes Karomuster. Bei dem Pink hätte das nicht funktioniert, das Knäuel war schon angebrochen und nach dem Aufziehen der Kette war noch weniger als 50g übrig. HÄTTE reichen können, aber sicher war ich nicht. Also besser nicht zu viele Experimente auf einmal 😉 

Im Urlaub geht einiges schneller und so sind beide Schals schon fertig. Verfranst, gewaschen (und damit angefilzt) Nur nochmal kurz mit dem Bügeleisen drüber und ab in den Shop. Das Heidewolle Fest haben wir nun von uns aus abgesagt. Zu unsicher ist, ob es nicht sowieso vom Veranstalter wieder kurz vor Stattfinden abgesagt worden wäre. 

 
Je nachdem, welche Farbe man "oben" trägt, ist die Wirkung eine andere

 

immer noch durchsichtig. Cool! ♥





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