Donnerstag, 12. Februar 2026

80/10

Christine Ostendorf hat mich nach einem Webblatt in 80/10 für den Webrahmen gefragt. 

Alles, was man kaufen kann ist mit 60/10 das Feinste für den Webrahmen. 

Für die Nicht-Weber: 80/10 oder 60/10 sagt, wie viele Fäden auf 10cm nebeneinander liegen. Bei 80/10 also 80 Fäden auf 10cm. Sockenwolle webe ich gerne mit 40/10 auf dem Webrahmen, also der Hälfte und es wird dann schön locker. 

Beim Weberknecht gab es Versuche mit 80/10, aber das war mir zum Drucken irgendwie nix. Da braucht man ja für 10cm Webbreite auch gleich mal 80 Platten! Und alles ist so hauchdünn, dass es eigentlich gar nicht stabil sein kann. Ich habe es nie ausprobiert.

Aber Christine hat natürlich recht, mein Gehirn hat mal wieder im Gedächtnisarchiv gegraben und eine Erinnerung hoch geholt, die so aussieht, dass die Augen etwas über den Steg in der Breite überstehen. Die Krux ist, dass zwischen den Augen genug Platz sein muss, damit der Faden, der im Schlitz liegt, nicht am Auge hängen bleibt, wenn man das Blatt nach oben, oder unten bewegt. 

Die Idee ist, ähnlich wie beim Fächerkamm mit Modulen zu arbeiten, die durch Verbinder zusammengehalten werden, so dass man keinen Holzrahmen braucht. Mit dem Fächerkamm habe ich das auch schon gewebt. Das hat wunderbar funktioniert. Die Module sind allerdings jetzt 10cm breit, die meisten Webrahmen haben Webbreiten in 10cm Abständen. So kann man sich ein Webblatt zusammenschrauben, wie man es braucht und muss nur die entsprechenden unteren Endstücke passend zum Webrahmen anschrauben. RHL und Knitters Loom von Ashford haben da schonmal unterschiedliche Aufnahmen. 

Ein erster Test mit 1cm Breite, also 8 Fäden +1, um zu testen, wie das gedruckt aussieht. Ein Fädchen unbekannter Stärke bleibt prompt zwischen den Augen hängen, ist aber eigentlich schon recht dünn. 

das ist 1cm breit! nicht ganz 3cm hoch

Das nächste Problem ist, dass die Düse am Drucker 0,4mm dick ist, also so dick müssen meine Stege mindestens sein, am besten doppelt so breit, damit der Drucker 2 Linien druckt. Aber dann ist mir noch eingefallen, dass es auch dünnere Düsen gibt. Fix beim Hersteller geschaut. Ja, es gibt Düsen mit 0,2mm. Und oh Wunder, ich habe 2 in meiner Drucker-Ersatzeilbox! 

Also Zeichnung überarbeiten und zum Drucker schicken. Der meckert, weil die gewünschte Düse nicht mit der im Drucker übereinstimmt. Ähm, hab ich doch gewechselt! Nun, man muss dem Drucker auch sagen, dass sie gewechselt wurde. Die Düsen haben nämlich keine automatische Erkennung 😉 

Erledigt, gedruckt, wieder ein Mini-Muster. Das sieht schon besser aus, sauberer, feiner. Der Litzenstecher von Ashford passt zwar sauber sowohl durch den Schlitz, als auch durch das Auge, aber wenn ich den Faden durchziehen will, ist es ein bissel zu dick.

bevor der Druck für ein volles Modul gedruckt wird, gibt es nochmal Tests in Mini. Der Unterschied zwischen dem linken mit 0,4 Düse und den beiden rechten mit der feineren Düse ist gut zu erkennen. Ich habe das Ganze noch einmal so überarbeitet, dass die Schlitze zwischen den Stegen und in den Augen gleich sind und die Stege noch einmal schmaler gemacht

Neue Idee: einen Litzenstecher, der dünner ist. Ich dachte, ich hätte mal einen gezeichnet, aber ich kann die Datei nicht finden. Also suche ich auf den üblichen 3D-Druckplattformen und werde bei Thingiverse fündig. Sogar schon in der Stärke, die ich wollte.

Während mein erstes nun fertig gezeichnetes Webblatt immer noch druckt, geht der Litzenstecher auf den anderen Drucker. Am Besten gleich in einer Warnfarbe, damit man weiß, welcher der richtige ist 😉 

Ein Modul in voller Größe braucht über 4 Stunden. Die Düse habe ich am kleinen Drucker installiert. Mehr als ein Modul geht da nicht auf einmal auf das Druckbett, denn das hat dort nur 18x18cm  Aber in der Zwischenzeit kann ich ja die Verbinder auf dem anderen Drucker drucken. Auch erst wieder ein Test, dann die, die noch fehlen.

Die Schlitze haben nach dem letzten Testdruck nochmal ein upgrade bekommen. Die Abstände zwischen den Stegen und im Auge sind nun gleich.

Das erste Webblatt ist für Christine zum Testen, ich habe grade keine Zeit dafür. Aber alles in Allem habe ich ein gutes Gefühl. Das Modul als solches ist irgendwie sogar stabiler, als eines vom Fächerkamm, obwohl es einen ganzen Millimeter dünner ist. Ich fürchte, ich brauche sowas für mich auch! 😂🙈

so sind erstmal 6 Module + Verbinder auf die Reise gegangen

Weil der Drucker einmal so eingerichtet war, habe ich für mich gleich auch nochmal 6 Module gedruckt inklusive der Verbinder, die ich mitgeschickt habe.
Die Verbinder sind recht kurz, nur grade mal 3cm breit. Beim Fächerkamm hat das auch recht gut funktioniert. Aber dort waren sie Module schmaler (nur 6cm breit) und einen ganzen Millimeter dicker.
Die Endstücke werden nur mit einer Schraube befestigt und ich habe sie nicht fest genug bekommen, bis ich einen kleinen Streifen Pappe in den Zwischenraum gelegt habe. Meine Versuche, die Konstruktion anzupassen sind gescheitert. Ich will hier aber auch keine Kanonenwissenschaft entwickeln. Es soll einfach nur passen.
mit dem Pappstreifchen wackelt es endlich nicht mehr. Manchmal sind die einfachsten Lösungen die besten 😉


Als ich mein Webblatt dann zusammengeschraubt habe, habe ich bemerkt, dass das Blatt in sich zwar doch recht stabil ist, aber zwischen den Segmenten gibt eine winzige Lücke. Das sollte beim Weben normalerweise nichts ausmachen. Spätestens wenn der Stoff fertig ist, gleicht sich das wieder aus, sollte es im Gewebe tatsächlich sichtbar sein.
auf den ersten Blick kaum zu sehen, aber wenn man das Webblatt im Ganzen anschaut, fällt es doch auf.

es ist wirklich winzig und eigentlich sollte das größere Loch im Modul genau sowas ausgleichen

Also habe ich die Verbinder geringfügig gekürzt. Nun sind die Lücken zwischen den Modulen verschwunden (linker Teil), dafür merke ich sie nun in den Verbindern. DAS gefällt mir eigentlich noch weniger! Trotzdem habe ich mal einen Satz in der Form für Christine gedruckt. 


Währenddessen ging mir durch den Kopf, dass die unterschiedliche Form von Verbindern und Endstücken schon komisch aussieht so im Ganzen. 
Die erste Lieferung kam inzwischen bei Christine an und sie meint, die Endstücken sind um einen Ticken zu lang. Das Webblatt hat sich ganz schön durchgebogen. Beim Anschlagen vom Schuss macht das nichts, da hat man das Blatt ja in der Hand, aber beim Rausheben und Einsetzen in die Halter hakelt es halt. Das soll alles flüssig gehen! Also Endstücken um einen Millimeter kürzen. 
Und im selben Zug habe ich dann den Verbindern die Form der Endstücke gegeben. Sie waren halt ziemlich "klein" gehalten, damit das Drucken nicht so lange braucht und nicht so viel Material verbraucht wird. Die Druckzeit und das Gewicht schlägt sich am Ende auf den Preis nieder. Und es soll ja immer möglichst günstig sein.

Es gingen also 2 Sätze Verbinder und Endstücken auf die Reise. Absichtlich in unterschiedlichen Farben, damit man sie auseinander halten kann. Auch für mich ist von den neuen Verbindern ein Satz abgefallen. Und so schaut mein Webblatt fast aus, wie ein Original.


Ich werde es noch einmal auf Verdrehung und Stabilität testen und dann doch noch einmal den ersten Satz mit den längeren Verbindern einsetzen und das vergleichen. Sollte das am Ende stabiler sein, pfeife ich auf den inneren Monk und das Webblatt hat halt kaum sichtbare Lücken 😎
Aber ich warte mal ab, was Christine so zu dem Ganzen sagt. Vielleicht sind wir noch nicht am Ende der Reise angekommen...




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