Was ist Dobby? Nicht zwingend ein Hauself! Obwohl der mir wahrscheinlich ein bisschen hätte helfen können 😉
Ein Dobby-Webstuhl funktioniert wie eine Lochkarte. Man stanzt Löcher in eine Platte, führt diese durch ein Lesegerät und das gelochte Muster wählt aus, welche Schäfte gehoben werden. Bei Damastwebstühlen wird das auch so gemacht. Das Prinzip ist beim Dobby nur ein bisschen anders. Es gibt keine Lochkarte, dafür werden Stecker in eine Leiste gesteckt, die in der richtigen Position den Hebel nach vorn schieben, so dass der Balken, der davor unter den Nasen sitzt, diese greifen kann, wenn er nach oben gezogen wird.
Marlies und ich sind durch das Weberknecht Projekt noch enger in Kontakt, als es das vorher schon war. Schon vorher war sie meine "heilige Kuh", mein Wikipedia oder Brockhaus des Webens. Wenn ich etwas spezielles gesucht habe, habe ich es auf ihrem Blog gefunden. Wenn einer was entdeckt hat, hat er es den anderen gezeigt. Sofort wurde überlegt, ist das sinnvoll, oder nicht. Wenn ja, kann man das nachmachen?
Jeder von uns hat ein Gehirnlabor, wo Sachen gespeichert werden, die man bei Bedarf dort herholen kann. Bedingt durch unsere unterschiedlichen Leben, Arbeits- & Wirkungskreise, sieht das bei jedem anders aus, was die Bibliothek des Wissens für alle um einiges erweitert.
Durch eine einfache Frage kam der Fächerkamm ins Leben. Ein erster Entwurf von mir, eine Verbesserung durch einen Bekannten (?) von Marlies in Schweden, von mir noch einmal in die Hand genommen und durch einen weiteren lieben Bekannten in Neuseeland so in ein Modell verwandelt, dass ich es nun problemlos in jeder gewünschten Form (also für jeden Webrahmen oder Webstuhl) drucken kann. Dazwischen kamen die geraden Segmente in verschiedenen Breiten hinzu. Dieses ständige Überarbeiten und verfeinern ist es, was mir dabei so gut gefällt. Es gibt nicht immer nur eine Lösung und manchmal braucht es ein paar Denkanstöße von außen, weil wieder jemand einen anderen Erfahrungskreis hat. Sieht man das fertige Teil, denkt man vielleicht: pha, ist doch easy, hätte ich auch gekonnt. Hättest Du? Mit nur einem Bild und einer Frage? Ich selber denke dann: warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen, es ist doch logisch.
Durch diesen laufenden Gedanken- und Informationsaustausch kamen wir auch auf einen komplett 3D gedruckten mehrschäftigen Webstuhl. Der "Erfinder" ist Fraens. Den Erfinder habe ich absichtlich in Gänsefüßchen gesetzt, denn sowohl der Webstuhl, als auch das nachfolgende Update, diesen zu einem Dobby umzubauen, erinnern schwer an Ashford und Louet. Nichtsdestotrotz ist die Umsetzung in lauter kleineTeile, und diese zu einem funktionierenden Ganzen zusammen zu fügen, schon eine Meisterleistung. Das Elemente aussehen, wie von anderen Herstellern ist da wohl dem Vorbild geschuldet. Man muss das Rad ja nicht neu erfinden, wenn es das schon mehrfach gibt. Und wenn es rollt, warum daran verbessern?
Ok, beim Verbessern bin ich ja wohl Meister Matz. Es gibt nicht wirklich viel, bei dem ich komplett nix zu meckern habe. Selbst bei meinen eigenen Sachen, finde ich oft noch was, wo ich denke: hättste auch so machen können, oder das gleich noch mit dazu. Aber das ist eben auch das Problem, wenn man allein arbeitet. Einen Fehler zu entdecken, wenn man was fertig sieht, ist einfach. Ihn zu vermeiden, weil man gedanklich ganz andere Wege geht, ist schon schwieriger. Bis zum Ende gibt es immer wieder was anzupassen, zu ändern, oder sogar komplett zu verwerfen und von vorn anzufangen. Hinzu kommt, das man aus seinem eigenen Erfahrungsschatz weiß, wie man etwas benutzen will. Andere machen das anders und kommen dann nicht mit dem zurecht, wie es gedacht war. Für mich lass ich es meist so, wie ich es dachte, weil was mache ich mit dem Material, dass ich dann wieder abbaue?
Nun dann zum Dobby. Zuerst haben wir den 8schäftigen Webstuhl entdeckt. Großes Staunen und überlegt, geht das?
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| Bilder von Fraens und Ashford |
Auf den zweiten Blick dachte ich, hm, kommt mir bekannt vor 🤔 Einmal kurz im Katalog geschaut, ja, hier hat der Katie Loom von Ashford Pate gestanden. Hätte ich auch so gemacht. Für viele Webgeräte gibt es detaillierte Anleitungen, wie sie zusammengebaut werden. Da findet man schon einiges über die Form der Teile und die Funktionsweise heraus, denn es wird ja auch erklärt, wie man es verwendet. Für den Fraens gibt ein sehr gutes und hilfreiches Video, wie man alles zusammenbaut, es gibt eine Zusammenbauzeichnung (in verschiedenen Dateiformaten) und auch eine Aufstellung für die Teile, die nicht gedruckt werden, also Schrauben, Muttern, Aluprofile oder Gewindestangen. Ein Ordner, in dem alle Teile mit Namen aufgeführt sind. Nur leider fehlt irgendwie die Verknüpfung der Nummern auf der Zeichnung mit den Bezeichnungen im Ordner. Da alles in Englisch gehalten ist, habe ich ziemlich schnell den Überblick verloren, was was ist und wie oft es ggf. gedruckt werden muss. Also habe ich mir mit Farben beholfen. Ich hatte eh jedes Teil in einer anderen Farbe gedruckt, diese habe ich dann auf der Zeichnung entsprechend eingefärbt und gleichzeitig den Dateinamen die entsprechende Nummer gegeben.
Die gedruckten Teile passen perfekt ineinander, nicht zu eng, nicht zu locker. Zusammensetzen und passt. Probleme gab es bei mir dann mit den gekauften Teilen. Schrauben und Muttern sind genormt. Aber Alustäbe und generell Metallprofile haben in sich und untereinander teilweise so eine große Toleranz, dass hier manchmal was geklemmt hat, an einer anderen Stelle war es zu locker. Das ist mir beim Weberknecht auch schon passiert, dass das Innenloch der Musterscheiben so knapp war, dass es auf herkömmliche Vierkantprofile aus dem Baumarkt zu knapp war und sich die Scheiben oft nur mit Mühe schieben ließen. Eine Bestellung von höherwertigen (teureren) Profilen hat keinen Unterschied gemacht. Die Toleranz innerhalb einer einzigen Stange war teilweise bis zu 0,1mm, von Stange zu Stange fast 0,2mm. 😮Das ist viel, wenn man da was drüber schieben muss.Dadurch, dass die Stäbe nicht gleich leicht in die Seitenteile gingen, haben sie sich wohl beim Zusammensetzen etwas verbogen, damit war dann das Schieben beim Litzenstechen eher ein Kraftakt. Darum war meine erste Änderung auch, dass die Litzen mehr Spiel bekommen.Die Löcher an sich sind nun um 0,5mm größer als die Alustange und haben unten ein Langloch. Falls doch mal ein Stab nicht ganz grade ist, gleicht sich das dort prima aus. Ich habe kein Spezialgeschäft, bei dem ich industriell toleranzgebundene Teile kaufen kann. Ich habe zwei Baumärkte und das, was es dort für wenig Geld gibt.
Und dann kamen Stück für Stück Fragen auf: warum ist das jetzt so gemacht? Das hält doch nicht! Nunja, ich komme aus dem Maschinenbau, da muss alles fest sitzen und man muss es ordentlich anziehen können. Bei dem Oberteil des 8-Schäfters kommen die Schnüre von der Platte, die die Hebel hält, von den Schäften durch die Löcher ganz außen und gehen dann zu dem jeweiligen Hebel. Dabei überkreuzten sie sich zwangsläufig, so das Reibung innerhalb der Schnüre vorprogrammiert ist. Das gefällt mir auch bei anderen Webstühlen überhaupt nicht! Es erschwert das Verständnis, was wie funktioniert. Ich habe die Fäden mal per Hand eingezeichnet, um das zu zeigen. Die nächste Frage, die sich mir dann prompt gestellt hat: Die Schäfte haben unten einen Gummi, der sie wieder nach unten ziehen soll, weil sie so leicht sind, dass sie nicht von alleine wieder in ihre Ausgangsposition fallen. Es braucht also schon ein bissel Kraft, um die Schäfte nach oben zu bewegen. Damit sind die Löcher, durch die die Fäden kommen auch einer Reibung ausgesetzt, die entweder die Löcher kaputt macht, oder den Faden aufribbelt. Meine erste Aktion war hier darum: Ich habe Metallnieten von oben und unten in die Löcher geklebt. Damit habe ich schonmal eine mögliche Reparaturstelle ausgeschaltet.
Aber die Muttern! Sie haben mich etwas zum Verzweifeln gebracht. Ne M4er Schraube mit ner einfachen Mutter angezogen an einem Gerät, bei dem sich bei jedem Handgriff irgendwas bewegt... Ich habe ganz schnell zu selbstsichernden Muttern gegriffen, damit ich sicher sein konnte, dass alles, was ich angezogen habe, auch angezogen bleibt 😉 Aber selbstsichernde Muttern sind halt etwas höher, als normale und damit braucht man längere Schrauben und sie schauen in den Muttersenkungen halt etwas heraus. Und wenn man sie so anzieht, dass sie festsitzen, gibt halt auch mal der Kunststoff nach und bricht. Ich muss aber gestehen, dass ich nicht erst gelesen oder nachgeschaut habe, ob es empfohlene Druckeinstellungen, oder spezielles Material zu beachten gibt! Ich hab halt drauflos gewurschtelt.







