Sonntag, 22. März 2026

Dobby - der Test

Mein Dobby lag ein halbes Jahr auf Eis. Ich bin immer wieder daran vorbeigelaufen, mit dem Entschluss, heute geht es weiter. Aber so recht kam ich nicht in die Gänge. Alles, warum es liegen geblieben ist, war immer noch da und mir wollte keine Lösung einfallen.

Inzwischen hatte Marlies ein paar reelle Mängel aufgetan. Reell insofern, dass sie eben kein dickes Garn verwendet hat, sondern dünneres und die Fäden doppelt durch das Webblatt gezogen hat. Damit hat man bei einem Blatt mit 40/10er Teilung die Möglichkeit, 80 Fäden auf 10cm einzuziehen.

Marlies wohnt im Sommer in Schweden und im Winter in Deutschland. In Schweden gibt es Loppis, bei uns würde man sagen Trödelladen, oder Trödelmarkt. Als ich 2019 in Schweden war, haben wir auch einen besucht und ich muss sagen, es wird dort wirklich ALLES angeboten. Und alles ist auch noch nutzbar und sieht aus, als ob es letzte Woche noch in Gebrauch war. Marlies findet dort immer wieder Schätze, die man hier entweder nicht bekommt, oder sehr teuer bezahlen muss. Ich bin auch nicht ohne Beute nach Hause gegangen. 

Vor einigen Jahren hat sie mir einen Therapiewebstuhl mitgebracht, den ich zuerst so benutzt habe, wie er war, dann habe ich dran rumgebastelt und versucht, ihn mit 8 Schäften und Handhebeln auszustatten... mit meinen damaligen Möglichkeiten.

Meine Kreativpause war vorbei, als ich um Weihnachten rum ein tolles Webmuster entdeckt habe, dass man zwar kaufen muss, aber das ist immer noch günstiger, als die fertigen Handtücher aus USA zu importieren. Von daher finde ich es toll, das Jen ihre Muster auch zum selbermachen anbietet. Den Link dazu gibt es am Ende.

Und auf einmal hat es Klick gemacht. Der ganze Unterbau war mir auf einmal zu fragil, ich brauche was handfestes. Auch Marlies hatte inzwischen einiges an ihrem Dobby geändert, das in meine Gedanken mit eingeflossen ist. Und dann habe ich gesehen, dass man den ganzen Aufbau, ob für Handhebel, oder Dobby, einfach komplett aus dem Untergestell herausnehmen kann. Inklusive der schon eingerichteten Schäfte! 😮

Und dann kam der Blitz. Warum nicht nur diesen Aufbau auf ein bestehendes Gestell setzen? Zufällig fiel mir mein 40er Ashford Webrahmen vor die Füße und ich habe den Aufsatz draufgesetzt. Um ein paar Millimeter zu breit! Und nochmal an der Breite rumzubasteln hatte ich keine Lust. Den Ashford zu verändern kam gleich gar nicht mal infrage. Den brauche ich noch so, wie er ist! Er hat auch keinen Brustbaum, bei dem meine Kette und mein Stoff immer auf der gleichen Höhe bleiben würden. Mein Fach beim Weben würde sich also ständig ändern, je nachdem, ob ich die Kette hinten verringere und den Stoff vorne aufwickle. 
Aber da war ja noch der kleine Schwede. 🤔
der war ja schon bestückt mit 8 Schäften und das hat auch recht gut funktioniert
den Aufsatz dort draufgesetzt und festgestellt, er schließt fast bündig mit dem Rahmen außen ab 😮

Da hätten wir es doch! Ein stabiler Rahmen und ein Dobby-Aufsatz.
Jetzt war der Bastlerfunke wieder da. 
Den Aufsatz wollte ich erstmal so lassen, der war in sich stabil und vor allem schon fertig montiert.
Also muss ich den Rahmen ändern. Wie bei meinem Gedanken, den Fraens Rahmen zu verbreitern, habe ich auch hier geschaut, was ist zu schmal? 
Nun, hier ist es ein rechteckiger Rahmen, der vorne und hinten die Seitenteile zusammenhält. Der Kett- & und der Warenbaum sind dicke Rollen, die einfach nur mit Bolzen in den Seitenteilen liegen. Auf einer Seite mit einem Handgriff und Sperrrad. Der dicke Durchmesser verhindert, dass sie sich seitlich verschieben können.
Als erstes habe ich das alte Webstück herunter geschnitten. Sowas mache ich äußerst ungern, aber es hatte sich ein Einzugsfehler eingeschlichen, den ich nach einer Webpause nicht mehr gefunden habe und so stand der Rahmen seitdem. Da ich aber nun ganz sicher keinen Nerv mehr hatte, den Fehler zu suchen, zu finden und das Gewebe zu beenden, habe ich es abgeschnitten. Lustig dabei, das Muster war in der Art, wie ich sie nun gerade auf dem Webstuhl habe.

Für den ersten Schritt musste ich nur den Rahmen, also die beiden Rechteckrahmen vorne und hinten und davon eigentlich nur die Querleisten soweit verlängern, dass der Dobby Aufsatz zwischen die Seitenteile passt.
Nicht viel, aber offensichtlich auch gar nicht so einfach, in das 20x20 Vierkantholz eine Nut reinzufräsen, oder außen einen Absatz. 🙈
 
Mehr schlecht als recht, der Holzleim hälts zusammen.

2 Rahmen gebastelt und merke, der Rahmen ist hinten höher, als vorne 😮 Einer meiner Rahmen ist damit zu hoch, weil ich den hinteren gemessen hatte. Nochmal wollte ich diese Arbeit aber nicht machen, also habe ich umdisponiert und doch den 3D Drucker zum Einsatz gebracht. 

Ich wollte am Rahmen  so wenig wie möglich rumbohren und habe als erstes versucht, den Dobby-Aufsatz so zwischen die Orignalholme zu setzen, dass ich das vorhandene Loch oben nutzen kann.
 
Dafür habe ich die vordere Originalgewindestange wieder rausgenommen und durch eine längere ersetzt. 
Hier ist der Rahmen zwar schon bespannt, aber am Besten zu sehen, dass ich unterhalb der großen Bohrung noch zwei weitere zum fixieren des Gestells gesetzt habe, die ich von da abgenommen habe.

Hier erst sehe ich, dass mein Gestell gar nicht richtig senkrecht sitzt, weil ich die neuen Löcher mittig in den Holm gesetzt habe (ich habe es zumindest versucht). Für meinen Testweb habe ich davon allerdings nichts gemerkt.

Der Einsatz sitzt und ich habe schon im Originaluntergestell festgestellt, dass beim Heben der Schäfte ziemlich viel hakelt. Wahrscheinlich wieder, weil ich auch bei der Verschnürung eine Schnur verwendet habe, die nicht der Anleitung entspricht. Aber die 2mm Schnur, die angegeben war, kam mir einfach zu dick vor, um gut über die kleinen Rollen zu laufen. Und selbst mit dieser etwas dünneren, war es eine ganz schöne Fummelei sie zu verschnüren und zu fixieren.
 
Was das Einstellen/Justieren der Schäfte zusätzlich erschwert, ist diese Schraube, die unten in den Hebern steckt. Die Schnur wird als Schlaufe von der Seite mit der Rille durch das Loch gezogen und mit der Schraube fest gezogen. Das Problem dabei ist, wenn alles verschnürt ist, kommt man an diese Schraube so einfach nicht mehr dran, um sie zu lösen, die Schnur auszurichten und die Schraube wieder fest zu ziehen. Ein Gedanke, das zu verhindern war, die Schnur einfach grade durch zu ziehen, aber Marlies meint, dann würde der Heber nicht weit genug weg von der Mitte gezogen werden, damit die Pins sie dann nach vorn schieben können. Ich denke, wenn man hier an den Maßen dreht, könnte es gehen. Für den Test habe ich es aber so doch nicht gemacht. Ich brauchte ein Gefühl für die Funktion und das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten.
Was ich allerdings gemacht habe, ist, ich habe einen Anker in die Schlaufe hinter den Heber gepackt. In diesem Fall waren es einfache Maschenmarker vom Stricken. Einmal, damit mir die Schlaufe beim möglichen Lösen nicht einfach rausflutscht, und dann, damit ich beim Nachstellen daran ziehen kann, halten und Schraube möglichst schnell wieder festziehen.
An diesem Punkt stand für mich schon fest: nicht wenn, sondern dass ich das umbaue. Ausgelegt für Texsolv Ösenschnur. Also müssen meine Heber breiter werden, damit das Loch darin für eine Schlaufe ausreicht. Dazu gehört dann, dass auch meine Rollen groß genug sein müssen, damit sie mit dieser Schnur zurecht kommen können. 
Meine Schäfte saßen nun endlich alle gerade und auch gleich hoch. Test im Leerlauf: alles schick.

Fehlt eigentlich nicht mehr viel, Kett- & Warenbaum. Hatte ich schon vorbereitet. Die alten richtig dicken waren nun zu kurz, ich hatte ja den Rahmen verbreitert. Also habe ich aus Rundholz mit 3cm Durchmesser 2 neue in passender Länge gesägt. Die Verzahnung und der Sperrzahn sahen beim Fraens nicht nur winzig aus, Marlies hat auch festgestellt, dass das nur bedingt taugt. Also habe ich an einer Stirnseite einen Gewindeeinsatz reingesetzt, so dass ich mit einer Schraube im Griff, die dort eingeklebt ist und fest angezogen wird, verhindern will, dass sich die Spannung löst. Nun, das hat überhaupt nicht funktioniert. Zum Kette schären ging es noch. Aber als ich sie dann gespannt habe, hat es nicht gehalten. Beim Drehen ist die Verbindung immer wieder locker geworden und die Kette war nicht stramm. 

Also alles wieder aufmachen und erstmal den den Warenbaum ausbauen. Und dann habe ich mir die Originalvariante der Bäume angeschaut.
 
es steckt ein runder Bolzen in dem Holzstab, der am Ende einen Zweiflach hat. In dem Teil, der im Holz steckt, sind 2 Löcher. In einem davon steckt ein Splint. So kann sich der Bolzen im Holz nicht verdrehen. Damit sich das Zahnrad nicht verdreht, ist dort die Form des Zweiflach eingearbeitet.

Zum nachmachen ist das eher nix und gibts auch nicht einfach im Baumarkt zu kaufen. Für einen späteren Bedarf muss ich nochmal intensiv auf die Suche gehen!
Für jetzt habe ich die Bolzen aus den original Bäumen entfernt, den Gewindeeinsatz rausgeschraubt, das Loch passend aufgebohrt und ein zusätzliches Querloch gebohrt. 
Beim ersten Bolzen habe ich mich gefreut, weil da sogar ein Gewinde drin war und ich den Bolzen mit einer Schraube sichern konnte. Bei dem zweiten hat mich das etwas Mühe gekostet. Die Schraube wollte da so gar nicht passen, bis ich gemerkt habe, dass im zweiten Bolzen gar kein Gewinde drin war. 🙈
Hab es nachträglich reingeschnitten, weil ich das Querloch im Baum auch schon für eine Schraube vorbereitet habe.
Jetzt kann ich auch die alten Handräder wieder benutzen und die Sperrhaken, die sich nicht entfernen lassen. Zumindest nicht so einfach. Sie sind genietet. 

Damit ich den zweiten Baum auch mit einem alten Bolzen ausrüsten kann, habe ich meine Kette wieder vorne angebunden und einmal vom Kettbaum auf den Warenbaum gewickelt. Dieser war damit leer und ließ sich ausbauen und umrüsten. Danach die Kette wieder zurück auf den Kettbaum. die ganze Zeit hatte ich noch den Reedkamm auf dem hinteren Brustbaum und zwei Stäbe zum Spannung halten davor, weil mir beim Schären die ersten Fäden ohne Gangkreuz etwas durcheinander gekommen sind. So konnte ich sie gleich richtig sortieren. 

Aber nun kann ich endlich weben! Oder? 
Solange die Anbindung noch nicht um die Kurve ist, muss ich immer sehr genau aufpassen. Trotzdem haben sich einige Webfehler eingeschlichen und ich bin auf die Suche gegangen.

Mein Fach ist nicht sehr groß und dann ist mir wieder eingefallen, dass mein hinterer Brustbaum höher, als der vordere ist. Also habe ich hier noch einmal den Rahmen abgeschraubt, die kurzen Holme, die ich vorne habe, hinten auch eingebaut. Nun ist alles auf einer Höhe.

Trotzdem blieben Webfehler. Zu oft wurde ein Faden immer wieder gehoben. Aber ich war damit beschäftigt, mich auf den Ablauf zu konzentrieren. Also weitersuchen.
 
Es war mir schon beim Zusammenbauen aufgefallen, dass die Heber mehr Luft haben, als die verschiedenen Röllchen und hier lag der Hase im Pfeffer. Marlies hatte es auch schon bemerkt und passende Scheiben gedruckt. Ich habe normale Unterlegscheiben genommen. Allerdings sind die etwas dick und so kann ich nicht eine zwischen alle Heber setzen. Ich habe es ein bissel ausgemittelt, wo eine hin muss, so dass die Bolzen immer nur einen Heber bewegen.

Und schwupps kam das Nächste: das Handrad hat sich auf der Achse gedreht, weil es gar nicht fest genug angezogen werden konnte. Das mag auch wieder an meinem Baumarktmaterial liegen. Aber trotz eingearbeitetem Keil ist das Rad gerutscht. Es muss eine verdrehsichere Variante her. 
Ich habe etwas längere Muttern mit Außensechskant, das müsste doch gehen!
Das Handrad hatte ich schnell angepasst. Gedacht war, diese lange Mutter durch meine bewährte eingelegte Mutter mit einer Madenschraube zu fixieren und mit einer zweiten Mutter zu kontern, damit sie sich nicht losdrehen kann. Immerhin drehe ich das Rad ja linksrum zum weiterdrehen.
In der Rolle hatte ich ja schon so einen Schlitz drin, um die Mutter dort reinzustecken und auch sie am Verdrehen zu hindern. Das Ganze saß auf einer langen Schraube aus einem Fensterdübel, der von der Hinterseite durchgesteckt wurde. Weil sie ein bisschen zu lang war, kam noch eine Unterlegscheibe dazwischen.
Die Kontermutter hat etwas aufgebaut und damit war meine Feder nun etwas zu kurz (das jetzt schwarze Ding, bei dem der Fünfkant vom Handrad beim Drehen einrastet). Das Handrad saß ja nun weiter weg von meinem Aufsatz. Also habe ich ihn noch einmal gedruckt und im Slicer nur auf die doppelte Höhe gezogen.
Das hat soweit ganz gut funktioniert, nur hat die Madenschraube im Griff nicht so gut gegriffen, wie gehofft. Der Griff ist ein bisschen gerutscht, konnte aber beim Weben leicht wieder rangeschoben werden. Vielleicht, wenn ich noch ein Loch reingebohrt hätte... Aber es war ja eh erstmal nur eine praktikable Lösung.

Und endlich ist es geflutscht! Das Muster war fehlerfrei und das Weben ging wie am Schnürchen. Eine etwas schwere Geburt, aber ich habe richtig viel gelernt und einiges Verbesserungspotential entdeckt 😉

Etwas musste ich noch ausprobieren, dass mir schon länger durch den Kopf ging: Immer, wenn man die Kette weiterdreht und sie über einen Brustbaum läuft, verschieben sich die Fäden etwas. Nicht sehr und es gleicht sich beim Waschen fast immer wieder aus. Aber ich wollte es einfach mal testen. Einen drehbaren Brustbaum. Ich habe dafür eine Holzdübelstange mit 2cm Durchmesser genommen, in der Hoffnung, dass sie den gewebten Stoff gut transportiert. Und das funktioniert richtig gut! Ich freu mich.

Aber die Arbeit geht nun erst los. Jetzt will ich es richtig anpassen! 

Das Muster kann man bei Jennifer kaufen. Ich habe es für meine Webbreite etwas angepasst.







 




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